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Nebenwirkungen: So gelingt das Gespräch mit dem Arzt

Immer wieder lesen wir, dass sich Patienten von ihren Ärzten nicht ernst genommen fühlen, wenn sie mit diesen über mögliche Nebenwirkungen ihrer Medikamente sprechen möchten. Sie werden abgewimmelt und mit ihren Sorgen und schlechten Erfahrungen allein gelassen. Allein schon durch die medizinischen Fachausdrücke lassen sich Patienten  leicht einschüchtern. Das ist verständlich und kann einem nicht vorgeworfen werden. Lesen Sie hier, wie Sie Kommunikationshürden abbauen können.

Schritt 1: Wo sind Ihre Beschwerden und wie äußern sie sich?

Um beim Verdacht auf eine Arzneimittelunverträglichkeit oder Nebenwirkung ein gutes Gespräch mit Ihrem Arzt führen zu können, ist es unabdingbar, dass Sie Ihrem Arzt verständlich erklären können, an welchen Beschwerden Sie leiden. 

Beschreiben Sie daher die Art und die Ausprägung Ihrer Beschwerden so genau wie möglich. 

Jeder Körper und damit jedes Organ kann anders auf Medikamente reagieren und entsprechend individuell und unterschiedlich können sich Nebenwirkungen äußern. 

Am besten beginnen Sie mit dem Ort Ihrer Beschwerden. 

Schmerzen

Wenn etwas weh tut: 

  • Was genau schmerzt? Egal, ob Kopf, Augen, Ohren, Zähne, Arme, Beine, Hände oder Füße,ob Hals, Brustkorb, Bauch oder Rücken – beschreiben Sie so genau wie möglich, wo Sie Schmerzen haben. 
  • Außerdem: Wie äußern sich Ihre Schmerzen? Sind die Schmerzen stechend, brennend oder dumpf, dauernd vorhanden oder nur manchmal, sind sie krampfartig, eher beim Einatmen oder Ausatmen verstärkt, treten sie nur bei Berührung oder Druck auf? Sind sie nur an einer Stelle oder strahlen sie von dort aus in andere Regionen? 

Allergien und Unverträglichkeiten

Nebenwirkungen müssen aber nicht immer weh tun, sie können sich auch als Allergien oder andere Unverträglichkeiten unangenehm durch folgende Symptome bemerkbar machen:

  •  starken Juckreiz, 
  • Hautrötungen, 
  • Ausschläge, 
  • Quaddeln oder 
  • Einblutungen in die Unterhaut 

Beschreiben Sie, an welchen Stellen Ihres Körpers diese Symptome aufgetreten sind.  

Befindlichkeitsstörungen

Auch allgemeine Veränderungen der eigenen Befindlichkeit können Nebenwirkungen sein.

  • Ihnen ist plötzlich übel geworden und Sie mussten sich übergeben, hatten oder haben noch immer Durchfall oder Verstopfung
  • Womöglich bemerken Sie, dass Sie an Gewicht zugenommen oder abgenommen haben, dass Ihre Füße oder Beine oder Hände anschwellen oder dass Sie stärker schwitzen, auch ohne körperliche Anstrengung? 
  • Oder Ihnen ist schwindelig, Sie haben einen unregelmäßigen Puls, einen sehr schnellen oder langsamen Herzschlag
  • Sie bekommen schlecht Luft, haben Atemnot
  • Vielleicht vertragen Sie Ihre Kontaktlinsen schlechter als zuvor, sehen plötzlich unscharf
  • Oder Sie haben auf einmal Ohrgeräusche und/oder hören schlechter

Wesensänderungen

Nebenwirkungen können sich auch in einer Wesensänderung zeigen. 

  • Sind Sie öfter gereizt als sonst, vielleicht sogar aggressiv
  • Erleben Sie auf einmal plötzliche Angstzustände, die Sie vorher nicht kannten, oder denken gar an Selbstmord
  • Vergessen Sie nun häufiger Termine oder Produkte von Ihrer Einkaufsliste? 
  • Haben Sie das Gefühl, auch nach genügend Schlaf noch immer müde und erschöpft zu sein und schlafen Sie womöglich tagsüber im Sitzen plötzlich ein? 
  • Oder das Gegenteil: Sie kommen nicht zur Ruhe, schlafen schlecht ein oder gar nicht mehr durch

Das alles können Hinweise auf unerwünschte Wirkungen eines Arzneimittels sein.

