Gilenya (Fingolimod) Risiko einer Leberschädigung

Gilenya (Fingolimod): Minimierung des Risikos einer Leberschädigung durch dieses Arzneimittel

Gilenya (Fingolimod): Minimierung des Risikos einer Leberschädigung durch dieses Arzneimittel

Rote-Hand-Briefe – was ist das eigentlich? 

Mit den sogenannten ”Rote-Hand-Briefen” informieren die Pharmahersteller medizinische Fachkreise, d.h. Ärzte und Apotheker, über neu entdeckte Arzneimittelrisiken, wie etwa über Erkenntnisse zu neuen Neben- und Wechselwirkungen sowie fehlerhaften Produkten, die die Sicherheit eines Arzneimittels betreffen. In unserer neuen Rubrik fassen wir für Sie die primär an Fachkreise gerichteten Rote-Hand-Briefe einfach und kompakt zusammen. So sind Sie als Patient immer bestens über neue sicherheitsrelevante Ereignisse informiert, die die Einnahme von Medikamenten betreffen.

Liebe Patientin, lieber Patient, 

lesen Sie hier unsere “patientenfreundliche” Fassung des Rote-Hand-Briefes vom
10. November 2020 zu Gilenya (Fingolimod).

Worum geht es?

Der Zulassungsinhaber/Hersteller von Gilenya, das Unternehmen Novartis, informiert in einer mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) abgestimmten Erklärung über neue Empfehlungen zur Minimierung des Risikos eines sogenannten arzneimittel-induzierten Leberschadens durch die Behandlung mit Gilenya (Fingolimod).

Gilenya wird zur Behandlung einer hochaktiven schubförmig-remittierend verlaufenden Multiplen Sklerose als Monotherapie, d.h. als einziges Arzneimittel ohne die Gabe weiterer zusätzlicher MS-Medikamente bei erwachsenen Patienten und Kindern und Jugendlichen ab einem Alter von 10 Jahren unter bestimmten, medizinisch definierten Voraussetzungen eingesetzt. Als schubförmig remittierend bezeichnet man einen Krankheitsverlauf, bei dem

  • klar abgegrenzte Schübe mit neuen neurologischen Symptomen auftreten

oder

  • sich bereits bestehende neurologische Symptome verschlimmern, die mehrere Tage oder Wochen andauern und dann an Intensität nachlassen oder sich vollständig auf das vorherige Niveau zurückbilden.

Die Dosierung für Erwachsene und Jugendliche mit einem Körpergewicht über 40 kg beträgt 0,5 mg Fingolimod pro Tag. Kinder und Jugendliche mit einem Gewicht unter (bis) 40 kg erhalten 0,25 mg Fingolimod als tägliche Dosis. Das Arzneimittel ist seit März 2011 zugelassen und unterliegt als neuartige Therapieform der besonderen Überwachung.

Basierend auf der aktuell durchgeführten, regelmäßigen Überprüfung von Sicherheitsdaten wurden drei Fälle von lebensbedrohlichem Leberversagen bei mit Fingolimod behandelten Patienten berichtet, die eine Lebertransplantation erforderten. Darunter war ein Fall, indem ein kausaler Zusammenhang mit dem Medikament als sehr wahrscheinlich angesehen wurde. Außerdem wurde auch von Fällen mit klinisch bedeutsamer Leberschädigung berichtet. Über Anzeichen einer Leberschädigung mit deutlich erhöhten Leberenzymwerten im Blut (sogenannte Transaminasen: ALT oder GPT und AST oder GOT) und erhöhtem Gesamtbilirubin (Gallenfarbstoff und Abbauprodukt des Hämoglobin) wurden bereits zehn Tage nach der ersten Dosis, aber auch nach länger andauernder Therapie berichtet.

Im Rahmen der klinischen Entwicklung des Arzneimittels war es bei 8% der erwachsenen Patienten unter Therapie mit 0.5 mg Fingolimod zu einem Anstieg der Leberenzyme (sogenannte Transaminasen) auf das 3-Fache der Obergrenze des Normalwerts (Upper Limit Norm = ULN) und darüber gekommen. Ein Anstieg auf mehr als das 5-Fache der ULN war bei 1,8 % der Patienten aufgetreten.

Was ist bei der Behandlung mit Gilenya zu berücksichtigen?

