Suizidversuch bei Einnahme der Pille?

Immer wieder steht die Pille in der Kritik, Depressionen und sogar Suizide auszulösen - insbesondere bei jungen Frauen. Diese Frage ist nun Teil neuerer Forschungen.

Die Pille und ihre Risiken als Medikament

Hormonelle Verhütungsmittel – in erster Linie die „Pille“ – werden weltweit von mehr als 100 Millionen Frauen verwendet. Sie dienen nicht nur dazu, eine unbeabsichtigte Schwangerschaften zu vermeiden, sondern sollen auch bei Akne, Menstruationsschmerzen oder starken Blutungen helfen. Die Mittel stehen aber im Verdacht, gravierende Nebenwirkungen zu entwickeln, etwa das Risiko für Depressionen zu erhöhen. Dies könnte gerade junge Frauen betreffen, die in unserer Gesellschaft mit einer Vielzahl an Anforderungen und Erwartungen konfrontiert werden, aber auch im Übergang von der Jugend zum Erwachsenenalter hormonelle Umstellungsprozesse durchlaufen – eine kritische Phase, in der ein hormonell wirkendes Medikament die Psyche schwer beeinträchtigen kann. Bekannte Nebenwirkungen der Pille sind Erbrechen und Übelkeit, Kopfschmerzen, Gewichtszunahme, eine Reduktion der Libido und Stimmungsschwankungen. Dass es sich dabei nicht nur um harmlose „schlechte Laune“, sondern sogar Depressionen handeln kann, die das Risiko für einen Suizid erhöhen, wurde lange Zeit unterschätzt.

Studie zur Verhütung per Medikament und Suizid – Was untersucht wurde

Die Forscher wollten die Auswirkungen der hormonellen Verhütung auf Stimmung und Depressivität näher untersuchten. Sie nutzten eine laufende nationale Kohortenstudie, die alle in Dänemark lebenden Frauen umfasst. Das Verschreibungsregister lieferte Daten über die in Dänemark eingelösten Rezepte für hormonelle Verhütung sowie Antidepressiva und das Psychiatrische Zentrale Forschungsregister lieferte Daten zu psychiatrischen Diagnosen für alle stationären und ambulanten Patienten. Hinzu kamen Informationen aus dem Gesundheitsregister über Selbstmordversuche. Einbezogen wurden die Daten von Frauen, die zwischen 1996 bis 2013 ein Alter von 15 Jahren erreichten und zuvor noch keine psychiatrischen Diagnosen aufwiesen oder Antidepressiva nahmen. Die Studienpopulation umfasste 475.802 Frauen, von denen 54% die Pille nahmen bei denen in 6.999 Fällen ein versuchter Selbstmord festzustellen war. 71 Selbstmorde wurden vollzogen.

Depressivität als gefährliche Nebenwirkung bei einem Verhütungs-Medikament

Es konnte ein klarer Zusammenhang zwischen der Einnahme hormoneller Verhütungsmittel und Suizid-Versuchen festgestellt werden. Bei jungen Frauen, die ein Verhütungs-Pflaster, den Vaginalring und reine Gestagenprodukte als Medikament nutzten, war das Risiko am höchsten. Auch die Wahrscheinlichkeit für den vollendeten Selbstmord war bei diesen Frauen höher als bei Personen, die nie hormonell verhütet und damit nie die Pille genommen hatten. Bereits einen Monat nach Beginn des hormonellen Verhütungsmitteleinsatzes stiegen die Raten um das Doppelte an und der Anstieg des Suizid-Risikos setzte sich nach einem Jahr des Gebrauchs mit einem abnehmenden Trend fort. Die Forscher vermuten, dass der Rückgang der Risikoschätzungen für Selbstmordversuche nach einem Jahr Anwendung wahrscheinlich darauf zurückzuführen ist, dass einige Frauen die Pille wegen der auftretenden Stimmungsschwankungen wieder absetzten.

Die Daten zeigen, dass jugendliche Frauen empfindlicher auf den Einfluss des hormonellen Verhütungsmittels reagieren und besonders von Depressivität und einem erhöhten Selbstmordrisiko betroffen sind. Die zugrunde liegenden biologischen Mechanismen sind nicht völlig geklärt. Es wird jedoch vermutet, dass die beiden weiblichen Sexualhormone Östrogen und Progesteron (Hauptwirkstoffe der Pille) an der Entstehung depressiver Symptome beteiligt sind und damit Stimmungsschwankungen als Nebenwirkungen erzeugen.

Folge der Risiken

Dass ein Verhütungs-Medikament das Risiko für den Suizid erhöht und auch Depressionen eine nicht seltene Nebenwirkung sind, wird zukünftig auf den Beipackzetteln von Pille und Co. veröffentlicht. Frauen, die entsprechende Symptome an sich bemerken, sollten sich demnach an einen Arzt wenden und die Nebenwirkungen unbedingt melden. Der Ausschuss für Risikobewertung der Pharmakovigilanz (PRAC) hatte bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) ein entsprechendes Untersuchungsverfahren zu hormonellen Verhütungsmitteln abgeschlossen. Basis waren hier weitere Forschungsergebnisse, die den Zusammenhang zwischen hormonellen Verhütungs-Medikamenten und Selbstmordversuchen nachweisen konnten. Darüber hinaus belegen die Ergebnisse, dass moderne Verhütungs-Medikamente trotz der (im Vergleich zu früheren Produkten) geringeren Hormondosen keineswegs harmlos sind und komplexe Kreisläufe im Gehirn negativ beeinflussen, die letztlich die Psyche der Frauen verändern – bis hin zum Suizid.

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