Nebenwirkungen Diabetes Medikamente

Diabetes-Medikamente und Nebenwirkungen

Bei der Therapie von Diabetes setzen Ärzte eine Vielzahl von Medikamenten ein, denn jede/r Patient/in ist anders. Welche Arzneimittel es gibt und welche Nebenwirkungen auftreten können, lesen Sie hier.

Was ist Diabetes?

Diabetes mellitus, die sogenannte Zuckerkrankheit, ist eine Störung des Glukose-Stoffwechsels. Die medizinische Bezeichnung kommt aus dem Griechisch-Lateinischen und bedeutet wörtlich übersetzt “Honigsüßer Durchfluss”.

Dieser führt zu einer erhöhten Ausscheidung von Zucker im Harn, den man auch ohne labor-diagnostische Hilfsmittel buchstäblich schmecken kann und der sich mit den Harnteststreifen durch die Verfärbung des entsprechenden Reaktionsfeldes leicht nachweisen lässt. 

Grund für die vermehrte Ausscheidung von Zucker mit dem Harn ist ein erhöhter Zuckerspiegel im Blut, weil die Betroffenen entweder an einem Mangel des Hormons Insulin leiden oder dessen Wirkung vermindert ist.

Insulin spielt in unserem Körper eine wichtige Rolle, da es den Zucker (Glukose), den der Organismus aus der Nahrung über den Darm in den Blutkreislauf aufgenommen hat, aus dem Blut in die Zellen schleust, die diesen als Energiequelle benötigen. 

Insulin wird von den sogenannten Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse gebildet, die wie Inseln eingestreut im Drüsengewebe verteilt sind und daher auch als Inselzellen bezeichnet werden.

Auch der Name des Hormons leitet sich von dem lateinischen Wort Insula (auf Deutsch Insel) ab.Die Hauptformen, die man medizinisch unterscheidet, sind Typ 1- und Typ 2-Diabetes. Diabetes-Typ 2 ist mit rund 90 bis 95 % der Betroffenen am weitesten verbreitet.

Was ist Typ 1-Diabetes?

Hierbei handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit. Bei den Betroffenen zerstören körpereigene Antikörper die Insulin-produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse, so dass ein absoluter Mangel an Insulin besteht. Typ 1-Diabetes, auch juveniler (d.h. jugendlicher) Diabetes genannt, beginnt meistens im Kindes – oder frühen Erwachsenenalter und ist bisher nicht heilbar. Wer hiervon betroffen ist, ist sein ganzes Leben auf eine Insulin-Ersatztherapie angewiesen.

Was ist Typ 2-Diabetes?

Diese Art von Diabetes entsteht einerseits durch eine verminderte Reaktionsfähigkeit der Körperzellen auf Insulin. Leidet man, wie viele Typ 2-Diabetiker, an dieser sogenannten Insulinresistenz, reagieren die Körperzellen nicht mehr ausreichend auf Insulin. Dadurch gelangt weniger Zucker in die Zellen – stattdessen staut er sich nun im Blut an. Diesen Zuckerstau kann man messen, man spricht dann von einem erhöhten Zuckerspiegel.

Eine weitere Ursache ist eine jahrelange Maximalproduktion von Insulin, die durch einen ungesunden, sehr kohlenhydrat-/zuckerreichen und fettlastigen Lebensstil eingefordert wurde. Die Zellen der Bauchspeicheldrüse geraten  dann früher oder später in einem Erschöpfungszustand und können nicht mehr genügend Insulin produzieren.

Die Neigung, einen Typ 2-Diabetes zu entwickeln, kann erblich bedingt sein. Viel entscheidender für seine Manifestation, d.h. für das tatsächliche Eintreten dieser Erkrankung sind aber Übergewicht und chronischer Bewegungsmangel.

Auch wenn man früher vom sogenannten “Altersdiabetes” gesprochen hat, so ist das heute als negative Auswirkung unseres Wohlstands leider nicht mehr zutreffend, so dass längst  auch junge Menschen daran vermehrt erkranken.

Warum muss Diabetes behandelt werden?

