Husten als Nebenwirkung

Husten als Nebenwirkung – geht das?

Ein Hustenreiz ist in der Regel eine lästige Begleiterscheinung einer Erkältung. Besonders nervig ist dieser, wenn er Betroffene vom Schlafen abhält. Doch nicht nur Viren können einen Husten auslösen – auch manche Medikamente können an Husten als Nebenwirkung schuld sein.

Was ist Husten?

Medizinisch betrachtet ist Husten einer von vielen Schutzreflexen unseres menschlichen Körpers. Wir husten, um mit einem fast schon explosionsartigen Ausstoß von Luft Fremdkörper aus den Atemwegen zu schleudern – eine Atemwegsreinigung

Husten wird durch einen chemischen oder mechanischen Reiz ausgelöst, der auf die so genannten Hustenrezeptoren trifft, die sich vor allem in der Schleimhaut der Atemwege befinden Der Reiz wird mittels Nerven zum Hustenzentrum im Gehirn weitergeleitet, das über Nervenbahnen reflexartig den Hustenvorgang auslöst.

Man spricht von produktivem Husten, wenn sich dabei ein Sekret löst, andernfalls von nicht-produktivem oder trockenem Husten. Dauert ein Husten länger als drei Wochen, so wird er als chronisch bezeichnet. Hustenrezeptoren sitzen aber nicht nur in den Atemwegen (Rachen, Kehlkopf, Luftröhre, Bronchien), sondern auch an anderen Stellen: im Herzbeutel, dem Zwerchfell oder auch in der Speiseröhre. Deshalb kann Husten sehr unterschiedliche Ursachen haben und ist

ein Symptom, das bei verschiedenen Krankheiten auftreten kann. Häufig ist es bei Erkältungen oder Atemwegserkrankungen der Fall. Manchmal können die Atemwege aber auch anderweitig gereizt werden, beispielsweise durch die bei Refluxkrankheit zurückfließende Magensäure oder durch Tabak (Raucherhusten).

Man unterscheidet zwei Arten von Husten:

  1. Trockener Reizhusten: Die Erkältungsviren führen zu einer Reizung der Schleimhäute der Atemwege und der Hustenrezeptoren. Zu diesem Zeitpunkt hat sich aber noch kein Schleim gebildet, der abgehustet werden kann; der anfängliche Husten ist somit unproduktiv, also trocken. Dieser kann 2-3 Tage andauern. Wichtig zu wissen: Bereits in dieser Phase ist der Husten über die Tröpfcheninfektion ansteckend.
    Und auch in der Abklingphase einer Erkältung kommt es nochmals zu trockenem Reizhusten, da die unteren Atemwege durch den Infekt auf Reize in der Atemluft noch sehr empfindlich reagieren. Diese Form des Reizhustens kann mehrere Wochen dauern. Ein Trost: Ansteckend ist er in dieser Phase nicht mehr.
  2. Produktiver Husten: Bildet sich aufgrund der Entzündung der Schleimhaut in den Atemwegen Schleim, wird dieser abgehustet. Man spricht von einem produktiven, reinigenden Husten. Je nach Krankheitsverlauf kann dies 7-10 Tage andauern.

Ein Hustenreiz ist häufig auch Folge einer reflektorischen Verkrampfung (Spasmus) der kleinen Muskeln in den Wänden der Bronchien (daher “Bronchospasmus”), welche die Weite der Bronchien und die Menge des Luftstroms regulieren.

Beim gesunden Menschen wird ein Bronchospasmus beispielsweise durch das Einatmen giftiger Dämpfe oder Rauch ausgelöst und ist ein Schutzmechanismus, um die giftigen Stoffe in der Atemluft nicht zu tief in die Lunge vordringen zu lassen. Damit werden etwaige Schädigungen verhindert.

Bei Patienten mit akutem oder chronischem Asthma sind die Bronchien durch eine Fehlregulation des Immunsystems und/ oder des nicht willentlich gesteuerten (autonomen) Nervensystem ebenfalls eng gestellt bis hin zu bedrohlichen Bronchospasmen. Die chronische Bronchitis, die auch als verengende (obstruktive) Lungenerkrankung bezeichnet wird, führt über die anhaltende Entzündung der Bronchialschleimhaut zu Schleimbildung, Engstellung der Bronchien und damit verbundenem Hustenreiz. 