Erhöhte Leberenzymwerte sind eine sehr häufige Nebenwirkung des Arzneimittels. Aufgrund neuer Erkenntnisse über den möglichen Schweregrad und des Ausmaßes von kürzlich berichteten Fällen wurden nun die Empfehlungen zum Therapieabbruch sowie zur Überwachung der Behandlung verstärkt und verdeutlicht, um das Risiko von sogenannten arzneimittelinduzierten Leberschäden (DILI = Drug Induced Liver Injury) zu minimieren. 

  • Bei der Behandlung mit Gilenya (Fingolimod) sollten Leberfunktionstests (Bestimmung der Lebertransaminasen einschließlich des Serumbilirubin) regelmäßig durchgeführt werden:
    • vor Beginn der Behandlung
    • während der Behandlung in den Monaten 1, 3, 6, 9 und 12
    • und nach Beendigung regelmäßig bis zwei Monate danach
  • Bei Abwesenheit klinischer Symptome, falls die Lebertransaminasen:
    • auf mehr als das 3-Fache der Obergrenze des Normalwertes (Upper Limit Norm, ULN), aber weniger als das 5-Fache der ULN und ohne einen Anstieg des Serumbilirubins ansteigen, sollte eine häufigere Überwachung der Transaminasenwerte einschließlich Serumbilirubin und alkalischer Phosphatase eingeleitet werden.
    • auf mehr als das 5-Fache der ULN oder auf mehr als das 3-Fache der ULN mit gleichzeitigem Anstieg des Serumbilirubins ansteigen, sollte die Behandlung unterbrochen werden. Falls sich die Serumspiegel während dieser Pause normalisieren, kann die Fingolimod-Behandlung unter sorgfältiger Nutzen-Risiko-Bewertung für den Patienten wieder aufgenommen werden.
  • Bei Vorliegen klinischer Symptome, die auf eine Leberfunktionsstörung hinweisen (siehe unten), umgehend die Leberenzyme und Bilirubin überprüfen. Wenn ein damit verbundener Leberschaden diagnostiziert wird, sollte Fingolimod abgesetzt werden. Die Ausnahme ist, wenn es eine andere vernünftige Erklärung für die Anzeichen und Symptome eines Leberschadens gibt.

Was ist zu tun?

Sind Sie an einer hochaktiven schubförmig remittierenden Verlaufsform der Multiplen Sklerose erkrankt und werden mit Gilenya (Fingolimod) behandelt? Dann wird Ihr Arzt Sie regelmäßig zur Blutentnahme zur Kontrolle Ihrer Leberfunktion einbestellen und Sie hinsichtlich Symptomen, die auf eine mögliche Leberschädigung hinweisen könnten, überwachen. 

Durch Selbstbeobachtung können Sie Ihren Arzt auf kleine Veränderungen hinweisen, die bei der Untersuchung in der Praxis vielleicht gar nicht auffallen würden. Nehmen Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit die Termine zur Blutentnahme konsequent wahr und sorgen Sie ggf. auch durch eigene Nachfrage dafür, dass diese Termine im Praxisalltag nicht untergehen und vergessen werden. 

Eine erhebliche Beeinträchtigung der Leberfunktion zeigt sich beispielsweise durch folgende Symptome:

  • extreme Müdigkeit
  • Druckempfindlichkeit im rechten Oberbauch
  • Juckreiz
  • entfärbter Stuhl und dunkler Urin
  • Appetitlosigkeit
  • Ekel gegen Fleisch
  • Gewichtsverlust
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Aufgeblähter Bauch und Völlegefühl
  • Häufig auftretendes Nasenbluten                                                                                                    
  • verstärkte Neigung zu Blutergüsse
  • Gelbfärbung von Haut und Augen
  • Muskel- und Gelenkschmerzen

Außerdem: Melden Sie Ihre Nebenwirkung!

Beobachten Sie Nebenwirkungen unter der Behandlung mit Gilenya (Fingolimod) oder auch mit anderen Medikamenten, sollten Sie diese umgehend melden. Oftmals reichen wenige Meldungen aus,  um die Öffentlichkeit über schwere Vorkommnisse zu informieren und Beipackzettel zu aktualisieren, wie die **Rote-Hand-Briefe** wirkungsvoll zeigen.

Unser Meldeservice bietet Ihnen hierfür die einfache und schnelle Möglichkeit, Nebenwirkungen zu melden, ohne dabei Ihre Identität preiszugeben. Zudem können Sie Ihren Arzt oder Apotheker in die Meldung einbinden. Mit jeder Meldung tragen Sie aktiv zur Verbesserung der Arzneimittelsicherheit bei, indem eine bessere Informationsbasis für die zukünftige Verordnung von Arzneimitteln geschaffen wird.

 

Quellen: RHB 

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