Alles über Fieber und fiebersenkende Medikamente

Fieber selbst ist keine Krankheit, sondern ein Symptom. Da es oft notwendiger Teil der Immunreaktion auf innere Missstände ist, sollte es nicht einfach unterdrückt werden.

Fieber – Schutzreaktion des Körpers

Schutzreaktion des Körpers
Häufig wird Fieber als Krankheit selbst betrachtet. Das ist aber ein weit verbreiterter Irrtum. Fieber ist keine Krankheit, sondern ein Symptom und darüber hinaus eine Antwort des Körpers auf “innere Missstände”.

Als Fieber gilt eine Körpertemperatur ab 38,2°C (Erwachsene) beziehungsweise 37,6°C (Kinder).
Zunächst einmal muss man sich keine Sorgen machen, denn Fieber ist eine Reaktion zur Selbsthilfe des Körpers, die signalisiert, dass er sich gerade verstärkt mit Krankheitserregern oder Entzündungsfaktoren beschäftigt. Dabei bildet er mit Hilfe weißer Blutkörperchen Abwehrstoffe – die sogenannten Pyrogene erzeugen dabei Fieber. Bei der erhöhten Körpertemperatur können nämlich wichtige Abwehrreaktionen im Immunsystem schneller ablaufen. Gleichzeitig werden durch die erhöhte Temperatur die Eiweißbausteine der Eindringlinge zerstört und die Erreger abgetötet.
Da Kinder die meisten Infektionen zum allerersten Mal erleben, reagiert der kleine Körper häufiger und schneller mit Fieber als es bei Erwachsenen der Fall ist. Das ist etwas, das sich evolutionstechnisch als beste Methode zur Bekämpfung von Krankheiten durchgesetzt hat.

Fieber bei Kindern

Bei Erwachsenen lässt sich Fieber meist in Eigenregie gut behandeln (mehr Tipps dazu weiter unten) oder klingt sogar ohne Maßnahmen von selbst ab. Bei Säuglingen und Kindern sollte aber ab einer Temperatur von 38°C bzw. 39°C ein Kinderarzt zu Rate gezogen werden. Vor allem wenn die Kleinen sich wiederholt erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder Anzeichen von Atemnot und Fieberkrampf haben, sollte dies schnellstmöglich abgeklärt werden.

Generell wird Fieber ab 40°C gefährlich und gilt als Notfall: dann stört es auch die Abläufe des zentralen Nervensystems und kann mit Schwindel, körperlicher Schwäche, Kollaps- oder Sturzgefahr einhergehen Auch besteht die Gefahr des Austrocknens durch Flüssigkeitsmangel – insbesondere bei Kindern und älteren Menschen. Ebenso steigt das Risiko einer Blutgerinnselbildung (Thrombose) an.

Anzeichen von Fieber

Fieber tritt selten isoliert, sondern in aller Regel von anderen Beschwerden begleitet auf: Müdigkeit und Abgeschlagenheit mischen sich in ein allgemeines Krankheitsgefühl. Der Appetit lässt nach, die Muskeln schmerzen, man will nur noch eins: Ruhe.

Typisch für die Phase des Fieberanstiegs ist das Frösteln bis zum Schüttelfrost gefolgt von trockener, heißer Haut nach Erreichen des Temperaturmaximums. Die Phase des abklingenden Fiebers ist gekennzeichnet von verstärktem Schwitzen mit Schweißausbrüchen. Aufgrund des Flüssigkeitsverlustes kann dabei auch ein verstärktes Durstgefühl auftreten.

Bei Kindern erkennt man es oft bei einem Blick ins Gesicht: die Augen wirken glasig und glänzen fiebrig;der Kopf ist gerötet, die restliche Haut ist blass, die Ohren, Stirn und Nacken sind heiß; sie selbst werden quengelig, da der ganze Vorgang im Körper als anstrengend empfunden wird und die Kräfte raubt.

Mögliche Ursachen

Fieber kann durch verschiedene Erkrankungen ausgelöst werden. Die häufigste Ursache sind vor allem Erkältungskrankheiten.

Bei Kindern tritt Fieber häufig bei einer eitrigen Mandelentzündung auf, die durch Bakterien wie Streptokokken ausgelöst wurde. Auch bei einer Mittelohrentzündung durch Pneumokokken kann Fieber begleitend auftreten. Natürlich kommt es auch bei den klassischen Kinderkrankheiten wie Masern oder Windpocken zu Fieber, wenn das Kind dagegen nicht geimpft wurde.

Bei Erwachsenen sind häufige Ursachen für Fieber akute Harnwegsinfekte, Nierenbecken- und Lungenentzündungen, aber auch banale grippale Infekte können von Fieber begleitet sein. Auch bei einer Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber, Kuss-Krankheit) kommt es in der Regel zu hohem Fieber.
Das Frühstadium einer durch einen Zeckenbiss ausgelöste Lyme-Borreliose kann mit Fieber einhergehen. Kinder und Erwachsene sind hier gleichermaßen betroffen.