Husten als Nebenwirkung

Vielen nicht bekannt ist die Tatsache, dass Husten auch eine Nebenwirkung bestimmter Medikamente sein kann.

Insbesondere wenn der Husten Sie schon länger begleitet und keine weiteren Erkältungssymptome hinzu kommen, sollten Sie das mit Ihrem Arzt oder Apotheker besprechen.

Welche Medikamente Husten als Nebenwirkungen auslösen können, lesen Sie hier:

Medikamente gegen Bluthochdruck und/oder Herzinsuffizienz: ACE-Hemmer und Betablocker

Doch Vorsicht: Da es sich hier um lebenswichtige Medikamente handelt, dürfen sie bei Verdacht nicht einfach abgesetzt werden; außerdem besteht beim abrupten Absetzen eines Betablockers immer die Gefahr des sogenannten Rebound-Phänomens, in diesem Fall einem unkontrolliert überschießenden Anstieg des zuvor abgesenkten Blutdrucks.

Als Alternative für einen ACE-Hemmer könnte der Arzt dann beispielsweise ein Präparat aus der Wirkstoffgruppe der Sartane verordnen  (z. B. Candesartan, Losartan, Irbesartan, Olmesartan, Valsartan), als Ersatz für einen Betablocker einen sogenannten Kalziumantagonisten/Kalziumkanalblocker (z.B. Nifedipin, Amlodipin, Lercanidipin).

Der Mechanismus, wie diese Medikamente Reizhusten auslösen, ist bei ACE-Hemmern und Betablockern grundverschieden.

ACE-Hemmer (Wirkstoffnamen mit der Wort-Endung “-pril”, wie Captopril, Enalapril, Ramipril, Lisinopril) hemmen das Enzym „Angiotensin Converting Enzyme“ (ACE), das zur Produktion des blutdrucksteigernden Hormons Angiotensin notwendig ist. Die Hemmung des Enzyms führt allerdings auch dazu, dass ein anderes Hormon, das gefäßerweiternde Bradykinin, nicht mehr abgebaut wird.

Dieses führt gleichzeitig zur Engstellung der Bronchien, indem es die kleinen Muskeln in den Bronchialwänden veranlasst, sich zusammenzuziehen. Das bewirkt einen leichten Bronchospasmus und kann die Hustenrezeptoren reizen. ACE-Hemmer wie zum Beispiel Captopril und Enalapril lösen bei 15 bis 20 Prozent der Patienten Husten als Nebenwirkung aus.

Er reicht von einem kaum wahrgenommen und nicht störenden Hüsteln bis hin zum quälenden Dauerhusten. Meist ist der Husten nicht produktiv. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Bei Rauchern kann durch ACE-Hemmer der Raucherhusten verstärkt werden.

Betablocker (Wirkstoffnamen mit der Wort-Endung “-lol”, wie Atenolol, Bisoprolol, Carvedilol, Metoprolol) blockieren sogenannte Beta-Rezeptoren im Körper, an die normalerweise Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin binden und Signale an das Nervensystem weiterleiten würden. Die Betablocker hemmen somit die Funktion dieser Hormone, die eine anregende Wirkung auf verschiedene Organe wie das Herz haben. Durch deren Hemmung senken Betablocker den Blutdruck und verlangsamen den Herzschlag.

Doch auch die kleinen Bronchialmuskeln haben Beta-Rezeptoren, bei deren Blockade die Ausschaltung der Adrenalin- und Noradrenalin-Wirkung zur Engstellung der Bronchien und Hustenreiz führen kann, allerdings viel seltener als bei ACE-Hemmern. Problematisch kann es aber für Patienten mit vorbestehenden verengenden (obstruktiven) Lungenerkrankungen wie Asthma oder chronischer Bronchitis werden, bei denen die Beta-Rezeptoren-Blockade einen ausgeprägten Bronchospasmus und sogar einen akuten Asthma-Anfall mit Atemnot auslösen kann.  

Schmerzmittel (Analgetika)

Schätzungen aus den USA zufolge leiden etwa 0,3 bis 0,9 Prozent der Allgemeinbevölkerung an einem sogenannten Analgetika- oder ASS-Intoleranz (Unverträglichkeit)-Syndrom oder auch Analgetika-Asthma-Syndrom. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer, erbliche Faktoren scheinen eine Rolle zu spielen.

