Medikamente Kinder Nebenwirkungen

Kinder, Medikamente – und Nebenwirkungen

Zu vielen Medikamenten, die Erwachsene einnehmen, gibt es keine oder nur unzureichende Daten zur Wirkungsweise bei Kindern. In solchen Fällen ist es sehr schwierig, die altersgerecht angemessene Dosierung ausfindig zu machen, die den kleinen Patienten hilft, ohne sie zu schädigen. 

Denn es genügt nicht, die Erwachsenen-Dosis pro Kilogramm Körpergewicht herunterzurechnen. Leider sind Kinderärzte häufig darauf angewiesen, Medikamente zu verschreiben, deren Wirksamkeit und Verträglichkeit nur an Erwachsenen getestet wurden und gar keine Zulassung für Kinder und Jugendliche haben. 

Verpflichtende Standards in der Arzneimittelforschung

Erst seit 2007 gibt es eine verpflichtende EU-Verordnung für kindgerechte Medikamente. Seitdem müssen Pharmaunternehmen Medikamente auch mittels klinischer Studien an Minderjährigen testen. Wie bei Erwachsenen gilt aber auch hier: Nebenwirkungen können nie gänzlich ausgeschlossen werden.

Umso wichtiger ist ein bewusster Umgang mit Medikamenten  – und ein wachsames Auge der Eltern. Wir klären Sie auf, worauf Sie bei einer medikamentösen Behandlung Ihres Kindes achten müssen.

Kleine Erwachsene? Körperliche Unterschiede von Kindern

Säuglinge und Kleinkinder nehmen in der Regel deutlich geringere Dosen von Medikamenten ein als es Erwachsene tun. Der Grund: Sie wiegen weniger. Daher ist in Beipackzetteln neben dem  Alter auch häufig das Körpergewichtsangaben angegeben, an denen sich die Dosierungen orientieren.

Hinzu kommt, dass der Körper eines Kindes altersabhängig ein anderes Verhältnis von Wasser und Fett bezogen auf das Gesamtgewicht aufweist. Babys und Kleinkinder haben im Vergleich zu älteren Kindern und Jugendlichen und Erwachsenen einen höheren Wasser- und geringen Fettanteil.

Daher müssen beispielsweise Medikamente, die ihre Wirkung im Wasseranteil des Körpers entfalten, aufgrund des größeren Verteilungsvolumens bei den kleinen Patienten relativ höher dosiert werden, als es dem Gesamtgewicht ihres Körpers entsprechen würde. 

Funktion von Darm, Niere und Leber bei Kindern

Außerdem können Darm, Niere und Leber beim Abbau von Medikamenten noch nicht die gleiche Leistung erbringen, wie sie es bei gesunden Erwachsenen tun. Die Leberenzyme sind in der Regel noch nicht vollständig entwickelt, und so geht der Abbau von Wirkstoffen sehr viel langsamer vonstatten. Sind die Dosierungen hoch, können einige Medikamente bei Babys bereits die Grenze zur Giftigkeit eines Arzneistoffesüberschreiten undden Organismus schädigen.

Auch die Nierenfunktion muss sich bei Babys erst noch vollständig entwickeln, sodass bei zu hohen Dosen und wiederholter Gabe eine zu hohe Wirkstoffkonzentration im Blut entstehen kann.

Das Besondere: Im Schulkindalter dreht sich das aber um. Kinder brauchen dann unter Umständen sogar höhere Dosierungen als Erwachsene, da ihre Leber im Verhältnis größer ist als der junge Körper und weil der Stoffwechsel schneller arbeitet und daher Stoffe wieder schneller ausscheidet.

Darreichungsformen speziell für Kinder

Für Eltern kann es nervenaufreibend sein, den Kindern das Medikament zu verabreichen. Gerade Babys und Kleinkinder machen den Mund nicht bereitwillig auf, spucken die Medizin wieder aus oder erbrechen sie.

Für Arzneimittel, die häufig von Kindern eingenommen werden, gibt es diese daher in speziell für diese Altersgruppe entwickelten Darreichungsformen, z. B. als Tropfen, Saft, Pulver oder als Zäpfchen.

Ein bitterer Geschmack wird meistens mit Geschmacksstoffen, z.B. mit Fruchtaroma ausgeglichen, die dem Medikament schon bei der Herstellung hinzugefügt werden. Manche Medikamente dürfen aber auch mit Saft oder Tee eingenommen werden, damit sie den unangenehmen Geschmack etwas überdecken.

Nebenwirkungen bei Kindern – und nun?

Wussten Sie, dass Kinder auch auf speziell für sie zugelassene Wirkstoffe ganz anders als Erwachsene reagieren können? 

Es ist gut möglich, dass das Medikament, welches Sie selbst gut vertragen, bei Ihrem Schützling schwere Nebenwirkungen auslösen kann.

Genau deshalb ist es wichtig, dass bei Arzneimittelstudien zu neuen Medikamenten auch die Wirksamkeit und Verträglichkeit bei Kindern  geprüft wird, um die altersgerechte Dosierung und das Spektrum der damit möglicherweise verbundenen Nebenwirkungen ermitteln zu können. 

