Cladribin (Mavenclad): Neue Empfehlungen zur Überwachung der Leberfunktion aufgrund des Risikos von schwerwiegenden Leberschäden

Cladribin (Mavenclad): Neue Empfehlungen zur Überwachung der Leberfunktion aufgrund des Risikos von schwerwiegenden Leberschäden

Cladribin (Mavenclad): Neue Empfehlungen zur Überwachung der Leberfunktion aufgrund des Risikos von schwerwiegenden Leberschäden

Rote-Hand-Briefe – was ist das eigentlich?

Mit den sogenannten ”Rote-Hand-Briefen” informieren die Pharmahersteller medizinische Fachkreise, d.h. Ärzte und Apotheker, über neu entdeckte Arzneimittelrisiken, wie etwa über Erkenntnisse zu neuen Neben- und Wechselwirkungen sowie fehlerhaften Produkten, die die Sicherheit eines Arzneimittels betreffen. In unserer neuen Rubrik fassen wir für Sie die primär an Fachkreise gerichteten Rote-Hand-Briefe einfach und kompakt zusammen. So sind Sie als Patient immer bestens über neue sicherheitsrelevante Ereignisse informiert, die die Einnahme von Medikamenten betreffen.

Liebe Patientin, lieber Patient,

lesen Sie hier unsere “patientenfreundliche” Fassung des Rote-Hand-Briefes vom 16. Februar 2022 zu Cladribin (Handelsname Mavenclad).

Worum geht es?

Der Zulassungsinhaber von Cladribin (Mavenclad), Merck Serono, informiert in Abstimmung mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) über teilweise schwerwiegende Leberschäden, von denen im Zusammenhang mit der Einnahme von Cladribin (Mavenclad) berichtet wurde.

Cladribin (Mavenclad) ist ein neues Arzneimittel, das seit August 2017 zur Behandlung von Patienten ab 18 Jahren mit hochaktiver, schubförmig verlaufender Multipler Sklerose zugelassen ist.

Die meisten der beobachteten Fälle einer Leberschädigung  traten innerhalb von acht Wochen nach der ersten Einnahme-Phase auf.
Daraus ergeben sich folgende Hinweise:

Vor Beginn der Behandlung sollte daher eine umfassende Befragung der Patienten hinsichtlich vorbestehender Lebererkrankungen oder früherer Leberschädigungen im Zusammenhang mit anderen Arzneimitteln erfolgen.

Vor Beginn der beiden Einnahme-Phasen (jeweils in Jahr 1 und Jahr 2 der Behandlung mit Cladribin (Mavenclad)) sollten folgende Leberwerte bestimmt werden: die Serum-Aminotransferasen (“Transaminasen” AST/GOT und ALT/GPT), die alkalische Phosphatase und der Gesamt-Bilirubinspiegel (Gallenfarbstoff). 
Bei Vorliegen von Risikofaktoren einer möglichen Leberschädigung sollten auch während der Behandlung mit
Cladribin (Mavenclad) Leberfunktionstests durchgeführt und gegebenenfalls wiederholt werden. Falls ein Patient eine Leberschädigung entwickelt, sollte die Einnahme von Cladribin (Mavenclad) nach Ermessen des behandelnden Arztes (in Abhängigkeit von der Höhe der Leberwerte) unterbrochen oder gänzlich abgebrochen werden.    

Hintergrundinformationen zu den Sicherheitsbedenken

Cladribin (Mavenclad) ist zugelassen zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit hochaktiver schubförmiger Multipler Sklerose.

Die Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung, die zu einer chronischen Entzündung der Strukturen des Nervensystems führt. Diese Entzündung flackert immer wieder in akuten, schubartigen Krankheitsausbrüchen auf; zwischen den einzelnen Schüben, deren Dauer unterschiedlich sein kann, liegen symptomfreie oder symptomarme Phasen ebenfalls unterschiedlicher Dauer. Jeder Krankheitsschub kann zu einer weiteren Verschlimmerung der Multiplen Sklerose führen. Bei der Entstehung der Erkrankung und ihren schubartigen Ausbrüchen spielen verschiedene Immunzellen, insbesondere die Lymphozyten, eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen (Leukozyten), eine Schlüsselrolle.
Der Mechanismus, durch den Cladribin seine therapeutischen Wirkungen bei Multipler Sklerose entfaltet, ist nicht vollständig aufgeklärt. Es wurde festgestellt, dass Cladribin eine lang anhaltende Wirkung bevorzugt auf Lymphozyten ausübt. Dadurch werden die autoaggressiven nerven-schädigenden Immunreaktionen unterbrochen.

Fälle von Leberschäden, einschließlich schwerwiegender Fälle und solcher, die zum Therapieabbruch führten, wurden bei der Behandlung von Patienten mit Cladribin (Mavenclad) berichtet. Eine Überprüfung der verfügbaren Daten ergab einen Zusammenhang zwischen Leberschädigungen und der Behandlung mit Cladribin (Mavenclad).

