Schwerpunkt Impfungen (3): Fünf Mythen über das Impfen

Im dritten und letzten Teil unserer Schwerpunktreihe klären wir die wichtigsten Mythen rund um das Thema Impfungen auf: was ist wahr, was ist falsch? Wir bewerten jeden Mythos auf wissenschaftlicher Informationsgrundlage.

Wenn du dich allgemein über die verschiedenen Impfstoff-Typen informieren möchtest, kannst du das in Teil 1 unserer Schwerpunktreihe nachlesen. Teil 2 der Reihe beschäftigt sich übrigens mit allen wichtigen Fakten rund um das Thema Impfsicherheit, schau gerne mal vorbei!

Mythos 1: Das Durchmachen von Krankheiten ist für die Entwicklung eines Kindes wichtig

Dieser Mythos ist falsch.

Dieses Gerücht hält sich hartnäckig und ist der Grund für sogenannte „Masernpartys“, bei denen Eltern ihre Kinder gezielt mit an Masern erkrankten Kindern zusammenbringen, um diese mit dem Masernvirus zu infizieren. Am Beispiel der Maserninfektion lässt sich aber auch deutlich aufzeigen, dass die Erkrankung an einer potentiell lebensbedrohlichen Virusinfektion nicht in Relation zum Risiko einer Impfung steht. Die Statistiken sprechen für sich: durch eine Masern-Infektion liegt das Risiko für eine Gehirnentzündung, in der Fachsprache auch Enzephalitis genannt, bei 1:1.000 (in Worten: eins zu tausend, d.h. von 1000 an Masern erkrankten Kindern entwickelt 1 Kind diese schwerwiegende Komplikation!).  Durch eine zuvor erfolgte Impfung gegen das Masernvirus sinkt das Risiko um den Faktor 10.000 (in Worten: zehntausend). Es liegt also auf der Hand, bei welchem dieser zwei Szenarien das Kind besser vor gesundheitlichen Folgeschäden geschützt ist.1

Mythos 2: Impfungen verursachen die Erkrankungen, gegen die sie schützen sollen

Dieser Mythos ist falsch.

Dieser Fall könnte zunächst einmal nur eintreten, wenn es sich um einen sogenannten „Lebendimpfstoff“ handelt. Dabei werden dem Patienten abgeschwächte, noch lebende Erreger verimpft. Die meisten Impfstoffe, die heutzutage verabreicht werden, sind aber sogenannte „Totimpfstoffe“: diese enthalten vermehrungsunfähige, abgetötete Krankheitserreger oder deren Giftstoffe (Toxoidimpfstoffe) bzw. nur noch Bestandteile der Krankheitserreger (sog. Spaltvakzine).

Doch selbst wenn es sich um einen „Lebendimpfstoff“ handelt, kann dieser praktisch nie eine voll ausgeprägte Erkrankung auslösen. Was sich allerdings entwickeln kann, ist die sogenannte „Impfkrankheit“. Auch für diesen Fall stellt die Masernimpfung ein anschauliches Beispiel dar: Die Vakzine enthält noch lebende, aber stark abgeschwächte Masernviren. Rund 5% der Geimpften reagieren innerhalb einer Woche nach der Impfung mit einem masernartigen Hautausschlag und Fieber. Diese „Impfmasern“ sind jedoch nicht ansteckend und auch die gefährlichen Komplikationen, die mit der Masernerkrankung einhergehen (z.B. die oben erwähnte Gehirnentzündung) treten in der Regel nicht auf.2

Mythos 3: Man kann trotz Impfung erkranken

Dieser Mythos ist wahr.

Natürlich kommt es hier individuell auf die Art des Impfstoffs an. Aber grundsätzlich gilt: eine Impfung schützt nicht ausnahmslos zu 100% vor der entsprechenden Erkrankung. Der Sinn einer Impfung liegt vor allem darin, die Erkrankungswahrscheinlichkeit auf ein Minimum zu reduzieren und so die Ausbreitung der Erkrankung im Sinne einer Epidemie oder gar Pandemie zu verhindern.

