Abnehmpillen aus dem Netz

Diätmittel aus dem Internet, die rasante Abnehmerfolge versprechen, können schwere und tödliche Nebenwirkungen hervorrufen. Nicht selten enthalten Präparate aus Asien Wirkstoffe, die in Deutschland nicht zugelassen oder gar verboten sind.

Achtung: Vermeintlich pflanzliche Inhaltsstoffe

Viele der im Internet zu erwerbenden Präparate locken nicht nur mit Schlankheitsversprechen. In den zahlreichen Angeboten wird auch behauptet, dass die Tabletten nur rein pflanzliche Inhaltsstoffe enthalten würden. Das ist aber nicht der Fall. Tatsächlich enthalten die Pillen medizinische Wirkstoffe. Sie werden nicht deklariert und sind mitunter hochgiftig und in Deutschland häufig gar nicht oder nur in geringeren Dosierungen zugelassen. Dazu gehören unter anderem Ephedrin, Sibutramin und Dinitrophenol.

Abnehmen um jeden Preis

In Deutschland wird daher nicht ohne Grund gewarnt. Sowohl Verbraucherschützern als auch den Behörden ist die Problematik bewusst. Trotzdem tummeln sich in Internetforen Menschen, die gezielt nach den gefährlichen Tabletten suchen und auch bestellen. Durch den Zoll werden regelmäßig größere Mengen beschlagnahmt. Viele der auf diese Weise aus dem Verkehr gezogenen Pillen stammen aus China oder Brasilien. Viele Inhaltsstoffe, die in Deutschland verboten sind, sind dort legal und sogar frei verkäuflich.

Die Pillen ermöglichen wirklich einen Gewichtsverlust – aber zulasten der eigenen Gesundheit. Die enthaltenen Substanzen sorgen dafür, dass sich der Körper in einer Art Dauer-Alarmzustand befindet. Das benötigt Energie, die sich der Körper aus seinen Fettreserven holt: Die Atmung beschleunigt sich, der Herzschlag ebenfalls bis hin zu Herzrasen, die Betriebstemperatur des Körpers steigt unkontrolliert an. Schließlich kollabiert der Kreislauf, die Organe überhitzen. Genau daran verstarb vor knapp vier Jahren eine junge Engländerin, die zuvor solche Abnehmpillen geschluckt hatte.

Überblick: eine Auswahl gefährlicher Stoffe

Folgende Stoffe können in Präparaten aus dem Ausland enthalten sein:

Dinitrophenol (DNP)

Dinitrophenol (DNP) ist eine hochgiftige Chemikalie, die bereits in kleinen Mengen zum Tod führen kann. Es wurde ursprünglich zur Herstellung von Sprengstoff verwendet. Zu Beginn der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts kam es dann als Mittel zur Gewichtsreduktion auf den Markt. Aufgrund schwerster Nebenwirkungen wurde der Vertrieb bereits kurze Zeit später wieder eingestellt. Einmal eingenommen kann auch ärztliches Eingreifen die Vergiftung nicht mehr stoppen – es gibt kein Gegengift.

Die Nebenwirkungen sind äußerst schwerwiegend und typisch für eine Vergiftung:

  • Erbrechen
  • Unruhe
  • flache Atmung
  • starke Kopfschmerzen
  • unregelmäßiger Herzschlag
  • Hirn- und Lungenödem
  • plötzlicher Herzstillstand
  • Überhitzung des Körpers und damit einhergehend die Zerstörung der weißen und roten Blutkörperchen
  • Leberversagen
  • Multiorganversagen

Ephedrin

Ephedrin ist ein chemischer Stoff, der den Amphetaminen ähnelt. Aufgrund eines steigenden Missbrauchs als Appetitzügler und Partydroge wurden alle frei verkäuflichen Präparate vom Markt genommen. Durch die Einnahme von Ephedrin setzt der Körper vermehrt Adrenalin (ein Stresshormon) frei, was den Kreislauf beschleunigt,die Körpertemperatur ansteigen lässt und die Fetteverbrennung zur Deckung des erhöhten Energiebedarfs ankurbelt.

Mögliche Nebenwirkungen sind:

  • Unruhe
  • Angstzustände
  • Schlaflosigkeit
  • Erbrechen
  • Herzrasen
  • Halluzinationen
  • Verwirrtheit
  • Kurzatmigkeit
  • Herzstillstand

Sibutramin

Sibutramin ist ein Arzneiwirkstoff, der bis vor einigen Jahren noch als Appetitzügler zugelassen war. Wegen seiner schwerwiegenden Nebenwirkungen wurden Medikamente mit diesem Wirkstoff allerdings vom Markt genommen.
Über das Internet ist Sibutramin illega,l aber noch erhältlich. Besonders gefährlich: Die Präparate enthalten dann sogar höhere Konzentrationen des Wirkstoffs als früher erlaubt war.

Die möglichen schweren Nebenwirkungen können sich wie folgt äußern:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • erhöhter Blutdruck
  • Herzrasen
  • Gedächtnisstörungen
  • Schlaflosigkeit
  • Sprach- und Sehstörungen
  • Kopfschmerzen, Migräneattacken

So können Sie sich schützen

Seien Sie skeptisch. Was sich gut liest, ist meistens auch viel zu gut, um wahr zu sein. Vorsicht ist geboten, wenn Abnehmmittel als 100% natürlich deklariert sind.
Sie sollten keine Diätpillen und auch keine sonstigen Medikamente einnehmen, die Sie über das Internet erworben haben und die aus dem Ausland stammen. Diese können bedenkliche und giftige Inhaltsstoffe enthalten, die in Deutschland aufgrund ihrer schädlichen Nebenwirkungen nicht zugelassen sind.
Wenn Sie ein solches Schlankheitsmittel bereits eingenommen haben, sollten Sie die Einnahme beenden.
Spätestens wenn Sie unerwünschte Symptome bei sich bemerken, stoppen Sie sofort jede weitere Einnahme und holen sich ärztlichen Rat.

Auch Diätmittel aus der Apotheke können Nebenwirkungen hervorrufen

In den Apotheken sind drei Arten von Abnehmprodukten verfügbar, die sich in ihrer Wirkungsweise unterscheiden: Quellmittel, Fettkiller und Appetitzügler. Näheres zu deren Nebenwirkungen – die zum Teil schwerwiegend auf das Herzkreislauf-System einwirken können (z. B. Herzrasen) – lesen Sie hier.

Ihre Mitarbeit ist wichtig! Wann immer Sie den Verdacht haben, an Nebenwirkungen unter der Einnahme von Abnehmitteln zu leiden, sollten Sie diese umgehend melden. Oftmals reichen wenige Meldungen aus, um die Öffentlichkeit über schwere Vorkommnisse zu informieren und Beipackzettel zukünftig zu aktualisieren, wie etwa die Rote-Hand-Briefe wirkungsvoll zeigen.

Über Nebenwirkungen.de haben Sie die einfache und schnelle Möglichkeit, Nebenwirkungen zu melden, ohne dabei Ihre Identität preiszugeben. Zudem können Sie Ihren Arzt oder Apotheker in die Meldung mit einbinden. Mit jeder Meldung tragen Sie aktiv zur Verbesserung der Arzneimittelsicherheit bei. Davon profitieren auch andere Patienten und sind Ihnen dankbar.

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