In den meisten Fällen handelte es sich um Leberfunktionsstörungen mit nur leichten klinischen Symptomen. In seltenen Fällen wurde jedoch eine vorübergehende Transaminasenerhöhung von über 1000 Einheiten pro Liter (normalerweise liegen Transaminasen-Werte im zweistelligen Bereich) und das Auftreten einer Gelbsucht beschrieben (Bilirubinwerte über 2 mg/dl). Die Zeit bis zum Einsetzen der Symptomatik war unterschiedlich, wobei die meisten Fälle innerhalb von 8 Wochen nach der ersten Einnahmephase auftraten.

Die Bewertung der Meldungen zu Leberschäden ergab keinen eindeutigen Mechanismus. Einige der betroffenen Patienten hatten vorbestehende Lebererkrankungen, oder hatten in der Vorgeschichte bereits Leberschäden unter Einnahme anderer Arzneimittel erlitten. Daten aus klinischen Studien ergaben keine Hinweise auf eine Dosisabhängigkeit.

Leberschäden werden als gelegentlich auftretende unerwünschte Arzneimittelwirkung in die Fachinformation von Cladribin (Mavenclad) aufgenommen. Zusätzlich werden der Fachinformation die entsprechenden Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen zu Leberschäden hinzugefügt. Das Mavenclad-Schulungsmaterial für Ärzte und Patienten wurde ebenfalls aktualisiert. Patienten sollten angehalten werden, jedes Anzeichen oder Symptom einer Leberschädigung sofort ihrem Arzt mitzuteilen.

Was ist zu tun?

Wenn Sie mit Cladribin (Mavenclad) behandelt werden sollen, wird Ihr Arzt Sie zuvor hinsichtlich früherer oder noch bestehender Lebererkrankungen befragen. Informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie an einer Lebererkrankung leiden oder in der Vergangenheit litten oder wenn Sie im Zusammenhang mit anderen Medikamenten bereits Leberprobleme hatten. Ihr Arzt wird Ihnen Blut abnehmen, um die Leberwerte (Transaminasen, Alkalische Phosphatase und Gesamt-Bilirubin) zu bestimmen, um sicherzustellen, dass Ihre Leber ordnungsgemäß funktioniert. Nur in diesem Fall kann die Behandlung mit Cladribin (Mavenclad) begonnen werden.

Nach Abschluss der ersten Behandlungsphase, außerdem vor Beginn der zweiten Behandlungsphase und nochmals nach deren Beendigung wird Ihr Arzt Sie erneut zur Blutentnahme zur Kontrolle Ihrer Leberfunktion einbestellen und hinsichtlich Symptomen, die auf eine mögliche Leberschädigung hinweisen können, überwachen.

Nehmen Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit die Termine zur Blutentnahme konsequent wahr. Sorgen Sie ggf. auch durch eigene Nachfrage dafür, dass dies im Praxisalltag nicht untergeht. Fragen Sie Ihren Arzt nach dem Leitfaden für Patienten über die wesentlichen Gesichtspunkte der Behandlung mit Cladribin (Mavenclad). Lesen Sie diesen und auch die Packungsbeilage sorgfältig durch.

Durch Selbstbeobachtung können Sie Ihren Arzt auf kleine Veränderungen hinweisen, die bei der Untersuchung in der Praxis vielleicht gar nicht auffallen würden.

Eine erhebliche Beeinträchtigung der Leberfunktion zeigt sich beispielsweise durch folgende Symptome:

  • Druckempfindlichkeit im rechten Oberbauch
  • Juckreiz
  • entfärbter Stuhl und dunkler Urin
  • Appetitlosigkeit
  • Ekel gegen Fleisch
  • Gewichtsverlust
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Aufgeblähter Bauch und Völlegefühl
  • Häufig auftretendes Nasenbluten                                                                                                    
  • verstärkte Neigung zu Blutergüssen
  • Gelbfärbung von Haut und Augen

Wenn Sie eines oder mehrere der oben beschriebenen Symptome bemerken, wenden Sie sich sofort an Ihren Arzt. Ihr Arzt wird entscheiden, ob Ihre Behandlung unterbrochen werden muss oder ob Sie kein weiteres Cladribin (Mavenclad) erhalten dürfen.

Außerdem: Melden Sie Ihre Nebenwirkung!

Beobachten Sie Nebenwirkungen unter der Behandlung mit Cladribin (Mavenclad) oder auch mit anderen Medikamenten, sollten Sie diese umgehend melden. Oftmals reichen wenige Meldungen aus, um die Öffentlichkeit über schwere Vorkommnisse zu informieren und Beipackzettel zu aktualisieren, wie die **Rote-Hand-Briefe** wirkungsvoll zeigen.

Unser Meldeservice bietet Ihnen hierfür die einfache und schnelle Möglichkeit, Nebenwirkungen zu melden, ohne dabei Ihre Identität preiszugeben. Zudem können Sie Ihren Arzt oder Apotheker in die Meldung einbinden. Mit jeder Meldung tragen Sie aktiv zur Verbesserung der Arzneimittelsicherheit bei, indem eine bessere Informationsbasis für die zukünftige Verordnung von Arzneimitteln geschaffen wird.

Quellen: RHB; Schulungsmaterial (Leitfaden für die sichere Anwendung – für Patienten)

 

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