Ziel der Behandlung ist die Absenkung des Blutzuckers, selbstverständlich nicht als Laborwertkosmetik, sondern als Ergebnis einer verbesserten Aufnahme der Glukose in die Zellen. Damit wird die notwendige Energieversorgung des Gewebes gewährleistet und Folgeschäden verursacht durch die ansonsten schlechten Stoffwechselbedingungen vorgebeugt.

Eine ungenügende Energieversorgung der Zellen mit Glukose führt nach Jahren zu Erkrankungen der kleinen arteriellen Blutgefäße mit Durchblutungsstörungen der Netzhaut am Auge, des Gehirns, des Herzmuskels, der Nieren sowie der Extremitäten.

Ein gut eingestellter Diabetes ist eine Voraussetzung, um wirkungsvoll der drohenden Gefahr von Erblindung, Schlaganfall, Herzinfarkt, Nierenversagen mit der Notwendigkeit von Dialyse, Nervenschmerzen und Geschwüren der Zehen und Unterschenkel bis hin zur Amputation der betroffenen Gliedmaße begegnen zu können.

Während der Glukosewert einer Momentaufnahme entspricht und den aktuellen Blutzuckerspiegel wiedergibt, lässt der HbA1c-Wert Rückschlüsse auf die Blutzuckerkonzentrationen der letzten Monate zu. HbA1c ist eine Komponente des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin (Hb) in den roten Blutkörperchen. Sie speichern nämlich Glukose im Verhältnis zum Zuckergehalt des sie umgebenden Blutes. Dementsprechend ist der HbA1c-Wert bei chronisch überhöhtem Blutzuckerspiegel ebenfalls erhöht. 

Welche Diabetes-Medikamente gibt es?

Zur Behandlung von Diabetes stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die Ihnen hier genauer erläutert werden sollen – insbesondere hinsichtlich ihrer möglichen Nebenwirkungen.

Abhängig davon, welcher Diabetes-Typ vorliegt, verschreibt der Arzt zur Behandlung  entweder ein Insulin-Präparat, das unter die Haut (subkutan, s.c. gespritzt werden muss (bei Typ1-Diabetes), oder ein sogenanntes orales Antidiabetikum (bei Typ 2-Diabetes). Inzwischen gibt es auch für Typ 2-Diabetiker Medikamente, die unter die Haut gespritzt werden müssen.  Immer häufiger wird auch bei Typ 2-Diabetes, vor allem im fortgeschrittenen Krankheitsstadium Insulin verschrieben.

Sonderfall: Schwangerschaftsdiabetes

Ungefähr 40% der Frauen entwickeln im Verlauf der Schwangerschaft einen erhöhten Blutzuckerspiegel. Durch die veränderte Hormonsituation nimmt die Insulinempfindlichkeit der Zellen ab, es wird weniger Glukose in die Zellen eingeschleust und vermehrt im Harn ausgeschieden. Zu einem gefährlichen Schwangerschaftsdiabetes kommt es allerdings deutlich seltener.

Unbehandelt droht dann aber die Gefahr von Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie) mit hohem Blutdruck, Eiweißverlust durch die Nieren und Wassereinlagerung in alle Gewebe (besonders gut sichtbar als massive Beinödeme) sowie Entwicklungsstörungen des Kindes mit Makrosomie (übergewichtiges Riesenbaby), Frühgeburt und Atemnotsyndrom beim Neugeborenen. In den leichten Ausprägungen des Schwangerschaftsdiabetes genügt eine Ernährungsumstellung, um wieder normale Blutzuckerspiegel zu erzielen.

Wenn nicht, muss der Diabetes bei Schwangeren medikamentös behandelt werden. Auch wenn es sich angesichts der (meist vorübergehenden) Insulinresistenz der Zellen um einen Typ2-Diabetes handelt, sollen orale Antidiabetika hier nicht eingenommen werden, da man deren Auswirkung auf das ungeborene Kind nicht abschätzen kann. Daher werden Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes (der in den allermeisten Fällen nach der Entbindung wieder verschwindet) mit Insulin behandelt. 

Frauen, die seit ihrer Kindheit an Typ1-Diabetes erkrankt sind und schwanger werden, setzen ihre vorherige Insulinbehandlung wie gewohnt fort, wobei der Blutzuckerspiegel engmaschig überwacht und die Insulindosis dem aktuellen Bedarf während der Schwangerschaft angepasst werden muss.  

