emla creme beschneidung

Warnhinweis zu Emla-Creme: Gefährliche Methämoglobinämie nach Überdosierung

Lesen Sie hier den neuesten Warnhinweis zu Emla-Creme bei Säuglingen.

Um was geht es?

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) informiert über einen 7-Monate-alten Säugling, der nach einer Beschneidung von seinen Eltern mit der zur Schmerzlinderung vorgesehenen lidocain- und prilocain-haltigen Emla-Creme anstelle von Panthenol-Creme zur regelmäßigen Wundpflege behandelt wurde. Dadurch erhielt er eine zu hohe Dosis von Prilocain erhalten. Das Kind entwickelte eine Methämoglobinämie und musste ins Krankenhaus, um dort behandelt zu werden.

Was ist eine Methämoglobinämie?

Bei einer Methämoglobinämie ist der Gehalt von Methämoglobin im Blut stark erhöht. Das in den roten Blutkörperchen vorhandene Hämolgobin, das dem Sauerstofftransport dient, wird dabei in das funktionsunfähige Methämoglobin umgewandelt. So steht es damit nicht mehr für den Sauerstofftransport zur Verfügung. Dadurch kommt es zu einer eingeschränkten Sauerstoffversorgung im Körper.

Bestimmte Substanzen können die Umwandlung von Hämoglobin in das gefährliche Methämoglogin bewirken. Neben dem Antibiotikum Sulfonamid, dem Antiepileptikum Phenytoin und dem Narkosemittel Phenobarbital zählt auch das Lokalanästhetikum Prilocain zu den Methämoglobinbildnern.  

Ab einer Methämoglobinkonzentration von 15 % – 20 % treten typische Anzeichen einer mangelhaften Sauerstoffversorgung auf:

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Schneller Herzschlag (zum Ausgleich des Sauerstoffmangels)
  • Beschleunigte Atmung (zum Ausgleich des Sauerstoffmangels)
  • Schläfrigkeit

Bei weiterem Ansteigen der Methämoglobinkonzentration kommt es zu

  • Blaufärbung der Haut (Zyanose)
  • Atemnot
  • Verwirrtheit

Beträgt der Methämoglobin-Wert mehr als 60 %, können Koma und Tod die Folge sein.

Wozu wird Emla-Creme angewendet?

Die in der Creme enthaltenen Wirkstoffe Lidocain und Prilocain sind sogenannte Lokalanästhetika; sie sorgen für eine örtliche Betäubung an der eingecremten Stelle. Emla-Creme kommt zum Beispiel vor der Einführung von Kathetern, vor Blutentnahmen oder chirurgischen Eingriffen an der Hautoberfläche oder auch vor der Wundreinigung von Geschwüren an den Beinen zum Einsatz.

Ferner wird es vor allem bei männlichen Säuglingen und Kleinkindern als Betäubungsmethode genutzt, wenn entweder aus religiösen (Brit mila) oder medizinischen Gründen (bei Vorhautverengung, der sogenannten Phimose) genitale (Schleim)Haut entfernt werden soll. 

Was ist zu tun?

Die Dosierungsempfehlungen von Elma-Creme sollten vor allem bei jungen Kindern exakt eingehalten werden. Eine Anwendung auf der (Schleim)Haut von Säuglingen, die jünger als drei Monate sind, sollte nur unter medizinischer Aufsicht erfolgen. Andernfalls kann es – wie im oben dargestellten Fall des 7-Monate-alten Jungen –  leicht zur Überdosierung mit Entstehung einer gefährlichen Methämoglobinämie kommen.

Ihre Mitarbeit ist wichtig!

Mit der Bereitstellung von medizinischen Warnhinweisen in einer patienten-freundlichen Sprache wollen wir Ihre Wahrnehmungsfähigkeit von Nebenwirkungen entwickeln und stärken! Warnhinweise sowie die sogenannten Rote-Hand-Briefe zeigen wirkungsvoll, wie wichtig die kontinuierliche  Überwachung der Medikamente und die Anpassung der Produktinformationen an neue Erkenntnisse aus Studien sowie Nebenwirkungsmeldungen ist. Die Aktualisierung der Packungsbeilagen trägt dazu bei, dass jedem Patienten die bestmögliche Behandlung sowohl im Hinblick auf deren Wirksamkeit als auch Verträglichkeit angeboten werden kann. Je mehr Informationen auch Sie über Ihre Erfahrungen mit den von Ihnen eingenommenen Medikamenten zur Verfügung stellen, desto besser kann das Risiko eingegrenzt und vorgebeugt werden, dass andere Patienten diese Nebenwirkungen ebenfalls erleiden müssen. Achten Sie deshalb bei Ihnen selbst oder Ihren Schutzbefohlenen auf körperliche oder psychische Veränderungen während der Medikamenteneinnahme und auch nach deren Ende. Niemand kann das besser beurteilen als Sie selbst, denn Sie kennen Ihren Körper oder den Ihres Kindes am besten. Ihre Gesundheit und die Gesellschaft werden es Ihnen danken!

Deshalb: Melden Sie Ihre Nebenwirkung!

Beobachten Sie Nebenwirkungen – egal welcher Art – unter der Behandlung mit lidocain- und prilocainhaltigen oder auch mit anderen Medikamenten, sollten Sie diese umgehend melden. Oftmals reichen wenige Meldungen aus, um die Öffentlichkeit über schwere Vorkommnisse zu informieren und Beipackzettel zu aktualisieren. Unser Meldeservice bietet Ihnen hierfür die einfache und schnelle Möglichkeit, Nebenwirkungen zu melden, ohne dabei Ihre Identität preiszugeben. Zudem können Sie Ihren Arzt oder Apotheker in die Meldung einbinden. Mit jeder Meldung tragen Sie aktiv zur Verbesserung der Arzneimittelsicherheit bei, indem eine bessere Informationsbasis für die zukünftige Verordnung von Arzneimitteln geschaffen wird. Davon profitieren auch andere Patienten und sind Ihnen dankbar.

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