Immunsuppressiva Nebenwirkungen

Immunsystem: Bei diesen Medikamenten sollten Sie auf Ihre körpereigene Abwehr Acht geben

Ein gutes Immunsystem ist ein unabdingbarer Schutz vor unliebsamen Krankheitserregern – das wird uns gerade jetzt in der Corona-Pandemie bewusst.

Patienten mit gewissen chronischen Krankheiten sind aber darauf angewiesen, Medikamente einzunehmen, die ihr Immunsystem unterdrücken – und können so leichter erkranken. Sie bedürfen daher unseres besonderen Schutzes.

Welche Medikamente wirken auf das Immunsystem?

Patienten, die an einer Autoimmunkrankheit leiden oder ein Spenderorgan erhalten haben, sind auf Immunsuppressiva angewiesen. Diese werden benötigt, um die Abwehrmechanismen ihres eigenen Immunsystems zu unterdrücken (“zu supprimieren”), das im Falle einer Autoimmunerkrankung krankhaft fehlgeleitet und übersteigert auf körpereigene Zellen reagiert, was schwere Entzündungsreaktionen hervorruft, im Falle einer Organtransplantation zur Abstoßung des richtigerweise als fremd erkannten Spenderorgans führen würde.

Wirkstoffe, welche die Immunabwehr schwächen sind – neben Kortison und Methotrexat (MTX) – beispielsweise die sogenannten Calcineurin-Inhibitoren:

  • Ciclosporin A (Sandimmun (R)/Sandimmun Optoral(R))
  • Tacrolimus (Prograf(R)/Advagraf(R))

Sie hemmen die Aktivierung der T-Zellen. T-Zellen, oder auch als Killerzellen bezeichnet, sind eine spezielle Art von weißen Blutkörperchen (Lymphozyten), die körperfremdes und toxisches Gewebe erkennen, angreifen und unschädlich machen. 

Eine andere Substanzgruppe, die in die Funktion des Immunsystems eingreift sind sogenannte TNF-Alpha-Blocker. Diese gentechnologisch hergestellten sogenannten monoklonalen Antikörper hemmen die entzündlich-zerstörende Wirkung der als Tumor-Nekrose-Faktor (TNF) zusammenfassend bezeichneten Eiweißstoffe, die als Gewebebotenstoffe (Zytokine) an Entzündungsprozessen beteiligt sind. Hierzu zählen

  • Adalimumab (Humira)
  • Infliximab (Remicade)
  • Golimumab (Simponi)

Was sind Autoimmunerkrankungen?

Autoimmunerkrankungen liegt ein gestörtes Immunsystem zugrunde. Normalerweise attackiert das Immunsystem zum Schutz des Menschen krankmachende Erreger (z.B. Bakterien, Viren) und fremde Zellen, die in den Körper eindringen. Bei einer Autoimmunerkrankung hingegen richtet die Immunabwehr diese Angriffe gegen den eigenen Körper und zerstört körpereigene Zellen, Gewebe und Organe. 

Darunter fallen z. B. die folgenden Krankheiten:

Sonderfall Organtransplantation

Nach einer Organ- oder Gewebetransplantation  erkennt das Immunsystem das transplantierte Gewebe als körperfremd, greift es an, was zu Entzündung und Abstoßung führt. Um den Erfolg der Transplantation nicht zu gefährden, muss der Transplantierte dauerhaft Medikamente einnehmen, die eine solche Abwehrreaktion seines Immunsystems unterdrücken. 

Als Immunsuppressiva werden gentechnologisch hergestellte Antikörper eingesetzt wie etwa:

  • Basiliximab (Simulect(R))
  • Antithymozytenglobulin (ATG) oder
  • Muromonomab-CD3 (Orthoclone OKT3)

Die Verabreichung dieser hochwirksamen Antikörper hat jedoch eine sehr hohe Infektanfälligkeit zur Folge. Patienten mit supprimierten Immunsystem müssen sich daher ganz besonders vor Infektionen schützen, da diese im Erkrankungsfall auch schwerer verlaufen als bei Patienten mit einer intakten Immunabwehr. 

Auch CoVid-19, hervorgerufen durch das SARS COV-2 Virus und umgangssprachlich als Corona bezeichnet, ist eine dieser Infektionskrankheiten, bei der es bei immungeschwächten Patienten zu schweren Verläufen kommen kann. Dies gilt selbstverständlich auch für alle anderen bakteriellen und viralen Infektionskrankheiten. 