Diabetes-Medikamente – das müssen Sie wissen

Insulin

Insulin kann nicht oral eingenommen werden. Bei der Passage durch den Magen-Darm-Trakt würde es verdaut und unwirksam werden. Es muss daher “parenteral”, d.h. unter Umgehung des Magen-Darm-Trakts verabreicht werden, in der Regel mit einer Spritze in das Unterhautgewebe (subkutan).

In den Anfängen der Insulinbehandlung wurde das Hormon aus Bauchspeicheldrüsengewebe von geschlachteten Rindern und Schweinen gewonnen. Mittlerweile werden Insuline gentechnologisch hergestellt, die mit dem menschlichen Hormon identisch und als Humaninsulin verfügbar sind. Insulinanaloga sind ebenfalls gentechnologisch produziert, unterscheiden sich allerdings in einigen Eiweißbausteinen vom körpereigenen Hormon, wodurch die Wirkdauer des Insulinpräparates beeinflusst werden kann. 

Da sich der Insulinbedarf von Mensch zu Mensch unterscheidet, ist eine Insulintherapie stets individuell auf den jeweiligen Patienten zugeschnitten. Verschiedene Therapieformen sind heute gängig. So stellt man der so genannten „konventionellen Insulintherapie“ eine „intensivierte (konventionelle) Insulintherapie (ICT)“ gegenüber.

Der Unterschied zwischen beiden Behandlungsformen besteht in der Auswahl der Insulinarten und der Häufigkeit und Dosierung der Insulingaben. Es gibt kurz-, mittel- und langwirksame Insulinformen. Der Patient spritzt die jeweilige Insulinmenge – heutzutage mit einem sogenannten Pen, einem Kugelschreiber-artigen Injektionsgerät, an dem sich die gewünschte Dosierung genau einstellen lässt. Bei der ICT erfolgt eine Injektion eines langwirksamen Basal-Insulins, das eine Grundversorgung liefert, und ergänzt zu den Mahlzeiten die erforderliche Insulinmenge durch die zusätzliche Injektion eines kurzwirksamen Bolus-Insulins, um ein Hochschnellen des Blutzuckerspiegels abzufangen. 

Anstelle von Einzelinjektionen kann Insulin auch über eine Insulinpumpe verabreicht werden.

Bei einer Pumpentherapie übernimmt ein kleines, elektronisches Gerät die regelmäßige Abgabe präziser Dosen in das Unterhautgewebe. So wird die Funktion einer gesunden Bauchspeicheldrüse nachgeahmt und kann Schwankungen des Blutzuckerspiegels (insbesondere der gefährlichen Unterzuckerung) noch besser vorgebeugt werden. Die Insulinpumpe ist ungefähr so groß wie eine Checkkarte; sie kann diskret am Gürtel oder in einer Tasche der Kleidung getragen oder sogar am BH befestigt werden. 

Nebenwirkungen durch Insulin

Mögliche Nebenwirkungen durch Insulin sind:

  • Gewichtszunahme (weitgehend vermeidbar durch die ICT)
  • Ödeme oder Wassereinlagerungen im Körper (meist nur zu Beginn)
  • Sehstörungen (meist nur zu Beginn durch vorübergehende Änderung des Quellungszustands der Augenlinse bei abfallendem Blutzuckerspiegel)
  • Wucherungen des Fettgewebes (Lipohypertrophien) an der Einstichstelle unter der Haut
  • Allergische Reaktionen (selten seit der Anwendung von Human- und Analog-Insulinen)

Orale Antidiabetika

Orale Antidiabetika werden, wie der Name schon besagt, oral, also durch den Mund eingenommen. Sie werden als Mittel der ersten Wahl zur Behandlung von Typ 2-Diabetes eingesetzt. 

Biguanide (z. B. Metformin / Glucophage, Siofor)

Wenn Sie etwas essen, werden die Nahrungsmittel durch den Verdauungsprozess in ihre Nährstoffe (Kohlenhydrate/Zucker, Eiweiß, Fett) aufgespalten und durch die Darmschleimhaut hindurch ins Blut aufgenommen. Biguanide verzögern die Zuckeraufnahme aus dem Darm und drosseln auch die Bildung von Zucker (sog. Glukoneogenese) durch die Leber.