Es handelt sich nicht um eine durch das Immunsystem vermittelte allergische Reaktion, auch wenn die klinischen Symptome sich von denen einer klassischen Allergie nicht unterscheiden lassen. Das Syndrom gilt als Stoffwechselstörung, die mit chronisch-entzündlichen Schleimhautveränderungen einhergeht, die im Bronchialsystem zu Hustenreiz führen kann.

Andere mögliche Symptome sind Fließschnupfen, Angioödeme (schmerzlose Schwellung des Unterhautgewebes), Hautreaktionen wie Urtikaria (Quaddeln, Nesselausschlag) oder scharlachartige Erytheme (rote Hautflecken). Ebenso können Bauchschmerzen, Übelkeit, eine Geruchsminderung und nach operativer Entfernung wiederkehrende Nasenpolypen auftreten.

Neben Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin) sind für diese Patienten auch die nicht-selektiven NSAR wie Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen ungeeignet. Die sogenannten selektiven Cox-2-Hemmer wie Celecoxib, Etoricoxib und Parecoxib werden besser vertragen und können als Alternative zur Behandlung mittelstarker Schmerzen eingenommen werden. Bei leichteren Schmerzen ist Paracetamol geeignet.

Asthma-Medikamente 

Sprays und Inhalatoren gegen Asthma und chronisch-obstruktive (verengende) Atemwegserkrankungen (COPD) können ebenfalls Hustenreize auslösen.
Die mittels Sprühstoß freigesetzten, fein vernebelten Substanzen (Aerosole) werden durch den Mund mit einem tiefen Atemzug aufgenommen und über den Luftstrom in die tieferen Abschnitte des Bronchialsystems befördert, wo sie sich wie ein Schutzfilm auf die Bronchialschleimhaut legen.

Die darin enthaltenen Wirkstoffe sind entweder sogenannte Betamimetika (wie Fenoterol oder Salbutamol) oder Anticholinergika (wie Ipratropium oder Tiotropium). Die Betamimetika ähneln den körpereigenen Hormonen Adrenalin und Noradrenalin und ahmen deren Wirkung nach, indem sie wie diese die Beta-Rezeptoren in den kleinen Muskeln der Bronchien anregen zu erschlaffen. Dadurch erweitern sich die Bronchien, sodass mehr Luft in die Lunge hinein- und herausströmen kann.

Die Anticholinergika haben eine vergleichbare erschlaffende Wirkung auf die Bronchialmuskulatur. Sie setzt allerdings etwas verzögert ein, wirkt dafür aber länger anhaltend als die der Betamimetika, sodass Anticholinergika nicht zur Behandlung einer akuten Atemnot (Asthmaanfall), sondern primär bei chronisch-obstruktiven Atemwegserkrankungen als Dauertherapie zum Einsatz kommen und einem Bronchospasmus vorbeugen. 

Warum also können diese Asthmamittel aber Husten als Nebenwirkung auslösen?

Die Antwort ist banal: Die fein vernebelte Flüssigkeit der Dosiersprays und Inhalatoren enthält außer dem pharmakologischen Wirkstoff auch Begleitsubstanzen (Hilfsstoffe wie Zitronensäure oder Ethanol), die bei empfindlichen Patienten die Bronchialschleimhaut irritieren und einen Hustenreiz hervorrufen können.

Dasselbe gilt auch für kortisonhaltige Sprays, die bei allergisch-bedingten Atemproblemen zur Behandlung des allergisch-entzündlichen Geschehens inhaliert werden, aber durch die unverzichtbaren Zusatzstoffe selbst zur Reizung der Schleimhäute führen können.

Husten bei CoViD-19

Trockener Husten gilt neben Erkältungssymptomen wie Halsschmerzen und Fieber als ein häufiges Symptom, das durch eine Infektion mit dem Corona-Virus ausgelöst werden kann. Sie können sich dazu in unserem Artikel über das Corona-Virus informieren. Falls Sie wissen möchten, ob Sie als Herzkreislaufpatient oder Diabetiker zur Risikogruppe gehören, haben wir hier für Sie Informationen zusammengefasst.

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