Hämorrhoiden: Welche Medikamente gibt es und was ist zu beachten?

Hämorrhoiden sind eine Volkskrankheit, von der besonders häufig Männer betroffen sind. Die Behandlung mit frei verkäuflichen Medikamenten ist doch mit Risiken verschiedener Nebenwirkungen verbunden.

Was sind Hämorrhoiden und in welcher Art und Weise treten diese auf?

Sie machen sich als drückender Schmerz in der Region rund um den After bemerkbar und können als sichtbare Pusteln außen oder innenliegend auftreten. Die Häufigkeit der “Hämorrhoiden” genannten Hautfalten erklärt sich durch die Notwendigkeit des Hämorrhoidal-Schwellkörpers. Dieser Schwellkörper sorgt zusammen mit den Schließmuskeln für ein dichtes Verschließen des Afters. Er liegt am Übergang zwischen Mastdarm und Afterkanal und ist wie die Schließmuskeln auch ringförmig.

Durch andere Erkrankungen entzündet, vergrößert oder gereizt gelangt Darmschleim auf den Afterausgang. Die Haut rund um den Schwellkörper wird angegriffen und Pusteln entstehen. Jucken, Brennen, Rötungen und Schmerzen beim Toilettengang sind ein Indikator, dass Hämorrhoiden vorliegen. Liegen sie außen, können Blutungen und Ekzeme auftreten, die Spuren in der Unterwäsche hinterlassen. Innenliegend machen sie sich oft als Fremdkörpergefühl bemerkbar.

Wie viele Menschen sind davon betroffen?

Hämorrhoiden können bei jedem Menschen auftreten, sind jedoch laut Medscape besonders häufig bei der Gruppe der 45- bis 65-Jährigen anzutreffen. Eine Prädisposition kann dafür sorgen, dass sie als Nebenwirkung während der Schwangerschaft bei Frauen ausbrechen. Dafür verantwortlich ist die Dehnung des Uterus. Abgesehen von dieser Besonderheit gibt es keine Merkmale, die das Krankheitsbild einer bestimmten Gruppe zusprechen. Bekannt ist jedoch, dass viel und unergonomisches Sitzen, Übergewicht bei dem Druck auf den Darm entsteht, balaststoffarme Ernährung und zu starker Druck beim Stuhlgang Hämorrhoiden begünstigen. Sie sind außerdem eine der zahlreichen Nebenwirkungen von Abführmitteln.

In vielen Ländern ist durch einen Fokus auf Bewegung zur Bekämpfung von modernen Krankheiten die Anzahl der Hämorrhoiden-Erkrankungen zurückgegangen. Dennoch macht in Deutschland jeder Zweite im Laufe seines Lebens Bekanntschaft mit einer Form der Hämorrhoiden.

Weltweit nimmt man an, dass rund 4,4% der Menschen zu jeder Zeit Symptome der Hämorrhoiden aufweisen. In den USA waren es zuletzt geschätzt 10 Millionen Erkrankte. Die größte Erkrankungswelle ist im Jahr 1974 verzeichnet. Damals litten 174 von 100.000 Menschen in den USA an Hämorrhoiden. Seither wurden wirksamere Medikamente mit weniger Nebenwirkungen entwickelt und die Ursachen eingehend untersucht.

Welche Medikamente werden typischerweise verabreicht?

Bei Verdacht auf Hämorrhoiden sollten Erkrankte zuerst die Symptome mit ihrem Arzt abklären. Nicht immer handelt es sich um die in vielen Fällen harmlosen Hämorrhoiden, die mit einer Salbe oder Zäpfchen behandelt werden können. Auch Tumore, Fisteln und sogar Krebs im Analbereich können sich durch die gleichen Symptome zuerst bemerkbar machen. Besonders bei Blut im Stuhl sollten Patienten daher sofort den nächsten Arzt aufsuchen, statt die vermeintlichen Hämorrhoiden selbst zu behandeln.

Im Handel sind zahlreiche Medikamente gegen Hämorrhoiden erhältlich. Die Stiftung Warentest schaute sich diese Präparate zuletzt 2014 detailliert an. Besonders schlecht schnitten frei verkäufliche Medikamente wie Mastu (Bismutsalz und Titandioxid), Faktu lind und Hametum (Hamamelisextrakt, dessen Gerbstoffe lindern wirken sollen) ab. Sie wurden teils wegen Nebenwirkung vom Markt genommen und überarbeitet, nachdem sich darin zahlreiche Stoffe fanden, die das Krankheitsbild eher verschlechterten. Posterisan und Haenal dagegen wurden für geeignet befunden. Diese Medikamente arbeiten mit den Wirkstoffen Lidokain und Quinisokain und sind als Salbe oder Zäpfchen zur Akutbehandlung erhältlich.

Welche Nebenwirkungen können dabei auftreten?

Im After- und Darmbereich ist äußerste Vorsicht geboten, wenn es um den Einsatz von Chemikalien geht, die die Darmschleimhaut unterstützen sollen. Im Fall von Medikamenten mit Bismutsalz und Titandioxid wurde festgestellt, dass diese die Haut geringfügig beruhigen. Eingenommen sorgt Bismutsalz als Nebenwirkung für eine Verfärbung der Zunge. Darum kann davon ausgegangen werden, dass es auf Schleimhaut nicht eingesetzt werden sollte. Bei Titandioxid ist zwar keine schwerwiegende Nebenwirkung verzeichnet, doch der Zusatz wird von den Gesundheitsbehörden noch immer beobachtet.

Bei der Hamamelis handelt es sich um eine Heilpflanze, die die Schleimhäute zwar beruhigt und befeuchtet, aber dabei keine wesentliche Wirkung auf die Hämorrhoiden hat. Zu den Nebenwirkungen zählt wie bei allen pflanzlichen Stoffen das Risiko einer Allergie auf die Pflanze selbst. Tritt bei Gebrauch von Hamamelis eine Nebenwirkung auf, sollte daher sofort die Behandlung abgebrochen und eine Allergie geprüft werden. Faktu lind und Mastu enthielten in der ursprünglichen Rezeptur Bufexamac. Dieser Zusatz kann besonders schwere Allergien auslösen. Verpackungen, auf denen der Stoff noch gelistet ist, sollten daher nicht genutzt werden.

Die Anwendung von Lidocain im Darm ist unbedenklich. Das Mittel gilt zwar als eine schmerzstillende Droge und wird als Lokalanästhetikum verabreicht. Über die Darmwand kann es jedoch keine Nebenwirkung hervorrufen und ist zur Behandlung von Hämorrhoiden zugelassen. Auch Quinisokain wirkt schmerzstillend und wird als verträglich angenommen.

Eine Beschwerdefreiheit wird bei Hämorrhoiden meist erst durch eine Umstellung der Ernährung, Bewegung und eine Straffung des Gewebes erreicht. Die Salben können jedoch helfen, äußere Entzündungen und Blutungen zu unterbinden.

Nebenwirkung beobachtet?

Ist bei Ihnen eine Nebenwirkung im Zusammenhang mit Hämorrhoiden Medikamenten aufgetreten, dann sollten Sie diese unbedingt melden. Nur durch eine ausreichende Informationsbasis können Gebrauchsinformationen immer auf dem aktuellsten Stand sein.

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