Die Schilddrüse – der “Taktgeber” im menschlichen Körper

Erkrankungen der Schilddrüse gehören zu den häufigsten Krankheitsbildern. Die Medikamente zur Behandlung gelten als verhältnismäßig nebenwirkungsarm, jedoch sollten vor allem Wechselwirkungen mit anderen Stoffen nicht unterschätzt werden.

Die Schilddrüse und ihre Erkrankungen

Die Schilddrüse – das schmetterlingsförmige Organ in unserer Halsgegend – ist trotz seiner kleinen Größe der wichtige „Taktgeber“ im menschlichen Körper. Sie wiegt beim Erwachsenen zwischen 20 und 30 Gramm und erfüllt wichtige Funktionen in der Regulation von Kreislauf und Energiestoffwechsel. Dies geschieht durch die Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen – zu ihnen zählen Levothyroxin (T4, Haupt-Ausschüttungsform) und Liothyronin (T3, eigentlich wirksame Form). Ein weiterer wichtiger Laborparameter ist das Hormon TSH, das die Schilddrüse zur Ausschüttung von T4, und in geringen Mengen, auch T3 anregt. Folgende Schilddrüsenwerte gelten dabei als gesund:

Bitte beachten Sie, dass diese Werte nur Richtwerte sind und teilweise erhebliche Abweichungen, abhängig von Geschlecht, Alter, Gewicht und Lebensumständen auftreten können.

  • T3 frei:2,5 – 4,4 ng/l
  • T4 frei:0,99 – 1,62 ng/dl
  • TSH 0,4 – 4,2 mU/l

_T3-, T4- und TSH-Wert werden durch Blutentnahme bestimmt (“Schilddrüsenwerte” beim Arzt)._

Erkrankungen der Schilddrüse gehören mit zu den häufigsten Krankheiten überhaupt. So ist etwa jeder dritte Deutsche im Laufe seines Lebens von einer derartigen Erkrankung betroffen, wobei das Risiko dafür mit zunehmendem Lebensalter ansteigt. Insgesamt gelten sie als gut behandelbar, und ein sogenannter Kropf (Struma), also eine sicht- und fühlbare Vergrößerung der im Hals befindlichen Schilddrüse, wie sie im 19./ 20. Jahrhundert vor allem in den Alpenregionen üblich war, ist heutzutage praktisch nicht mehr anzutreffen.

Grundsätzlich kann die Schilddrüse folgende Krankheitsbilder zeigen: eine Überfunktion (Hyperthyreose), eine Unterfunktion (Hypothyreose) und diverse gut-/ bösartige Gewebeveränderungen. Bei der Unterfunktion herrscht im Körper ein Mangel an Schilddrüsenhormonen, bei Überfunktion ein Überschuss – der eben erwähnte Kropf kann dabei bemerkenswerterweise sowohl bei Hyper- als auch Hypothyreose auftreten.

Arten von Schilddrüsenerkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten

Medikamentös bestehen für Betroffene folgende Behandlungsoptionen: eine Supplementation, bei der dem Körper Schilddrüsenhormone (L-Thyroxin, selten Liothyronin) zugeführt werden oder der Einsatz von Medikamenten zur Hemmung der körpereigenen Produktion von Schilddrüsenhormonen (carbimazol- oder thiamazol-haltige Medikamente). Darüber hinaus spielt die ausreichende Versorgung mit Jod eine wichtige Rolle in der Erhaltung einer gesunden Schilddrüse. Dafür wird bereits seit den 1920er Jahren Speisesalz mit einem Jodzusatz versehen, um den damals noch in vielen (vor allem durch fischarme Ernährung gekennzeichneten) Regionen üblichen Kropf auszumerzen. Heutzutage ist im Zuge einer ausgewogenen Ernährung von einer ausreichenden Versorgung auszugehen. Jodreiche Lebensmittel sind beispielsweise Seelachs, Sardinen, Brokkoli und Erdnüsse. Frauen während der Schwangerschaft sollten verstärkt auf eine ausreichende Jodzufuhr achten, da es sonst zu Schäden am ungeborenen Kind kommen kann, wie zum Beispiel einer angeborene Schilddrüsenunterfunktion mit Symptomen wie geistiger Behinderung und Taubheit des Neugeborenen (sogenannter Kretinismus).