Indirekt werden damit auch die Blutfettwerte gesenkt. Da Biguanide keinen Einfluss auf den Insulinspiegel haben, besteht keine Gefahr einer Unterzuckerung (Hypoglykämie). Die Verwertung von Milchsäure (Laktat) aus dem Muskelstoffwechsel wird jedoch unterdrückt, so dass sie sich bei eingeschränkter Nierenfunktion im Körper ansammelt, was zu einer unter Umständen lebensbedrohlichen Übersäuerung (Laktatazidose) führen kann.

Bei stark übergewichtigen Patienten mit Typ 1-Diabetes kann Metformin versuchsweise zusätzlich zum unabdingbar erforderlichen Insulin eingesetzt werden. Der klinische Nutzen ist allerdings nicht zweifelsfrei erwiesen.  

Nebenwirkungen durch Biguanide

Allgemein gelten Biguanide als gut verträglich, aber trotzdem kann es zu Nebenwirkungen kommen:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • Geschmacksveränderungen
  • Übersäuerung des Körpers (Laktatazidose)

Der Durchfall ist eine typische Folge der verminderten Zuckeraufnahme aus dem Darm ins Blut. Durch eine allmähliche Steigerung der Metformindosis bis zur therapeutisch erforderlichen Erhaltungsdosis kann sich der Darm an die “Überzuckerung” des Speisebreis gewöhnen, so dass schlimme Durchfälle vermieden werden. Auch Übelkeit und Erbrechen lassen sich dadurch besser beherrschen. Die Tagesdosis sollte auf 2 bis 3 Einnahmen zu oder nach den Mahlzeiten verteilt werden. 

Biguanide dürfen nicht von Patienten eingenommen, die bereits an einer Laktatazidose, an Niereninsuffizienz oder schwerer Herzinsuffizienz leiden. Auch bei Asthma und schwerer COPD sollte man auf andere Medikamente ausweichen.

Flozine (SGLT2-Inhibitoren: Dapaglifozin/Forxiga, Empagliflozin/Jardiance und Canagliflozin/Invokana)

Flozine steigern unabhängig von Insulin die Ausscheidung von Zucker über den Urin, indem sie das Enzym SGLT2, das für die Rückresorption des Zuckers aus der Niere ins Blut sorgt, hemmen. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel, ohne dass eine gefährliche Unterzuckerung zu erwarten wäre. In Kombination mit Metformin sind aufgrund der gegenseitigen Wirkungsverstärkung Hypoglykämien jedoch möglich.  

Nebenwirkungen durch Flozine

Die unerwünschten Wirkungen sind überwiegend Folgen der erhöhten Zuckerkonzentration im Urin.

Diese Nebenwirkungen können auftreten:

  • Scheidenpilz bei der Frau
  • Eichelentzündung beim Mann
  • Harnwegsinfektionen
  • Häufiges Wasserlassen
  • Gewichtsverlust (bei übergewichtigen Diabetikern eine erwünschte Nebenwirkung)
  • Austrocknung (Dehydrierung) durch verstärktes Wasserlassen
  • Niedriger Tiefer Blutdruck (infolge der Dehydrierung)
  • Schwindel (infolge des niedrigen Blutdrucks und der Dehydrierung)

Im Januar 2019 hat die Arzneimittelzulassungs- und Überwachungsbehörde BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) in einem Rote-Hand-Brief vor einer seltenen schweren und potenziell lebensbedrohlichen Nebenwirkung der SGLT2-Inhibitoren gewarnt, nämlich dem Auftreten einer nekrotisierenden Fasziitis des Perineums, der sogenannten Fournier Gangrän.

Unabhängig davon sind diese Wirkstoffe nicht für Patienten mit schweren Nieren- und Leberschäden geeignet.

DPP-4-Hemmer (z. B. Sitagliptin / Januvia, Xelevia)

Das Darmhormon GLP-1 (Glukagon-ähnliches Peptid), auch als Inkretin bezeichnet,  wird bei Nahrungsaufnahme freigesetzt und bewirkt eine bedarfsgerechte verstärkte Insulinsekretion aus den Betazellen der Bauchspeicheldrüse. Der Abbau von GLP-1 erfolgt durch das Enzym  Dipeptidyl-Peptidase-4 (DPP-4).

