Schlafmittel im Überblick: Schlafen mit Nebenwirkungen

1,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Schlaflosigkeit. Durch die Einnahme eines Schlafmittels soll dieses Problem gelöst werden. Möglicherweise landet man aber genau daurch in einem Teufelskreislauf, der auch zu einer psychischen Abhängigkeit führen kann.

Wer leidet an Schlafproblemen?

In den letzten sieben Jahren hat sich die Zahl der 35- bis 65-jährigen Arbeitnehmer, die Schlafmittel einnehmen, fast verdoppelt. 9,2 Prozent der genannten Personengruppe nahm im Jahr 2017 Schlafmittel, im Jahr 2010 war es noch die Hälfte. Laut DAK-Gesundheitsreport leidet jeder zehnte Arbeitnehmer in Deutschland unter schweren Schlafstörungen (Insomnien). Geplagt sind diese Menschen von Ein- und Durchschlafstörungen, schlechter Schlafqualität, Tagesmüdigkeit und Erschöpfung. Schwere Schlafstörungen nahmen in den letzten acht Jahren um 60 Prozent zu. Jeder zweite Betroffene versucht das Problem mit rezeptfreien Schlafmitteln zu bekämpfen. 43 Prozent der Betroffenen erhalten ein Rezept. Hinzu kommt, dass jeder Vierte die Schlafmittel länger als drei Jahre konsumiert. Die Befürchtung liegt nahe, denn jeder Zehnte fühlt sich nicht ausreichend vom Arzt über die Risiken und Nebenwirkungen einer längeren Schlafmitteleinnahme informiert. Dies berichtete die DAK Krankenversicherung in einer Studie im Jahr 2017.

Welche Arten von Schlafmittel gibt es und wie unterschiedlich wirken sie?

Schlafmittel oder Hypnotika gehören zu der Gruppe der Psychopharmaka. Die Substanzen wirken direkt im Gehirn. Beim Einschlafen wird ein Stoff aktiv, der die Aktivität der Zellen bremst: die Gamma-Aminobuttersäure. Durch die Einnahme der Präparate wird dieser Effekt verstärkt und die Aktivität des Gehirns vermindert. Schlafmittel gibt es in verschiedenen Arten, und je nach Wirkstoff sind viele auch verschreibungspflichtig. Dazu gehören die am häufigsten verwendeten Schlafmedikamente, die Gruppe der Benzodiazepine. Diese Arzneien wirken angst- und krampflösend, aber auch beruhigend und schlaffördernd, außerdem muskelerschlaffend und sedierend. Das Risiko einer Abhängigkeit ist in dieser Gruppe besonders hoch. Daher sollte die Einnahmedauer in der Regel vier Wochen nicht überschreiten.

Ein ähnliches Wirkprofil weist die Gruppe der Nicht-Benzodiazepin-Agonisten auf, oder auch Z-Schlafmittel (Zopiclon, Zaleplon und Zolpidem) genannt, die aber vergleichsweise weniger abhängig machen sollen. Die Z-Schlafmittel haben in den letzten Jahren vermehrt die Benzodiazepine verdrängen können.

Antidepressiva und Neuroleptika sind zwar keine typischen Schlafmittel, dennoch werden sie in Einzelfällen als Schlafmedikamente eingesetzt. Antidepressiva dämpfen, beruhigen und stoßen den Schlaf an- sie werden häufig dann verschrieben, wenn eine Depression Grund für die Schlaflosigkeit ist oder umgekehrt durch Schlafprobleme ausgelöst wird. Neuroleptika werden vorwiegend zur Behandlung von Psychosen verordnet. Niedrig dosiert, können sie aber auch helfen den Schlaf zu fördern und stellen im Vergleich zu den Benzodiazepinen und Antidepressiva ein niedrigeres Abhängigkeitsrisiko dar. Für Patienten, die eine größere Gefahr zu Abhängigkeit aufweisen, können Neuroleptika eine Alternative sein.

Nicht verschreibungspflichtig sind Schlafmittel aus der Gruppe der Antihistaminika. Eigentlich handelt es sich bei diesen Wirkstoffen um Medikamente, die allergisch bedingte Beschwerden lindern sollen. Wirkstoffe wie Diphenhydramin und Doxylamin sind aber auch aufgrund ihrer sedierenden Wirkung bekannt und daher teilweise als Schlafmittel zugelassen. Diese können in der Apotheke rezeptfrei erworben werden, da ihre schlafanstoßende Wirkung deutlich geringer ist und die Wirkung langsamer eintritt.