L-Thyroxin – richtige Anwendung und Ihr Anspruch auf das Präparat eines Herstellers

Entscheidend in der Therapie von Schilddrüsenerkrankungen ist die richtige Einnahme. Lange Zeit galt für die Einnahme von L-Thyroxin das Dogma, dass diese immer morgens und mit zeitlichem Abstand zur Nahrungsaufnahme erfolgen müsse. Von diesem Grundsatz ist man inzwischen abgewichen, denn Experten erachten trotz einiger Wechselwirkungen des Wirkstoffs (u.a mit Milchprodukten, Kaffee, Mineralstoffen) vor allem die stetig konstante und immer gleiche Versorgung mit Schilddrüsenhormonen als entscheidend. Generell wird bei Neuverordnungen ein Einnahmezeitpunkt empfohlen, der einen ausreichenden Abstand zu den Mahlzeiten erlaubt, und sich gut in den Tagesablauf des Patienten integrieren lässt. Nimmt aber ein Schilddrüsenpatient seine Medikamente schon seit Jahren immer Abends vor dem Essen ein und ist gut eingestellt, sollte das Einnahmeschema auf keinen Fall verändert werden.
Auf eine Besonderheit möchten wir L-Thyroxin-Anwender noch aufmerksam machen: – seit 2014 sind Schilddrüsenpräparate gesetzlich von der sogenannten “Aut-Idem-Regel” ausgeschlossen. Das bedeutet, dass die Apotheke bei Abgabe eines Schilddrüsenmedikamentes nur das Präparat desjenigen Herstellers abgeben darf, der vom Arzt auch auf dem Rezept angegeben wurde – und somit kein Präparat eines anderen Herstellers mit demselben Wirkstoff. Hintergrund waren Erkenntnisse, dass zwischen den Medikamenten verschiedener Hersteller Unterschiede in der Wirkstoff-Freisetzung und -bioverfügbarkeit bestehen. Sie haben deshalb heute einen Anspruch darauf, dass immer das L-Thyroxin eines, immer gleichen Herstellers an Sie abgegeben wird.

Wirkstoff und Nebenwirkungen von L-Thyroxin

Das wohl wichtigste und meist verschriebene Schilddrüsenmedikament ist L-Thyroxin. Es entspricht dem körpereigenen Hormon T4 und wird bei der Schilddrüsenunterfunktion angewendet. Grundsätzlich gilt eine Therapie mit L-Thyroxin als sehr sicher und vergleichsweise nebenwirkungsarm, jedoch bestehen einige Wechselwirkungen mit anderen Arzneistoffen. Dazu gehören Interaktionen mit Calcium- und Eisenpräparaten und Medikamenten gegen Sodbrennen (Antazida). Außerdem können kortisonhaltige Medikamente, Blutdrucksenker vom Typ der Betablocker, hormonelle Verhütungsmittel (“Pille”) oder andere Hormonpräparate die Wirkung von L-Thyroxin verringern. Sprechen Sie daher bei der Einnahme von einem der aufgeführten Präparate mit Ihrem Arzt oder Apotheker.

Was im Falle von Nebenwirkungen zu tun ist

Beobachten Sie Nebenwirkungen unter der Einnahme von Schilddrüsenmedikamenten oder anderen Medikamenten, sollten Sie diese umgehend melden, denn oftmals reichen bereits wenige Meldungen aus, um die Öffentlichkeit über schwere Vorkommnisse zu informieren und Beipackzettel zu aktualisieren, wie die Rote-Hand-Briefe wirkungsvoll zeigen (lesen Sie hier die Warnung zu Schilddrüsenmedikamenten vom Typ der Thyreostatika). Unser unabhängiger Meldeservice bietet Ihnen hierfür die Möglichkeit, Nebenwirkungen einfach und schnell online zu melden, ohne dabei Ihre Identität preiszugeben. Zudem können Sie Ihren Arzt oder Apotheker in die Meldung einbinden. Mit jeder Meldung tragen Sie aktiv zur Verbesserung der Arzneimittelsicherheit bei, indem eine bessere Informationsbasis für die zukünftige Verordnung von Arzneimitteln geschaffen wird.

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