Gliptine wie Sitagliptin (Januvia, Xelevia) hemmen dieses Enzym, wodurch sich GLP-1 im Körper anreichert und somit die Insulinausschüttung bei den Mahlzeiten verstärkt und die Glukoseaufnahme aus dem Blut in die Körperzellen erhöht wird. Dieses Prinzip funktioniert nur bei Typ 2 Diabetes und nur so lange die Bauchspeicheldrüse noch zu einer eigenen Insulinproduktion in der Lage ist. 

Die DPP-4-Hemmer, auch genannt Gliptine, kommen unterstützend zu einer Therapie mit anderen oralen Antidiabetika, in erster Linie mit Metformin, zur Anwendung, wenn diese allein einen ungenügenden Erfolg erzielen. Bei Metformin-Unverträglichkeit können sie auch allein – als Monotherapie – eingesetzt werden. Gliptine sind vergleichsweise nebenwirkungsarm, insbesondere kommt es kaum zu Unterzuckerungen (Hypoglykämie) oder Gewichtszunahmen. 

Nebenwirkungen durch DPP4-Hemmer

Mögliche Nebenwirkungen sind hier:

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Verstopfung
  • Verminderung der Blutplättchen (Thrombozytopenie)
  • Überempfindlichkeitsreaktionen 
  • Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis)

Patienten mit Entzündung der Bauchspeicheldrüse in der Vorgeschichte müssen besonders überwacht werden bzw. sollten diese Medikamente nicht einnehmen. 

AGI = Alpha-Glukosidase-Hemmer (z. B. Acarbose / Glucobay; Miglitol / Diastabol)

Alpha-Glukosidase-Inhibitoren (AGI) wirken im Darm und verhindern den Abbau von Mehrfachzucker-Molekülen (Polysaccharide, Stärke) zu Einfachzucker (Monosaccharide, Traubenzucker/Glukose, Fruchtzucker/Fruktose). Die Mehrfachzucker können nicht ins Blut überführt werden, da diese Moleküle zu groß sind, und bleiben stattdessen im Darm. So wird Zucker verzögert aus der Nahrung aufgenommen, und die Blutzuckerspitzen nach der Mahlzeit abgeflacht. 

Die Nebenwirkungen der AGI entstehen vor allem dadurch, dass im Dünndarm weniger Zucker resorbiert wird. Stattdessen wird er in den Dickdarm weitertransportiert und von der dortigen Bakterienflora unter Entstehung von Darmgasen vergoren. Diese Nebenwirkungen können durch eine „einschleichende“ Therapie vermindert werden, sind jedoch trotzdem für viele Patienten nicht akzeptabel. 

Nebenwirkungen durch Alpha-Glukosidase-Hemmer 

Mögliche Nebenwirkungen sind:

  • Blähungen
  • Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit

Patienten mit vorbestehenden entzündlichen Darmerkrankungen sollten nicht mit Alpha-Glukosidase-Hemmern  behandelt werden. 

Sulfonylharnstoffe (z.B. Glibenclamid / Euglucon; Glipizid / Glucotrol; Glimepirid / Amaryl; Gliclazid / Diamicron)

Sulfonylharnstoffe wirken direkt auf die Betazelle der Bauchspeicheldrüse und damit auf die Insulinausschüttung. Dadurch kommt es zur Senkung des Blutzuckers. Ihre Wirksamkeit ist nur so lange gegeben, als die Betazellen noch zur Insulinbildung in der Lage sind. Bei fortschreitendem Typ 2-Diabetes mit Erschöpfung der körpereigenen Insulinproduktion lässt die Wirkung von Sulfonylharnstoffen nach.

Nebenwirkungen durch Sulfonylharnstoffe

Diese Nebenwirkungen können auftreten; sie sind bedingt durch den erhöhten Insulinspiegel im Blut:

  • Erhöhte Gefahr für Unterzuckerungen (Hypoglykämie)
  • Gewichtszunahme

Sulfonylharnstoffe sollten nicht von Patienten mit starkem Übergewicht, einer schweren Leber- oder Nierenerkrankung eingenommen werden. 

