Schwere Nebenwirkungen am Herzen bei Domperidon

Domperidon ist ein wichtiges Mittel zur Behandlung von Erbrechen und Übelkeit. In einem Risikobewertungsverfahren wird vor schweren Nebenwirkungen auf das Herz-Kreislauf-System und plötzlichem Herztod gewarnt.

Informationsdefizit als großes Problem

Regelmäßig werden Ärzte über Sicherheitsbedenken bei Arzneimitteln informiert. Dies geschieht deutschlandweit und zentralisiert mittels der sogenannten Roten-Hand-Briefe. Aus den Arzneiverordnungs-Reports der Jahre 2012 bis 2018 geht hervor, dass die Verschreibungshäufigkeit von Domperidon zurückgegangen ist.
Allerdings besteht laut einer Ärztebefragung in Deutschland, Belgien, Frankreich, Spanien und Großbritannien eine große Unwissenheit hinsichtlich der Anwendungsgebiete (Indikationen), wann die Gabe von Domperidon zulässig ist und wann nicht.

67 % der befragten Ärzte gaben außer der zugelassenen Indikation “Besserung der Symptome Übelkeit und Erbrechen” weitere Anwendungsbereiche wie z. B. Magenlähmung (38 %) oder Oberbauchbeschwerden wie Sodbrennen (42 %) an. Weniger als die Hälfte der Befragten (48 %) waren sich der Gegenanzeigen wie mäßige oder schwere Leberfunktionsstörungen bewusst.

Aus den Ergebnissen einer zweiten Studie kann auf einen leider noch immer verbreiteten Off-Label-Use bei deutschen Ärzten geschlossen werden. Das bedeutet, dass domperidon-haltige Medikamente für andere als die zugelassenen Anwendungsbereiche verschrieben werden (z. B. auch zur Anregung der Milchproduktion bei stillenden Frauen). Dies ist ein großes Problem, da für solche Anwendungsbereiche keinerlei Studien vorliegen, welche die Unbedenklichkeit bei einem solchen Einsatz bescheinigen. Das Arzneimittelrisiko für Patienten bleibt also weiterhin bestehen.

So darf Domperidon angewendet werden

Aufgrund der Ergebnisse verschiedener Studien und Untersuchungen wurden über die Jahre hinweg mehrfach Anpassungen des Beipackzettels und der Fachinformationen vorgenommen. Ausschlaggebend waren Erkenntnisse über mögliche Zusammenhänge zwischen der Einnahme von Domperidon und dem Auftreten schwerer kardialer (das Herz betreffender) Nebenwirkungen.

Anwendungsbereich:

  • Ausschließlich zur Besserung der Symptome Übelkeit und Erbrechen
  • Bei Erwachsenen und Jugendlichen über 12 Jahren (ab 35 kg Körpergewicht)
  • Bei Einnahme während der Stillzeit sollte das Stillen in dieser Zeit unterbrochen werden, da Domperidon durch den Übertritt in die Muttermilch beim Säugling ebenfalls (insbesondere kardiale) Nebenwirkungen auslösen kann.

2. Dosierung:

  • 3 x täglich 10 mg täglich (maximale Tagesdosis: 30 mg)
  • Maximale Behandlungsdauer: 1 Woche
  • Reduzierung der Einnahmehäufigkeit bei Nierenfunktionsstörungen auf 2 x oder nur 1 x täglich

3. Gegenanzeigen (Kontraindikationen), d.h. keine Einnahme bei / zusammen mit…

  • …mäßiger oder schwerer Leberfunktionsstörung
  • …bestehender Verlängerung des kardialen Reizleistungsintervalls (insbesondere der QT-Zeit)
  • … einer ausgeprägten Elektrolytstörungen
  • …zugrundeliegenden Herzerkrankungen wie Herzinsuffizienz.
  • …das QT-Intervall verlängernden Arzneimitteln
  • …stark wirksamen CYP3A4-Inhibitoren*

Folgende Arzneimittel verlängern das QT-Intervall:

  • Mittel zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen (Antiarrhythmika der Klassen IA und III): z. B. Disopyramid, Hydrochinidin, Amiodaron, Dronedaron, Sotalol, Ibutilid
  • Mittel zur Behandlung von Psychosen (Antipsychotika): z. B. Haloperidol, Pimozid, Sertindol
  • Mittel zur Behandlung von Depressionen (Antidepressiva): z. B. Citalopram, Escitalopram
  • Antibiotika: z. B. Erythromycin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Spiramycin
  • Mittel zur Behandlung von Pilzinfektionen: z. B. Pentamidin
  • Arzneimittel gegen Malaria: insbesondere Halofantrin, Lumefantrin
  • Magen-Darm-Medikamente: z. B. Cisaprid, Dolasetron, Prucaloprid
  • Allergiemittel (Antihistaminika): z. B. Mequitazin, Mizolastin
  • Medikamente zur Krebstherapie: z.B. Toremifen, Vandetanib, Vincamin
  • Gewisse andere Arzneimittel: z.B. Bepridil, Diphemanil, Methadon

