Herz-Kreislauf-Patienten in der Apotheke – Was Sie bei Blutverdünner beachten müssen

Herz-Kreislauf-Patienten nehmen in der Regel mehr als ein Medikament ein. Hier liegt ein großes Risiko für Wechselwirkungen und Nebenwirkungen vor: vor allem frei verkäufliche Arzneimittel können gefährlich werden.

Bluthochdruck (Hypertonie), Herzinsuffizienz und Koronare Herzkrankheit (KHK)

Herz-Kreislauf-Pharmaka, also Medikamente zur Behandlung der in den Industrienationen weit verbreiteten kardiovaskulären Erkrankungen Bluthochdruck (Hypertonie), Herzinsuffizienz und Koronare Herzkrankheit (KHK), sind für viele Menschen aus dem Apothekenregal nicht mehr wegzudenken. Insbesondere bei den genannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist die frühzeitige und fachgemäße Therapie mit Arzneimitteln meist unerlässlich. Werden diese nicht therapiert, schreiten die die Erkrankungen in der Regel weiter fort und die Zustände der Betroffenen verschlechtern sich schnell. Insgesamt gilt die Behandlung mit Herz-Kreislauf-Therapeutika als sicher und gut verträglich – wären da nicht ihre zahlreichen Interaktion mit anderen, oft auch nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln.

Wann kommen Blutverdünner zum Einsatz?

Medikamente mit Wirkung auf die Blutgerinnung, im allgemeinen Sprachgebrauch auch “Blutverdünner” genannt, werden zur Therapie und Prävention von verschiedenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt. Dabei dienen die gerinnungshemmenden Medikamente dazu, die Bildung von Blutgerinnseln zu verhindern, beziehungsweise diese aufzulösen. Diese Gerinnsel können die Gefäße am Ort ihrer Entstehung verstopfen (Thrombose) oder weiter im Blutkreislauf wandern (Embolie), was dann zu schweren kardiovaskulären Ereignissen wie Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Lungenembolien führen kann. Ihre Wirkung besteht in der Hemmung der körpereigenen Blutgerinnung durch Wirkung auf die Blutplättchen (Thrombozyten) bzw. auf die weiteren Gerinnungsfaktoren im Blut – bekannt als “blutverdünnender Effekt”.
Neben der Behandlung akuter Krankheiten wie zum Beispiel Thrombosen oder Embolien, kann Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen wie zum Beispiel Arteriosklerose, Vorhofflimmern oder nach Stent-Implantation eine Therapie mit Blutverdünnern präventiv verordnet werden.

Die üblichen Verdächtigen – Blutverdünner vom Cumarintyp und ihre zahlreichen Interaktionen

Blutverdünner nehmen in der Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine wichtige Rolle ein und gehören hier zu den am meisten verordneten Medikamenten.
Aber: Blutverdünner ist nicht gleich Blutverdünner. Werden heute zunehmend sogenannte Direkte Orale Antikoagulantien (DOAKs) verschrieben, so nimmt auch die Klasse der älteren Cumarine weiterhin eine wichtige Rolle ein.

Zu den Cumarinen gehören unter anderem Phenprocoumon (Marcumar®) und Warfarin (Coumadin®). Ihr Einsatz kann problematisch sein, denn sie zeigen zahlreiche Wechselwirkungen und Interaktionen mit anderen Arzneistoffen (siehe unten: Wechselwirkungen der Cumarine). Außerdem werden in der Therapie Acetylsalicylsäure (Aspirin® ; niedrig dosierte Dauertherapie, 100 mg täglich) und ADP-Rezeptor-Antagonisten (Clopidrogel, Prasugrel, Ticagrelor; häufig als sogenannte “duale Plättchenhemmung”) genutzt.

Folgende Wechselwirkungen sollten Sie bei Blutverdünnern vom Cumarin-Typ beachten:

  • Schmerzmittel (NSAR-Typ): Oftmals greift man schnell zur Schmerztablette, in Kombination mit Blutverdünnern kann dieser Griff schnell zu schwerwiegenden Nebenwirkungen wie etwa Magenblutungen führen. Bekannte NSAR-Schmerzmittel sind zum Beispiel: Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (Aspirin®, selbst auch blutverdünnende Wirkung) oder Paracetamol. Als erste Wahl für Herz-Kreislauf-Patienten, die Blutverdünner einnehmen, gilt Paracetamol, wobei in Tagesdosen von bis zu 2g (zumindest hinsichtlich der Interaktion mit Cumarinen) kein erhöhtes Blutungsrisiko entsteht.

Sofern die Anwendung nicht länger als drei bis vier Tage erfolgt, können Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankung in der Regel auch NSAR-Medikamente einnehmen. Ist die Anwendung für einen längeren Zeitraum gedacht, so sollten Sie mit Ihrem Arzt eine Magenschutz-Begleitmedikation in Erwägung ziehen. Dadurch kann das Risiko von unerwünschten Nebenwirkungen wie Magenblutungen erwiesenermaßen gesenkt werden. Auch ein magenschützender Effekt von Vitamin C im Rahmen der NSAR-Anwendung wird diskutiert.

  • Antibiotika:Bei der Einnahme von Antibiotika kann die Cumarinwirkung sowohl verstärkt als auch abgeschwächt werden. Besonders häufige Wechselwirkungen weisen unter anderem die die Antibiotika Metronidazol, Erythromycin und Cotrimoxazol auf. Deshalb gilt: keine Antibiotika-Einnahme ohne vorherige ärztliche Rücksprache.
  • Antidepressiva: Verstärkung eines erhöhten Blutungsrisikos, zum Beispiel bei Citalopram (Cipramil®)
  • Schwangerschaft:In der Schwangerschaft wird die Therapie mit Cumarinen aufgrund von Risiken für das ungeborene Kind in der Regel unterbrochen.

Melden Sie Ihre Nebenwirkung bei Blutdrucksenkern

Allgemein gilt die Therapie mit Blutdrucksenkern als sicher und gut verträglich. Dennoch können sich gerade durch die zahlreichen Interaktionen mit anderen, teilweise sogar rezeptfreien Medikamenten zahlreiche unerwünschte Wirkungen ergeben (siehe die oben aufgeführten Wechselwirkungen der Cumarine). Beobachten Sie deshalb unerwünschte Medikamentenwirkungen unter der Einnahme von Blutverdünnern, sollten Sie Ihren Arzt verständigen und diese auch zur Meldung bringen, etwa auf unserem unabhängigen Meldeportal www.nebenwirkungen.de. Oftmals reichen wenige Meldungen aus, um die Öffentlichkeit über schwere Vorkommnisse zu informieren und Beipackzettel zukünftig zu aktualisieren, wie etwa die Rote-Hand-Briefe wirkungsvoll zeigen. Unser Meldeservice bietet Ihnen hierfür die einfache und schnelle Möglichkeit, Nebenwirkungen zu melden, ohne dabei Ihre Identität preiszugeben. Zudem können Sie Ihren Arzt oder Apotheker in die Meldung mit einbinden. Mit jeder Meldung tragen Sie aktiv zur Verbesserung der Arzneimittelsicherheit bei, indem eine bessere Informationsbasis für die zukünftige Verordnung von Arzneimitteln geschaffen wird.

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