Glinide (Nateglinid / Starlix; Repaglinid / NovoNorm)

Glinide haben eine den Sulfonylharnstoffen vergleichbare Wirkung und regen die Insulinproduktion nach Mahlzeiten an. Ihre Wirkung tritt allerdings schneller ein und hält kürzer an. Auch hier besteht die erhöhte Gefahr der Unterzuckerung und Gewichtszunahme.

Die Einnahme wird nur noch für Patienten mit stark eingeschränkter Nierenfunktion empfohlen, soweit eine Insulin-Therapie nicht als bessere Alternative in Betracht kommt.

Nebenwirkungen durch Glinide

Diese Nebenwirkungen sind möglich:

  • Gewichtszunahme
  • Erhöhte Gefahr für Unterzuckerungen (Hypoglykämie)

GLP-1 (Inkretin)-Analoga (Liraglutid / Victoza; Dulaglutid / Trulicity; Lixisenatid / Lyxumia; Exenatid / Byetta

Die Wirkstoffe heißen Liraglutid, Dulaglutid, Lixisenatid, Exenatid.

Inkretin-Analoga imitieren die Wirkweise des Darmhormons Inkretin (GLP-1). Sie zeigen eine ähnliche Wirkung wie die Gliptine, die das Enzym DPP-4, welches Inkretin abbaut, hemmen (DPP-4-Hemmer). Sie wirken appetitmindernd, haben einen verzögernden Einfluss auf die Magenentleerung, regen die Insulinfreisetzung an und unterdrücken die Zuckerneubildung in der Leber.

GLP-1-Analoga stehen nicht in Tablettenform zur Verfügung, sondern müssen unter die Haut (subkutan) gespritzt werden, ein- bis zweimal täglich. Bei Dulaglutid / Trulicity ist eine einmal wöchentliche Gabe ausreichend.

Sie sind angesichts dieser Verabreichungsform nicht der Gruppe der ansonsten bei Typ 2-Diabetes verwendeten oralen Antidiabetika zuzurechnen. Sie sind dennoch nur für Typ 2-Diabetiker geeignet und kein Insulin-Ersatz. Häufig werden GLP-1-Analoga mit oralen Antidiabetika kombiniert, wenn mit diesen alleine keine wirksame Senkung des Blutzuckerwertes mehr erzielt werden kann. Auch Kombinationen mit einem Langzeit-Insulin sind möglich. 

Nebenwirkungen durch GLP-1 (Inkretin)-Analoga

Entsprechend wie bei den DPP-4-Hemmern kann es in seltenen Fällen zu einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) kommen. Die Patienten müssen auf die typischen klinischen Symptome  (stechende Oberbauchschmerzen, häufig gürtelförmig in den Rücken ausstrahlend; Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Durchfall, aber auch Verstopfung) hingewiesen und darüber aufgeklärt werden, sich bei deren Auftreten zur Abklärung baldigst an ihren Arzt zu wenden.

Wird die Diagnose einer Pankreatitis bestätigt, muss das Medikament sofort abgesetzt werden. Eine erneute Aufnahme der Behandlung nach Abklingen der Pankreatitis darf nicht erfolgen. 

Andere mögliche Nebenwirkungen sind: 

  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Unterzuckerung (am ehesten bei Kombination mit oralen Antidiabetika oder Insulin)
  • Appetitverminderung (oft sogar erwünschter Effekt)
  • Gewichtsabnahme (oft sogar erwünschter Effekt)

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Beobachten Sie Nebenwirkungen – egal welcher Art – unter der Einnahme von Medikamenten, sollten Sie diese umgehend melden. Oftmals reichen wenige Meldungen aus, um die Öffentlichkeit über schwere Vorkommnisse zu informieren und Beipackzettel zu aktualisieren. Unser Meldeservice bietet Ihnen hierfür die einfache und schnelle Möglichkeit, Nebenwirkungen zu melden, ohne dabei Ihre Identität preiszugeben. Zudem können Sie Ihren Arzt oder Apotheker in die Meldung einbinden. Mit jeder Meldung tragen Sie aktiv zur Verbesserung der Arzneimittelsicherheit bei, indem eine bessere Informationsbasis für die zukünftige Verordnung von Arzneimitteln geschaffen wird. Davon profitieren auch andere Patienten und sind Ihnen dankbar.

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