Chemotherapie

Bei der Behandlung einer Krebserkrankung werden Medikamente (Chemotherapeutika) eingesetzt, die nicht nur die Tumorzellen angreifen, sondern beispielsweise auch die weißen Blutkörperchen zerstören, so dass die Funktion der körpereigenen Immunabwehr geschwächt wird. Auch diese Patienten sind dann einem erhöhten Risiko ausgesetzt, sich eine bakterielle oder virale Infektion zuzuziehen und im Erkrankungsfall einen schweren Verlauf zu entwickeln.  

Angeborene und erworbene Immunschwäche

Neben der therapeutisch gewollten Unterdrückung der Immunabwehr bei Autoimmunerkrankungen oder Organtransplantationen bzw. einer Schwächung des Immunsystems als unerwünschte Begleiterscheinung einer Chemotherapie gibt es Immundefekte durch einen angeborenen Mangel an Immunglobulinen (Antikörpermangelsyndrom), die neben den weißen Blutkörperchen (Lymphozyten, T-Zellen) für eine wirksame Infektabwehr benötigt werden. Des Weiteren ist auch die erworbene Immunschwäche als Folge einer HIV-Infektion (AIDS-Erkrankung) mit einem erhöhten Infektionsrisiko verbunden.  

Chronische Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen

Chronische Krankheitsbilder wie erhöhter Blutdruck, Herzleistungsschwäche (Herzinsuffizienz), Zuckerkrankheit (Diabetes), gestörte Nieren- oder Leberfunktion und andere, gegen die Patienten dauerhaft Medikamente einnehmen müssen, erhöhen nicht automatisch das Risiko, sich leichter eine bakterielle oder virale Infektion einzufangen.

Eine wesentliche Voraussetzung für eine auch unter diesen Bedingungen schlagkräftige Immunabwehr ist die effektive Behandlung dieser chronischen Krankheitszustände. Mithilfe der medikamentösen Therapie soll eine bestmögliche Normalisierung der Organfunktionen erreicht werden.

Wichtig ist gerade hier neben einer guten Wirksamkeit die gute Verträglichkeit dieser Medikamente, damit sich der Organismus nicht zusätzlich mit belastenden Nebenwirkungen auseinandersetzen muss. 

Unbedachte Sorglosigkeit ist jedoch keinesfalls angebracht! Denn wenn ein chronisch Kranker – seinem guten Immunsystem zum Trotz – doch beispielsweise an CoViD-19 erkranken sollte, können seine vorbestehenden Beeinträchtigungen den Verlauf der Infektion negativ beeinflussen und die Behandlung zusätzlich erschweren. 

Nebenwirkungen von Immunsuppressiva

Eine gezielte Unterdrückung bestimmter Abwehrreaktionen ist noch nicht möglich. Das Immunsystem wird daher als Ganzes unterdrückt. Hierdurch werden Patienten aber anfälliger für andere Krankheitserreger, wie z. B. Viren, Bakterien oder Erreger bestimmter Krebserkrankungen.

Außerdem kann es bei der Therapie mit Immunsuppresiva zu diesen Nebenwirkungen kommen:

  • Erhöhung des Blutdrucks, der Cholesterinwerte und/ oder des Blutzuckers
  • Schädigung von Nieren, Nerven und der Leber
  • Übelkeit
  • Durchfall
  • Erbrechen

Deshalb: Melden Sie Ihre Nebenwirkung!

Beobachten Sie Nebenwirkungen – egal welcher Art – unter der Behandlung mit Medikamenten, sollten Sie diese umgehend melden. Oftmals reichen wenige Meldungen aus, um die Öffentlichkeit über schwere Vorkommnisse zu informieren und Beipackzettel zu aktualisieren. Unser Meldeservice bietet Ihnen hierfür die einfache und schnelle Möglichkeit, Nebenwirkungen zu melden, ohne dabei Ihre Identität preiszugeben. Zudem können Sie Ihren Arzt oder Apotheker in die Meldung einbinden. Mit jeder Meldung tragen Sie aktiv zur Verbesserung der Arzneimittelsicherheit bei, indem eine bessere Informationsbasis für die zukünftige Verordnung von Arzneimitteln geschaffen wird. Davon profitieren auch andere Patienten und sind Ihnen dankbar.

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