Folgende Arzneimittel sind stark wirksame CYP3A4-Inhibitoren*:

  • Medikamente zur Behandlung von HIV (Proteasehemmer)
  • Mittel zur Behandlung von Pilzinfektionen (systemische Azol-Antimykotika)
  • Gewisse Antibiotika aus der Gruppe der Makrolide: z. B. Erythromycin, Clarithromycin, Telithromycin

*Die Abkürzung CYP3A4 bezeichnet ein Enzym innerhalb des Cytochrom P450-Systems, das in der Leber bei den lebensnotwendigen Entgiftungsvorgängen, wozu auch der Abbau bestimmter Medikamente zählt, aktiv ist. Domperidon wird mithilfe von CYP3A4 in der Leber abgebaut. Wenn CYP3A4 durch bestimmte Wirkstoffe in seiner Aktivität gehemmt wird, kann der Abbau von Domperidon nicht in dem erwarteten Maße erfolgen. Bei der nachfolgenden Einnahme von Domperidon kommt es dann zu einer gefährlichen Überdosierung, weil die einige Stunden zuvor eingenommene Dosis von Domperidon noch gar nicht abgebaut und noch immer wirksam ist.

Nicht mehr zugelassene Anwendungsbereiche für Domperidon

Domperidon darf nicht mehr bei Völlegefühl, Oberbauchbeschwerden oder der Regurgitation von Mageninhalt (Rückfluss aus dem Magen in die Speiseröhre oder in den Mund) eingesetzt werden.

Eine Wirksamkeit von Domperidon in Kombination mit Cinnarizin bei Reisekrankheit konnte nicht hinreichend belegt werden. Mit Blick auf mögliche kardiale Nebenwirkungen wurde das Nutzen-Risiko-Verhältnis hier insgesamt als ungünstig bewertet.

Auch die Wirksamkeit bei Kindern unter zwölf Jahren wurde nicht belegt, weshalb die Anwendung nur bei Jugendlichen über 12 Jahren und mit einem Körpergewicht von mindestens 35 kg erfolgen darf.

Zudem wurden (und werden leider immer noch) domperidon-haltige Medikamente häufig im sogenannten Off-Label-Use bei Beschwerden außerhalb der zugelassenen Anwendungsbereiche eingesetzt, beispielsweise bei der gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD), bei Magenlähmung (Gastroparese) oder zur Anregung der Milchbildung beim Stillen (Laktation).

In Anbetracht der gesamten Datenlage war ein erneuter Risikohinweis und die Erinnerung an bereits getroffene Sicherheitsmaßnahmen durch Einschränkungen des Anwendungsgebiets als notwendig erachtet und mit dem im April 2019 veröffentlichten zweiten Rote-Hand-Brief zu Domperidon-haltigen Arzneimitteln umgesetzt worden.

Aktuelle Nebenwirkungsmeldungen zu Domperidon (2014 – 2019)

Nebenwirkungsmeldungen sind in der medizinischen Forschung ein wichtiger Bestandteil, um die auf dem Markt zugelassenen Medikamente zu überwachen. Die sorgfältige Erfassung dieser Daten ist deshalb ausgesprochen wichtig.

Wie jedes Arzneimittel kann auch Domperidon bei Verwendung im Rahmen seiner zugelassenen Anwendungsgebiete und Beachtung der Sicherhinweise zu Gegenanzeigen und Wechselwirkungen unerwünschte Wirkungen haben, die in der Packungsbeilage unter “Nebenwirkungen” aufgelistet sind. Das Risiko, Nebenwirkungen zu erleiden, ist bei dem sogenannten Off-Label-Use besonders groß.

Folgende Nebenwirkungen aus Deutschland wurden von 2014 bis 2019 bei Off-Label-Use an die europäische Arzneimittelbehörde gemeldet:

  • Schwellung im Gesicht
  • Blasenschmerzen
  • Schwindel und darauf zurückzuführender Sturz
  • Tremor (Zittern)
  • Vorhofflimmern
  • Atemnot, Brustenge, Atemwegsbeschwerden
  • Juckreiz, Hautausschlag am ganzen Körper
  • Herzrhythmusstörungen
  • Muskelzucken
  • Verwirrung
  • Sinnesstörung
  • Fehlende Wirkung

_Patienten sollten daher bei jeder Medikamenteneinnahme auf eine Veränderung des physischen oder psychischen Wohlergehens achten. Bei Auffälligkeiten wenden Sie sich bitte umgehend an Ihren Arzt, um das weitere Vorgehen und mögliche Alternativen der Behandlung zu besprechen._

Melden Sie Ihre Nebenwirkungen!

Ihre Mitarbeit ist wichtig! Wann immer Sie den Verdacht haben, an Nebenwirkungen unter der Einnahme von domperidon-haltigen Arzneimitteln oder anderen Medikamenten zu leiden, sollten Sie diese umgehend melden. Oftmals reichen wenige Meldungen aus, um die Öffentlichkeit über schwere Vorkommnisse zu informieren und Beipackzettel zukünftig zu aktualisieren, wie etwa die Rote-Hand-Briefe wirkungsvoll zeigen.

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