Und nicht zuletzt: 

Auch die unzureichende oder gänzlich ausbleibende  Wirkung eines verordneten Arzneimittels ist eine unerwünschte Nebenwirkung, die Sie Ihrem Arzt unbedingt mitteilen sollten.

Schritt 2: Äußern Sie Ihren Verdacht klar und deutlich.

Lassen Sie sich nicht abspeisen. Bleiben Sie hartnäckig. Sie haben ein Recht darauf, als Patient umfassend informiert und aufgeklärt zu werden. 

Das muss in einer für Sie verständlichen Sprache geschehen – so ist es auch im Gesetz verankert. Fragen Sie also immer nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. 

Wenn Sie vermuten, dass Ihre Symptome Nebenwirkungen sein könnten, sprechen Sie Ihren Arzt direkt darauf an

Sofern Ihre Beschwerden in der Packungsbeilage erwähnt sind, nehmen Sie diese mit und zeigen Sie sie vor. Auch Ärzte sind nicht allwissend und kennen nicht alle Beipackzettel auswendig. 

Aber nicht alle Nebenwirkungen sind bei Marktzulassung eines Arzneimittels bekannt. Deshalb kann es durchaus sein, dass Sie an einer Nebenwirkung leiden, die noch nicht in der Packungsbeilage aufgeführt ist.

Wichtig

Damit Ihr Arzt Ihren Verdacht auf eine mögliche Medikamenten-Nebenwirkung im Gespräch richtig einschätzen und beurteilen kann, ist es wichtig, dass Sie den zeitlichen Zusammenhang zwischen Ihren Beschwerden und der Medikamenteneinnahme so anschaulich wie möglich beschreiben.

Wenn Sie nämlich Beschwerden äußern, die Sie vor der Einnahme des verordneten Medikaments noch nie hatten, oder wenn sie erstmalig auftreten, nachdem die Dosis eines schon seit längerem eingenommenen Präparats geändert wurde, wird oder sollte der Arzt besonders hellhörig werden. 

Hilfsstoffe in sogenannten Generika

Das gilt ebenso für Beschwerden, die Sie plötzlich entwickeln, nachdem Sie bei einer Folgeverordnung ein Arzneimittel mit dem zwar gleichen Wirkstoff wie bisher, aber nun von einem anderen Arzneimittelhersteller erhalten haben. 

Möglicherweise enthält das neue Präparat des anderen Herstellers andere Hilfsstoffe als Ihr bisheriges.

Insbesondere wenn Sie Allergiker sind oder an irgendwelchen (Nahrungsmittel-)Unverträglichkeiten leiden, ist es empfehlenswert, die Packungsbeilage des Vorgängerpräparates aufzubewahren, um die darin aufgeführten Zusatzstoffe mit denen des neuen Präparates vergleichen zu können. 

Selbst wenn Sie die einzelnen chemischen Begriffe nicht kennen oder verstehen, können Sie zumindest durch den Vergleich der jeweils gelisteten Wörter erkennen, ob es irgendwelche Unterschiede gibt, die möglicherweise Ursache Ihrer neu aufgetretenen Beschwerden sein könnten.  

Falls Ihnen beispielsweise bekannt ist, dass Sie Milch schlecht vertragen oder an einer Laktoseunverträglichkeit leiden, und Sie haben nach Einnahme des neuen Präparates plötzlich Durchfall, könnte es sein, dass Ihr neues Präparat im Gegensatz zum vorherigen nun Milchzucker (Lactose) als Zusatzstoff enthält. 

Dann ist es wichtig, um Durchfall als Nebenwirkung zu vermeiden, dass Ihr Arzt auf diese Problematik achtet und dafür sorgt, dass Sie in der Apotheke nur noch ein Präparat mit dem benötigten Wirkstoff bekommen, das keinen Milchzucker (Lactose) enthält. 

Schritt 3: Besprechen Sie mögliche Alternativen mit Ihrem Arzt.

Manchmal können Nebenwirkungen auch nur zu Beginn einer Medikamententherapie auftreten und verschwinden von selbst wieder, sobald sich der Körper an diesen Wirkstoff gewöhnt hat. 

Auch ist es möglich, dass die Einnahme zu einer anderen Tageszeit oder gleichzeitig mit einer Mahlzeit zu einer besseren Verträglichkeit führt.                                                              

Wenn allerdings in der Packungsbeilage beschrieben ist, dass die Einnahme des Medikaments mit einigem zeitlichen Abstand vor oder nach einer Mahlzeit erfolgen soll, müssen Sie sich an diese Vorschrift halten. Sonst ist möglicherweise die Aufnahme des Wirkstoffs aus dem Darm ins Blut und somit die Medikamentenwirkung verringert. 