Nebenwirkungen bei Kindern sind gleich aus doppelter Sicht bedenklich: Einerseits können sich die kleinen Patienten noch nicht klar und verständlich ausdrücken, um Eltern auf ihr Unwohlsein hinzuweisen. Andererseits können Nebenwirkungen auch als weitere Krankheitssymptomen missgedeutet und dadurch falsch behandelt werden.

Welche Arten von Nebenwirkungen sind möglich?

Das Spektrum der Nebenwirkungen unterscheidet sich meistens kaum von dem, das man als Erwachsener erleiden kann, z. B.:

  • Erbrechen, Übelkeit, Magenschmerzen
  • Schwindel
  • Unwohlsein
  • Hautausschläge, Juckreiz
  • Allergische Reaktionen auf Wirkstoffe oder Inhaltsstoffe
  • Beeinträchtigungen von Organen (z. B. Leber oder Niere)

Achtung ist geboten, wenn sich die Haut oder Augen gelb verfärben: die sogenannte Gelbsucht kann auf Probleme mit der Leber hindeuten. Weitere Informationen zu Nebenwirkungen entnehmen Sie grundsätzlich dem Beipackzettel, den Sie im Falle einer medikamentösen Behandlung Ihres Kindes besonders gründlich studieren sollten.

Vorsicht beim Schmerzmittel Aspirin

Auch schwerwiegende Nebenwirkungen können auftreten: Das häufig bei Schmerzen oder grippalen Infekten eingenommene Aspirin oder ASS (Wirkstoff Acetylsalicylsäure), kann bei jüngeren Kindern zu einer seltenen, aber sehr gefährlichen, lebensbedrohlichen Erkrankung des Gehirns und der Leber (hepatische Enzephalopathie) führen.

Dieses auch als Reye-Syndrom bezeichnete Krankheitsbild tritt vor allem in Verbindung mit einem Virusinfekt (grippaler Infekt) auf.  Daher ist bei Kindern unter 12 Jahren die Gabe von ASS-haltigen Medikamenten nicht angezeigt. Stattdessen wird bei Fieber und/oder Schmerzen die Gabe von Paracetamol empfohlen. 

Wichtige Grundsätze zum Umgang mit Medikamenten bei Kindern

  1. Ihrem Baby oder Kleinkind sollten Sie nie eigenmächtig unbekannte Medikamente geben – auch keine pflanzlichen. Halten Sie immer erst Rücksprache mit Ihrem Kinderarzt, auch dann, wenn es sich um freiverkäufliche Mittel handelt. Ausnahmen können Sie nur dann machen, wenn es sich um Arzneimittel handelt, die Sie sehr genau kennen – zum Beispiel Fieberzäpfchen.
  2. Auch Dosierungen sollten Sie nicht einfach verändern. Gerade bei Medikamenten wie z. B. Antibiotika ist es wichtig, dass sowohl die verordnete Dosierung im richtigen zeitlichen Abstand als auch die vorgeschriebene Dauer bei der Einnahme eingehalten wird. Nur so kann die nötige Wirkstoffkonzentration im Blut aufrecht erhalten werden, die zur Bekämpfung der Bakterien und zur bestmöglichen Vermeidung einer Resistenzentwicklung benötigt wird.
  3. Natürlich ist Ihnen in der Rolle des  verantwortungsvollen Sorgeberechtigten klar, dass Medikamente – wie andere giftige Stoffe auch – nicht in der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden dürfen. Sonst kann es passieren, dass Ihr Kind in einem unbeobachteten Moment eine oder mehrere der lustigen bunten Pillen verspeist oder den nach Erdbeere schmeckenden Saft trinkt und sich damit vergiftet.

Sollte trotz aller Vorsicht ein Medikament unbeabsichtigt verschluckt werden, sollten Sie sofort Ihren Kinderarzt und die nächstgelegene Giftnotrufzentrale verständigen. 

Melden Sie Ihre Nebenwirkungen!

Ihre Mitarbeit ist wichtig! Selbst Jahre nach der Zulassung sind längst nicht alle Nebenwirkungen bekannt. Wann immer Sie den Verdacht haben, an Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen unter der Einnahme von Medikamenten aller Art zu leiden, sollten Sie diese umgehend melden. Oftmals reichen wenige Meldungen aus, um die Öffentlichkeit über schwere Vorkommnisse zu informieren und Beipackzettel zukünftig zu aktualisieren, wie etwa die Rote-Hand-Briefe wirkungsvoll zeigen.

Über Nebenwirkungen.de haben Sie die einfache und schnelle Möglichkeit, Nebenwirkungen zu melden, ohne dabei Ihre Identität preiszugeben. Zudem können Sie Ihren Arzt oder Apotheker in die Meldung mit einbinden. Mit jeder Meldung tragen Sie aktiv zur Verbesserung der Arzneimittelsicherheit bei. Davon profitieren auch andere Patienten und sind Ihnen dankbar!

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