Frei verkäufliche, rezeptfreie Arzneimittel die Gefahr für Herz-Kreislauf-Patienten

In diesem Artikel lesen Sie alles über mögliche Neben- und Wechselwirkungen bei der Einnahme von Blutdrucksenkern und Thrombozytenaggregationshemmern.

Wann kommen Thrombozytenaggregationshemmer zum Einsatz?

Die Thrombozytenaggregation ist ein wesentlicher Vorgang im Rahmen der normalen Blutgerinnung. Im Falle einer Verletzung der Blutgefäße lagern sich die ersten Blutplättchen (Thrombozyten) an dem verletzten Gewebe an, durch eine Kaskade nachgeschalteter Reaktionen lagern sich weitere Thrombozyten an und bilden durch gegenseitige Vernetzung einen ersten Wundverschluss – ein lebensnotwendiger Prozess, der uns im Falle vor Verletzungen von Blutverlust schützt. Bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirkt sich eine übermäßige Blutverklumpung aber ungünstig aus, da sie die Entstehung thromboembolischer Ereignisse (Embolien,Thrombosen, Herzinfarkte) begünstigt. Die Thrombozytenaggregationshemmer (TAH) wirken einer übermäßigen Blutgerinnung entgegen, indem sie eine hemmende Wirkung auf die Vernetzung der Thrombozyten, also der Blutplättchen, haben – das Risiko für Herzinfarkte, Embolien und andere schwere Notfälle sinkt.

Frei verkäufliche, rezeptfreie Arzneimittel in Kombination mit Thrombozytenaggregationshemmer (TAH)

Frei verkäufliche, rezeptfreie Schmerzmittel, wie etwa Acetylsalicylsäure (Aspirin), Ibuprofen und Diclofenac, werden zur Klasse der sogenannten NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) gezählt. Dabei wird die Acetylsalicylsäure (kurz ASS), neben dem Einsatz als Medikament bei Fieber, Entzündungen und Schmerzen, auch zur Herz-Kreislauf-Therapie eingesetzt. Die Einnahme erfolgte dafür dann dauerhaft, jedoch in einer sehr viel niedrigeren Dosierung (100 mg täglich) als zur Schmerzbehandlung (500 -1000 mg). Dabei ist jedoch zu beachten, dass ASS, sofern es zur Thrombozytenaggregationshemmung eingesetzt wird, Wechselwirkungen mit anderen rezeptfreien Schmerzmitteln, wie etwa mit Ibuprofen, zeigt. Der Grund dafür ist, dass ASS und Ibuprofen sich gegen dasselbe Protein in den Blutplättchen richten, wodurch das Ibuprofen dann unter Umständen zu einer Aufhebung der blutgerinnungshemmenden Wirkung der ASS führen kann. Deshalb gilt für die parallele Einnahme von ASS und Ibuprofen: Einnahme niemals gleichzeitig (sofern ASS zur Blutgerinnungshemmung verwendet). Zudem sollte der zeitliche Abstand eingehalten werden, entweder ASS 30 Minuten vor der Ibuprofen-Einnahme oder erst wieder 8 Stunden danach.

Thrombozytenaggregationshemmer und ihre Interaktionen

Ein weiterer Grundpfeiler in der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist der Einsatz von Blutdrucksenkern (Antihypertensiva). Die Behandlung eines gegebenenfalls bestehenden Bluthochdrucks (Hypertonie) ist bei Herz-Kreislauf-Patienten von entscheidender Bedeutung, da ein hoher Blutdruck den Verlauf von Herz-Kreislauf-Erkrankungen allgemein negativ beeinflusst. Deshalb werden vielen Patienten Blutdrucksenker verschrieben, zu denen die folgenden Wirkstoffe zählen:

  • Candesartan (Atacand®, bei arterieller Hypertonie)
  • Enalapril (bei arterieller Hypertonie)
  • Ramipril (Arelix®, bei Herzinsuffizienz)
  • Nifedipin (Adalat®, bei Angina pectoris = Brustenge)
  • und weitere.

Bezüglich von Wechselwirkungen möchten wir Sie auf bestimmte Einnahme-Kombinationen aufmerksam machen: Mit Ausnahme von Calciumkanalblockern, die eine Untergruppe der Antihypertonika bilden, und zu denen u.a. auch der Wirkstoff Nifedipin zählt, kann, bei gemeinsamer Einnahme von Schmerzmitteln vom Typ der NSAR (Ibuprofen, Diclofenac, ASS) mit den o.g. Antihypertensiva, der Blutdruck paradoxerweise steigen. Daher sollten Sie vor einer gemeinsamen Einnahme von NSAR und Antihypertensiva unbedingt Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Apotheker halten, da sich sonst Ihr Bluthochdruck verschlimmern kann.

Bei bestehender Herzinsuffizienz besteht zudem das Risiko, dass die NSAR die Herzschwäche verschlechtern. So sollte Diclo­fenac bei Patienten mit Herzinsuffizienz nur selten oder gar nicht angewendet werden. Nach ärztlicher Rücksprache kann ein Einsatz erwogen werden, sofern er niedrig dosiert, und lediglich über einen kurzen Zeitraum erfolgt.

Empfehlungen für den nächsten Apothekengang

Angesichts der zahlreichen Interaktionsmöglichkeiten von Herz-Kreislauf-Pharmaka möchten wir Ihnen dringend ans Herz legen, Ihre Herz-Kreislauf-Erkrankung bei jedem Apothekengang mit dem Fachpersonal zu besprechen. Bedenken Sie, dass bei einigen Interaktionen teilweise akute Lebensgefahr besteht. Ihr Apotheker kann sie dann zur sicheren Anwendung der Arzneimittel fachgerecht beraten.

Medikationsplan anfordern und den Überblick behalten
Als Kassenpatient mit mehr als drei verschriebenen Medikamenten bietet es sich an, seinen Anspruch auf einen _Medikationsplan in Papierform nach § 31a SGB V_ geltend zu machen. Dieser wird durch einen an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Arzt erstellt und erfasst auch nicht-verschreibungspflichtige Medikamente wie die NSAR (Aspirin ® u.Ä), sodass medizinisches Fachpersonal im Falle einer (notfallmedizinischen) Weiterbehandlung über die Medikationen des Patienten informiert ist und eventuelle Wechselwirkungen berücksichtigen kann.

Nebenwirkungen melden und Mitmenschen schützen

Beobachten Sie Nebenwirkungen unter der Einnahme von Medikamenten, sollten Sie diese umgehend melden. Oftmals reichen wenige Meldungen aus, um die Öffentlichkeit über schwere Vorkommnisse zu informieren und Beipackzettel zu aktualisieren, wie diese Rote-Hand-Briefe wirkungsvoll zeigen. Unser Meldeservice bietet Ihnen hierfür die einfache und schnelle Möglichkeit, Nebenwirkungen zu melden, ohne dabei Ihre Identität preiszugeben. Zudem können Sie Ihren Arzt oder Apotheker in die Meldung mit einbinden. Mit jeder Meldung tragen Sie aktiv zur Verbesserung der Arzneimittelsicherheit bei, indem eine bessere Informationsbasis für die zukünftige Verordnung von Arzneimitteln geschaffen wird.

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