Das Schlusslicht bei den Schlafmitteln bilden pflanzliche Präparate aus Wirkstoffen wie Baldrian (valeriana officinalis), Hopfen (Humulus lupulus), Passionsblume (Passiflora incarnata) oder Melisse (Melissa officinalis). Diese verschaffen meist nur bei leichteren Formen von Schlafstörungen Abhilfe, dafür verfügen sie über keine Abhängigkeitsrisiken und weisen auch keine bedeutsamen Nebenwirkungen auf. Sie eignen sich vor allem leichter Schlafstörungen und können als Zusatzmedikation das Absetzen anderer Schlafmittel unterstützen.

Welche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen können bei Schlafmitteln auftreten?

Eine der bekanntesten Nebenwirkung von Schlafmitteln ist ein Müdigkeits- und Mattigkeitsgefühl am folgenden Tag. Diese Nebenwirkung kann bei allen Formen von Schlaftabletten auftreten. Sie lässt sich verringern, wenn das Medikament nur dann eingenommen wird, sofern anschließend eine ausreichende Schlafdauer bestehen kann. Sieben bis acht Stunden lang sollten Sie nach der Einnahme schlafen können, um das Risiko für den so genannten „Hangover-Effekt“ zu minimieren. Weiterhin können einige Schlafmittel die wichtige REM-Schlafphase verändern, die für das Träumen verantwortlich ist. Diese Phase, die kurz für „Rapid Eye Movement“ steht, ist essentiell für die seelische Entspannung. Besonders Antidepressiva sind dafür bekannt, dass sie die REM-Phase beeinflussen oder sogar unterdrücken können.

Eine Nebenwirkung, die alle chemischen Schlafmedikamente gemeinsam haben, ist das hohe Abhängigkeitspotenzial. Dieses tritt vorwiegend bei Benzodiazepinen auf, wenn diese über einen Zeitraum eingenommen werden, der mehrere Tage oder sogar Wochen überschreitet. Einerseits besteht eine körperliche Abhängigkeit, sodass nach dem Absetzen des Schlafmedikamentes erneut starke Einschlafbeschwerden auftreten können. Andererseits ist bei vielen Menschen schnell eine psychische Abhängigkeit vorhanden und Patienten glauben, dass sie ohne das Schlafmittel überhaupt nicht einschlafen können – und nehmen das Medikament daher vorsorglich ein.

Geht die Einnahme über einen längeren Zeitraum, so wird im Zeitverlauf auch eine höhere Dosis benötigt, die sogenannte Toleranz. Im schlimmsten Fall kann eine zu hohe Dosis tödlich enden. Aus diesem Grund wird zum Beispiel die Gruppe der Barbiturate nicht mehr länger als Schlafmittel eingesetzt, da dort die therapeutische Höchstdosis gefährliche Nahe an einer tödlichen Dosis lag.

Wie viele Arzneimittel ziehen auch Schlafmedikamente teilweise Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit nach sich. Einige Benzodiazepine zeigen sich außerdem für einen bitteren Geschmack verantwortlich, der den gesamten Tag über bestehen bleiben kann. Paradoxe Reaktionen wie Unruhe und Verwirrtheit können bei dieser Medikamentengruppe ebenfalls häufiger auftreten.

Wechselwirkungen betreffen die Einnahme von Alkohol und Schlafmitteln mit anderen Wirkstoffen, beispielsweise aus der Gruppe der Antidepressiva. Die einzelnen Stoffe können sich gegenseitig auf nicht vorhersehbare Weise verstärken und das Risiko für eine Überdosis oder den „Hangover-Effekt“ am Morgen durch eine verlängerte Wirkung erhöhen. Antibiotika und einzelne Antiepileptika können dafür sorgen, dass die Wirksamkeit des eingenommenen Schlafmittels abgeschwächt oder vollends aufgehoben wird. Aufschluss über Neben- und Wechselwirkungen gibt Ihnen natürlich jeder Beipackzettel des Schlafmittels. Diesen sollten sie nicht nur wegen der Einnahme sorgfältig lesen, sondern sich auch über die möglichen Nebenwirkungen bewusst werden.

Melden Sie Ihre Nebenwirkung bei Schlafmittel

Treten Nebenwirkungen ein, sollten Sie diese umgehend melden. Oftmals reichen wenige Meldungen aus, um den Beipackzettel zu aktualisieren. Durch den Meldeservice helfen Sie anderen Patienten, die voraussichtliche Medikamentenverträglichkeit besser einzuschätzen. Bedenken Sie, dass verlässliche Aussagen zur Arzneimittelverträglichkeit nur durch eine bestimmte Basis an Erfahrungen und Informationen getroffen werden können.

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