Am Beispiel der Grippeimpfung wird deutlich, dass eine Impfung keineswegs ein „Freifahrtschein“ durch den Winter ist. Je nach Alter und Gesundheitszustand werden durch die Grippeimpfung nur 40-75% der Geimpften vor einer Grippe geschützt.2

Mythos 4: Impfstoffe enthalten Chemikalien wie Aluminium und Quecksilber

Dieser Mythos ist teilweise wahr…

…gefolgt von einem großen ABER: solche Substanzen sind nur in äußerst geringen Konzentrationen weit unterhalb ihrer toxikologischen Grenzwerte enthalten und erhöhen die Wirksamkeit des Impfstoffs. Sie sind auch nicht in jedem Impfstoff enthalten.

Aluminium, ein klassischer Wirkungsverstärker, liegt in einem Impfstoff nicht in seiner metallischen Reinform vor, sondern ist „verpackt“ in einer chemischen Verbindung. Die über einen Impfstoff aufgenommene Menge einer solchen Aluminiumverbindung ist im Vergleich zur täglichen Aluminiumaufnahme über das Trinkwasser oder die Nahrung nur minimal.

Die Debatte um Quecksilber bezieht sich auf die Substanz „Thiomersal“, einen quecksilberhaltigen Konservierungsstoff für die Haltbarkeit. Inzwischen sind alle in Deutschland zugelassenen Impfstoffe quecksilberfrei.2,4

Mythos 5: Impfrisiken sind nicht kalkulierbar; Impfungen können Autismus auslösen

Dieser Mythos ist falsch.

Vor der Zulassung eines Impfstoffs muss dessen Wirksamkeit und Unbedenklichkeit in klinischen Prüfungen nachgewiesen werden. Auch nach der Zulassung müssen dem Paul-Ehrlich-Institut sämtliche Verdachtsfälle auf Nebenwirkungen gemeldet werden.

Eines der hartnäckigsten Gerüchte rund um das Thema Impfungen ist die Auslösung von Autismus, einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung. Dieses Gerücht entstand aufgrund einer im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlichten Studie, die methodisch allerdings stark fehlerhaft war und  auf Daten von nur 12 Kindern basierte. Der Arzt, der diese Studie durchgeführt hat, verlor im Anschluss wegen starken Interessenskonflikts seine Zulassung und „The Lancet“ zog die Studie im Jahr 2011 zurück. Anschließend wurde der Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus umfassend in groß angelegten Studien untersucht und es konnte kein Zusammenhang festgestellt werden. 2,3

Quellen

1) Dr. Oberhofer, E. (10.04.2019). Vier große Mythen rund ums Impfen. Abgerufen Juli 2021, von https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Vier-grosse-Mythen-rund-ums-Impfen-313568.html.

2) Robert Koch Institut (22.04.2016). Antworten des Robert Koch-Instituts und des Paul-Ehrlich-Instituts zu den 20 häufigsten Einwänden gegen das Impfen. Abgerufen Juli 2021, von https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/Bedeutung/Schutzimpfungen_20_Einwaende.html;jsessionid=030531FBBF0BA29204A36A32DD8CCDC9.internet082#doc2378400bodyText11.

3) DAZ.online (24.04.2019). Mythen und Fakten zum Thema Impfen. Abgerufen Juli 2021, von https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2019/04/24/mythen-und-fakten-zum-thema-impfen/chapter:2.

4) Paul Ehrlich Institut (03.08.2020). FAQ – häufig gestellte Fragen: Impfen und Impfstoffe. Abgerufen Juli 2021, von https://www.pei.de/DE/service/faq/faq-impfen-impfstoffe-inhalt.html;jsessionid=B00BE7F3AB7EC74A2A3060B18A51BA53.intranet222.

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