Wenn bei vorschriftsmäßiger Einnahme die unerwünschten Begleiterscheinungen für Sie zu unangenehm sind, sollten Sie das Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt oder (vor allem bei nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln im Rahmen einer Selbstmedikation) mit Ihrem Apotheker suchen. 

Keinesfalls sollten Sie bei ärztlich verordneten Medikamenten eigenmächtig die Dosierung verändern oder die Einnahme ohne Rücksprache beenden. 

Ein wichtiger Gesichtspunkt beim Gespräch mit Ihrem Arzt ist, ob Sie sich vorstellen können, das Medikament trotz der Nebenwirkungen weiter einzunehmen, weil beispielsweise der Nutzen des Medikaments größer ist als die damit verbundenen Nebenwirkungen. 

Denn nicht immer – zumal bei überlebenswichtigen Arzneimitteln – ist ein besser verträgliches Alternativpräparat vorhanden, gegen das man das schlecht verträgliche austauschen könnte.

Manchmal muss aber auch aufgrund der Schwere einer Nebenwirkung die Einnahme eines Medikaments sofort beendet werden. 

Tipp: Dokumentieren Sie Ihre Beschwerden

Wenn sich ein Unfall ereignet hat, wird in der Regel die Polizei gerufen, die das Unfallgeschehen aufnimmt. Das ist wichtig, damit im Schadensfall die Versicherung aufkommt. In einem solchen Unfallbogen werden die wichtigsten Fakten notiert, anhand derer später ein Unfallbericht verfasst werden kann. So vergisst die Polizei auch nichts Wichtiges, selbst wenn sie eine halbe Stunde später bereits zum nächsten Einsatz gerufen wird.

Ganz ähnlich können auch Sie vorgehen, wenn Sie Nebenwirkungen vermuten. Ihre Probleme und Symptome sollten Sie sich genau aufschreiben.

Wir haben im Alltag viel zu tun und den Kopf voll mit allerhand mehr oder weniger wichtigen Dingen. Da ist es ganz natürlich, dass man gerne auch mal etwas vergisst oder verwechselt oder sich plötzlich bei der Dauer und der Uhrzeit unsicher ist, wenn man beim Arzt unvorbereitet danach gefragt wird.

Notieren Sie sich deshalb folgende Dinge ganz einfach auf einem Blatt Papier oder auch auf Ihrem  Handy:

  • Welche Beschwerden habe ich festgestellt?
  • Wann (Datum, ungefähre Uhrzeit) habe ich sie zum ersten Mal festgestellt?
  • Wie fühlt es sich an (Brennen, Stechen, Jucken)? 
  • Wie stark sind meine Beschwerden?
  • Wie oft bemerke ich diese Beschwerden? Sind sie durchgängig vorhanden oder treten sie zu unterschiedlichen Zeiten  oder immer zur gleichen Tageszeit auf?
  • Wie lange dauern wiederkehrende Beschwerden dann jeweils an?
  • Werden die Beschwerden besser oder schlimmer, wenn ich etwas Bestimmtes mache?

Ihre Notizen sollten Sie dann zum Gespräch mit Ihrem Arzt mitnehmen. Das gibt Ihnen mehr Sicherheit und dem Arzt eine bessere Bewertungs- und Entscheidungsgrundlage.

Melden Sie Ihre Nebenwirkungen!

Ihre Mitarbeit ist wichtig! Selbst Jahre nach der Zulassung sind längst nicht alle Nebenwirkungen bekannt. Wann immer Sie den Verdacht haben, an Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen unter der Einnahme von Medikamenten aller Art zu leiden, sollten Sie diese umgehend melden. Oftmals reichen wenige Meldungen aus, um die Öffentlichkeit über schwere Vorkommnisse zu informieren und Beipackzettel zukünftig zu aktualisieren, wie etwa die Rote-Hand-Briefe wirkungsvoll zeigen.

Über Nebenwirkungen.de haben Sie die einfache und schnelle Möglichkeit, Nebenwirkungen zu melden, ohne dabei Ihre Identität preiszugeben. Zudem können Sie Ihren Arzt oder Apotheker in die Meldung mit einbinden. Mit jeder Meldung tragen Sie aktiv zur Verbesserung der Arzneimittelsicherheit bei. Davon profitieren auch andere Patienten und sind Ihnen dankbar

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