Fiebersenkende Mittel – ein Muss?

Medikamente aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac, Ibuprofen und Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin) sowie Paracetamol sind nicht nur schmerzlindernd, sondern auch fiebersenkend. Diese Mittel sind in niedrigen und mittleren Dosisstärken rezeptfrei in der Apotheke zu bekommen.

Die Stiftung Warentest hat verschiedene Medikamente getestet.

  • Aspirin Kautabletten können ohne Wasser eingenommen werden. Allerdings sollte der darin enthaltene Wirkstoff Acetylsalicylsäure immer mit einem großen Glas Wasser eingenommen werden, da die Flüssigkeit verhindert, dass Magen, Darm und Speiseröhre unnötig belastet werden. Daher sind diese nur eingeschränkt zu empfehlen. Besser ist es, Aspirin als Brausetabletten gelöst in Wasser einzunehmen. So steigert man auch gleichzeitig die Flüssigkeitszufuhr und beugt einem fieberbedingten Austrocknen des Körpers vor.
  • Paracetamol ist ein beliebtes Präparat bei Erkältungen. Es greift die Magen-Darm-Schleimhaut sehr viel weniger an als die klassischen Antiphlogistika wie Ibuprofen oder Aspirin.

Allerdings kann es schon bei mäßiger Überdosierung die Leber schädigen, was auf Dauer sogar lebensbedrohlich werden kann. Daher muss die im Beipackzettel angegebenen Dosierungsgrenze hier sehr genau eingehalten werden.

Bei Kindern wird üblicherweise Ibuprofen oder Paracetamol (gerne auch als Zäpfchen) verordnet. Das hängt vom Alter und Gewicht der kleinen Patienten ab. Acetylsaliyclsäure wie in Aspirin scheidet bei Kindern unter 12 Jahren grundsätzlich aus, da bei dieser Altersgruppe als seltene Nebenwirkung das sogenannte Reye-Syndrom ausgelöst werden kann, das mit schweren dauerhaften Leber- und Hirnschäden einhergeht.

  • Das rezeptpflichtige Metamizol kann vom Arzt verordnet werden, wenn kein anderes Medikament zufriedenstellend wirkt. Es senkt Fieber sehr verlässlich, kann aber sehr selten lebensbedrohliche Nebenwirkungen wie die eine unumkehrbare Schädigung der blutbildenden Zellen im Knochenmark (Agranulozytose) hervorrufen und sollte deshalb nur als Reservemittel in Ausnahmefällen eingesetzt werden.

Altbewährte Hausmittel bei Fieber

Da Fieber oft notwendiger Teil der Immunreaktion des Körpers ist, die sich über Millionen Jahre der menschlichen Evolution entwickelt hat, sollte sie nicht einfach unterdrückt werden. Liegt kein schwerwiegender medizinischer Grund vor, sollte, wenn überhaupt, zunächst auf Hausmittel zurückgegriffen werden. Auch diese können sehr effektiv helfen, das Fieber zu senken.

Wichtig: Fieber sollte erst dann gesenkt werden, wenn die erste erste Phase des Temperaturanstiegs (gekennzeichnet durch Frieren und Schüttelfrost)vorüber ist. Sonst versucht der Körper dem entgegen zu steuern und verbraucht unnötig Energie.

Wadenwickel: Dafür werden Handtücher in lauwarmem bis kühlem Wasser getränkt, ausgewrungen und anschließend um die Waden gewickelt. Die eingewickelten Beine werden dann jeweils noch mit einem trockenen Handtuch eingepackt. Die Verdunstungskälte entzieht dem Körper Wärme und senkt so das Fieber um bis zu 1°C. Achtung: Bei Frösteln, Frieren, kalten Händen und Füßen, die für die Phase des Temperaturanstiegs typisch sind, sollte man noch keine Wadenwickel anlegen. Gelenke immer frei lassen.
Absteigendes Vollbad: Das Bett sollte hierfür vorab mit einer Wärmflasche aufgewärmt werden. Anschließend wird ein Bad eingelassen, dessen Wassertemperatur ungefähr 1°C unter der Fiebertemperatur liegt. Sitzt man im Wasser, wird nach und nach kaltes Wasser eingelassen. Innerhalb von 10 bis 15 Minuten sollte die Wassertemperatur dann nur noch 25°C betragen. Ein solches Vollbad sollte nicht länger als 15 Minuten andauern. Anschließend im vorgewärmten Bett ausruhen!
Viel Trinken! Der Körper benötigt ausreichend Flüssigkeit, um nicht auszutrocknen und auch um die Krankheitserreger auszuspülen.
Bettruhe einhalten: Gönnen Sie Ihrem Körper die wohlverdiente Ruhe, die er braucht, um sich selbst zu helfen und die eigenen Selbstheilungskräfte zu mobilisieren.

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