Nebenwirkungen von Antibiotika: der schwere Fall der Fluorchinolone

Immer häufiger wurden Fluorchinolone verschrieben, obwohl die Risiken seit Jahren bekannt sind: Die Einnahme von Breitbandantibiotika dieser Wirkstoffgruppe können zu irreversiblen Schäden führen.

Fluorchinolone: Die “Panzer” unter den Antibiotika

Vor einigen Wochen ging ein großer Aufschrei durch die Medien, als über die gefährlichen Antibiotika der Gruppe
Fluorchinolone bei *SternTV* berichtet wurde. Fluorchinolone gehören zu den Breitband-Antibiotika,
welche, wie es der Name schon vermuten lässt, ein breites Spektrum an Bakterien gleichzeitig bekämpfen können.
Man könnte auch sagen, dass diese Medikamente die Panzer unter den Antibiotika sind, weil sie alles “platt
machen”. Ironischerweise wurden sie auch in den 80er Jahren so getauft: Panzerschrank-Antibiotika, die nur im
äußersten Fall zur Anwendung kamen. Aus diesem Grund sollen sie auch nur bei besonders komplizierten
bakteriellen Infektionen zur Einnahme verschrieben werden. Schätzungsweise machen diese Antibiotika aber immer noch 16% aller Verordnungen aus – das sind ca. 16.000 Packungen Fluorchinolone pro Tag in Deutschland – obwohl in der Vergangenheit sogar einige von ihnen bereits vom Markt genommen werden mussten.

Da fragt man sich: gibt es tatsächlich so viele Notfälle? Eben nicht, denn in vielen Fällen, oftmals bei
Blasenentzündungen oder Nasennebenhöhlenentzündungen, hätten möglicherweise auch ein anderes Antibiotika geholfen, die tendenziell weniger schwerwiegende Nebenwirkungen aufweisen. Breitband-Antibiotika sind aber deshalb so beliebt, weil mit ihnen die “Trefferquote” relativ hoch ist – und speziell Fluorchinolone werden gut vom Körper aufgenommen, was heißt, dass sie schnell wirken. Das Problem ist nur, dass neben den gefährlichen, schädlichen Bakterien auch wichtige körpereigene Bakterien abgetötet werden, die unser Immunsystem dringend benötigt.

Fluorchinolone: Die vielfältigen Leiden von Patienten

Seit über 10 Jahren ist bekannt, dass Fluorchinolone schwerwiegende
Nebenwirkungen wie Angststörungen, Depressionen, chronische
Muskelschwächen, Sehnenrisse, Schädigung des Verdauungssystems oder
Sehstörungen
hervorrufen können. Die Liste ließe sich noch lange
fortführen. Diese Nebenwirkungen sind nicht nur ernst und teilweise
lebensbedrohlich, sondern können auch zu dauerhaften Beeinträchtigungen
und Erkrankungen führen.

Trotzdem stehen Fluorchinolone noch immer auf Rang 4 der am häufigsten
verschriebenen Antibiotika
. Darüber wurde auch in der *Deutschen
Apothekerzeitschrift (DAZ)* berichtet – also nicht nur in
polarisierenden Internetforen, in denen ernstzunehmende Beschwerden
oftmals nur schwerlich von Panikmache und Übertreibungen zu
unterscheiden sind. Im Artikel der DAZ berichten mehrere Patienten, dass
sie selbst bei ihren Ärzten auf taube Ohren gestoßen sind. Eine Patientin schilderte sogar,
dass sie aufgrund angeblich eingebildeter Erscheinungen in die Psychiatrie eingewiesen
werden sollte.

Erst als großes mediales Interesse mit einem Beitrag zu Ciprofloxacin
(neben Levofloxacin und Moxifloxacin wohl das bekannteste Antibiotikum
unter den Fluorchinolonen) am 1. November 2017 in den *Tagesthemen*
aufgekommen ist, werden solche Berichte nicht mehr als haltlose
Horrorgeschichten
abgetan, sondern öffentlichkeitswirksam diskutiert.
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)
veranlasste nicht zuletzt deshalb eine neue Risikobewertung dieser
Antibiotika und erwartet für 2018 die ersten Ergebnisse. Hier merkt man
aber auch, wie langwierig ein solches Verfahren zur Risikoüberwachung
überhaupt ist.

Nebenwirkungen von Fluorchinolonen: weitgehend unbekannt

Das Problem ist, dass viele Ärzte selbst nicht ausreichend über die schlimmen Folgen der Fluorchinolone aufgeklärt sind – und deshalb auch ihre Patienten nicht vor den schwerwiegenden Nebenwirkungen warnen
können. Das kann dann auch dazu führen, dass auftretende Nebenwirkungen nicht mit dem Antibiotikum in Verbindung gebracht und im schlimmsten Fall – wie oben erwähnt – auf die Psyche geschoben werden. Leider werden aber auch offensichtlich zusammenhängende Nebenwirkungen nur in den
wenigsten Fällen weitergegeben
– der Aufwand ist zu groß, das Interesse zu gering. In den USA gibt es seit Mitte 2016 spezielle Warnhinweise auf dem Beipackzettel, um Patienten verstärkt auf die möglicherweise
schwerwiegenden Nebenwirkungen hinzuweisen. Außerdem warnte die amerikanische Behörde in einer landesweiten Kampagne vor einem zu leichtfertigen Einsatz von Fluorchinolonen. Diese sollten als das
genutzt werden, was sie sind: Reserve-Antibiotika.

Wie Sie zur Sicherheit von Antibiotika selbst beitragen können

Die beste Präventionsmaßnahme wäre definitiv, wenn diese Antibiotika wesentlich seltener vom Arzt verordnet würden – und wenn, dann nur mit ausreichender Aufklärung über die schwerwiegenden Nebenwirkungen, die potenziell auftreten könnten. Ganz wegdenken lassen sich die Fluorchinolone nicht, denn als letzte Instanz bei lebensbedrohlichen Bakterieninfektionen werden sie nach wie vor gebraucht. Zusätzlich sollten Sie sich auch eigenständig informieren und Ihre Nebenwirkungen unverzüglich an den Hersteller melden, damit mehr Nebenwirkungsfälle erfasst und in offiziellen Statistiken aufgeführt werden (hier schnell und einfach
melden
). Nur so kann wichtigen Hinweisen schnell nachgegangen und die Arzneimittelsicherheit von Antibiotika für alle Patienten verbessert werden.

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