Schwerpunkt Impfungen (2): Impfsicherheit im Detail

In Teil 2 der Impfserie geht es um das Thema Impfsicherheit. Wenn du nachlesen willst, was bei einer Impfung eigentlich in unserem Körper passiert und welche verschiedenen Impfstoff-Arten es gibt, findest du alle Informationen dazu im Teil 1 unserer Ratgeber-Reihe zum Thema Impfungen.

Gerne wird bei den Symptomen nach einer erfolgten Impfung von „Nebenwirkungen“ gesprochen – nimmt man es genau, handelt es sich dabei aber um Impfreaktionen. Nur bis wann ist es noch eine Impfreaktion und ab wann eine echte Nebenwirkung? Im Folgenden beleuchten wir alle Themen rund um die Sicherheit von Impfungen und die Unterschiede zwischen einer Impfreaktion, Impfkrankheit, Impfkomplikation und einem Impfschaden.

Impfreaktion

Unter einer Impfreaktion ist die körperliche Reaktion nach der Impfung zu verstehen. Viele Menschen haben nach der Verabreichung des Impfstoffes eine Schwellung oder Schmerzen an der Einstichstelle, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie allgemeines Unwohlsein. Diese Reaktionen sind völlig unbedenklich und zeigen nur, dass das Immunsystem des Körpers aktiviert wurde und sich (wie erwünscht) mit dem Erreger auseinandersetzt. Der Prozess, der nach einer Impfung im Körper abläuft, ist hochkomplex und sehr anstrengend. Deswegen gilt bei vielen Impfungen auch die Empfehlung, unmittelbar danach keinen Sport zu machen und sich etwas Ruhe zu gönnen. Letztendlich klingen diese Symptome nach wenigen Tagen wieder ab, und schon bald besteht ein Impfschutz gegen den entsprechenden Erreger.1,3

Impfkomplikation

Sobald jedoch die Impfreaktion über das übliche Maß hinausgeht, spricht man von einer Impfkomplikation. Diese ist in Deutschland meldepflichtig, und die Daten werden in anonymisierter Form an das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) weitergeleitet. Eine Impfkomplikation bedarf zumindest vorübergehend einer medikamentösen Therapie. Impfkomplikationen treten aber nur sehr selten auf, die Häufigkeit liegt im Promillebereich. Betroffene Patienten leiden dann beispielsweise unter langanhaltendes Fieber oder entwickeln einen Abszess (eitrige Entzündung) an der Einstichstelle.1,2,3

Impfkrankheit

Impfkrankheiten können nur nach Impfungen mit einem (abgeschwächten) Lebendimpfstoff auftreten. Hierbei handelt es sich um eine leichte Verlaufsform der entsprechenden Infektionskrankheit, gegen die geimpft wurde. Die Impfkrankheit tritt üblicherweise 1 bis 3 Wochen nach der erfolgten Impfung auf. Als klassisches Beispiel sind dabei die Impfmasern zu nennen: diese treten bei etwa 5% der Geimpften nach den ersten 7-10 Tagen auf. Impfmasern sind nicht ansteckend und klingen nach 1-3 Tagen wieder ab.3,5

Abzugrenzen davon ist der sogenannte Impfdurchbruch. Dabei handelt es sich um das Phänomen, trotz einer vollständig erfolgten Immunisierung (durch Impfung oder vorherige Erkrankung)  an der Krankheit zu erkranken. Das kann zum Beispiel passieren, wenn sich der Erreger strukturell verändert und der Impfstoff seine Wirksamkeit verliert.6

Impfschäden

Wenn ein Patient nach der Verabreichung des Impfstoffes eine chronische Erkrankung entwickelt, spricht man von einem Impfschaden. Grundsätzlich gelten in diesem Fall die Regelungen des sozialen Entschädigungsrechts (Bundesversorgungsgesetz). Sobald der Impfschaden geprüft und anerkannt wurde, hat der betroffene Patient das Recht auf eine Versorgung nach dem Bundesversorgungsgesetz und wird dafür entschädigt. Das Risiko, einen dauerhaften Impfschaden zu erleiden, liegt bei durchschnittlich 1:1.000.000 (eins zu einer Million).1,3

Wenn man diese Impfkomplikationsrate den Krankheitsrisiken gegenüberstellt, zeigen sich die Vorteile einer Impfung sehr deutlich. Eine mögliche Impfkomplikation nach der Masernimpfung ist beispielsweise eine Enzephalitis (Hirnhautentzündung), die mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:1.000.000 auftritt. Erkrankt man im Vergleich dazu am Masernvirus selbst, liegt die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Enzephalitis bei 1:1000.4

 

Zusammenfassend lässt sich also sagen: jede Impfung birgt ein gewisses Risiko. Aber im Vergleich zu der Erkrankung, vor der man sich durch die Impfung schützen kann, ist das Risiko für dauerhafte Schäden und Folgeerkrankungen nur sehr gering.

 

 Quelle

[1] Robert Koch Institut (26.02.21). Sicherheit von Impfungen. Abgerufen Mai 2021, von https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/Nebenwirkungen/nebenwirkungen_node.html

[2] Menke, N. (03.08.11). Die Schattenseite der schützenden Impfungen. Abgerufen Mai 2021, von https://www.welt.de/gesundheit/article13523211/Die-Schattenseite-der-schuetzenden-Impfungen.html

[3] Kollaritsch, H., Unterberger T. (10.12.19). Impfkomplikationen. Abgerufen Mai 2021, von https://www.netdoktor.at/therapie/impfung/impfkomplikation-5347

[4] Robert Koch Institut (24.04.20). Masern. Abgerufen Mai 2021, von https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Masern.html

[5] Robert Koch Institut (04.06.20). Masernimpfung: Wirksamkeit, Sicherheit und Kontraindikationen. Abgerufen Mai 2021, von https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/MMR/FAQ_Uebersicht_MSG.html

[6] Vetion.de. Lexikon. Abgerufen Mai 2021, von https://www.vetion.de/lexikon/

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