Magen-Darm-Beschwerden: Wenn Medikamente, die helfen sollen, das Gegenteil bewirken

Übelkeit, Blähungen und Durchfall können den normalen Lebensalltag schwer machen. In der Apotheke sind die Regale voll von Magen-Darm-Medikamenten. Welche helfen und welche Neben- und Wechselwirkungen möglich sind, lesen Sie hier.

Magen-Darm-Beschwerden: Platz zwei auf der Liste der „Volkskrankheiten“

Sieben von zehn Bundesbürgern (69 Prozent) leiden nach einer Untersuchung der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände mindestens einmal pro Jahr unter Magen-Darm-Beschwerden. Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt rangieren damit auf Platz zwei der Liste der sogenannten „Volkskrankheiten“ – direkt nach Erkältungserkrankungen. Die gleiche Studie beklagt einen zunehmend bedenkenloseren Umgang mit den entsprechenden Magen-Darm-Medikamenten, deren Nebenwirkungen noch längst nicht zur Gänze erforscht sind. Spitzenreiter der quälenden Magen-Darm-Leiden ist Sodbrennen (36 Prozent), gefolgt von Magenschmerzen und Bauchkrämpfen sowie Völlegefühl und Blähungen. Auf den Plätzen folgen Übelkeit und Erbrechen und schließlich chronische Verstopfung.

Einsatz von “Säureblockern” bei Sodbrennen – Achtung vor der Langzeitanwendung

Das bis in die Speiseröhre aufsteigende Brennen in der Magengegend plagt viele Betroffene regelmäßig. So entfällt über die Hälfte des Umsatzes bei Magen-Darm-Medikamenten auf die sogenannten “Säureblocker” zur Behandlung von Sodbrennen (Omeprazol, Lansoprazol, Pantoprazol). Oftmals sind sie rezeptfrei erhältlich und werden deshalb von vielen Anwendern bedenkenlos eingesetzt, so zum Beispiel gewohnheitsmäßig vor dem Essen. Dabei ist die Anwendung der Säureblocker keineswegs nebenwirkungsfrei: Zu den unerwünschten Effekten zählen Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen und Müdigkeit. Mit einer Daueranwendung mit Säureblockern werden zahlreiche Krankheiten in Verbindung gebracht. Diskutiert wird neben einem erhöhten Demenzrisiko auch ein erhöhtes Risiko für Osteoporose, vermutlich verursacht durch eine veränderte Kalzium-/ Vitamin-D-Aufnahme im Darm. Deswegen werden Säureblocker nur noch in begründeten Ausnahmefällen zur Dauertherapie verschrieben (etwa zum Magenschutz bei ASS-Dauertherapie).

Abführmittel: Achtung Wechselwirkungen!

Die Obstipation (Verstopfung) gehört zu den „Zivilisationskrankheiten“, und wird von jedem 15. Bundesbürger standardmäßig mit Abführmitteln behandelt. Die Behandlungsmöglichkeiten sind dabei sehr vielfältig, ebenso wie die Verabreichungsformen der Medikamente: neben Tabletten, Salzlösungen zum Trinken oder Einläufen gibt es auch Zubereitungen aus Pflanzenbestandteilen. Allgemein gibt es folgende Arten von Abführmitteln: Quellmittel (Lein-, Flohsamen), pflanzliche Mittel (Aloe, Sennesblätter), Stimulanzien (Bisacodyl) und osmotische Laxantien (Glauber-, Bittersalz, Natriumpicosulfat, Lactulose, Macrogol). Besonders die Stimulanzien und die osmotisch wirksamen Mittel sind in der Daueranwendung problematisch, da es langfristig zu starken Verschiebungen im Elektrolythaushalt kommen kann. Es drohen schwere Nebenwirkungen, wie etwa Herzrhythmusstörungen. Aufgrund der Elektrolytverschiebung ergeben sich ebenfalls Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, wie etwa mit Entwässerungsmitteln (Furosemid und andere). Deshalb ist es wichtig, dass der Gebrauch von Abführmitteln stets nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker erfolgt, und dass dabei auch stets die Möglichkeit von Wechselwirkungen mit anderen eingenommenen Medikamenten berücksichtigt wird.

Antibiotika und weitere Medikamente mit Nebenwirkungen auf den Magen-Darm-Trakt

Wer schon öfter einmal ein Antibiotikum eingenommen hat, hat mich hoher Wahrscheinlichkeit auch die Auswirkungen auf seine Verdauung gespürt. Denn durch ihre Wirksamkeit gegen Bakterien, wird durch die Einnahme ebenfalls die durch Bakterien gebildete Darmflora geschädigt (“Antibiotika-assoziierte Diarrhoe” =AAD) Doch neben den Antibiotika kann auch eine Vielzahl anderer Wirkstoffe “auf den Magen schlagen” – dazu gehören Medikamente gegen Bluthochdruck, Antidepressiva, Entwässerungsmittel, starke Schmerzmittel und Mittel gegen Nervenerkrankungen (Epilepsie und Parkinson).

Übersicht Medikamente mit Nebenwirkungen auf den Magen-Darm-Trakt

Achten Sie auf körperliche Veränderungen, während der Medikamenteneinnahme. Welche Medikamente bzw. Wirkstoffe Magen-Darm-Beschwerden auslösen können entnehmen Sie bitte der Tabelle (siehe oben).

Melden Sie Ihre Nebenwirkungen

Wenn Sie ebenfalls bei der Einnahme von Medikamenten Magen-Darm-Beschwerden feststellen, sollten Sie diese melden. Denn oftmals reichen wenige Meldungen aus, um die Öffentlichkeit über schwere Vorkommnisse zu informieren und Beipackzettel zu aktualisieren, wie die Rote-Hand-Briefe wirkungsvoll zeigen. Unser Meldeservice bietet Ihnen hierfür die einfache und schnelle Möglichkeit, Nebenwirkungen zu melden, ohne dabei Ihre Identität preiszugeben. Zudem können Sie Ihren Arzt oder Apotheker in die Meldung einbinden. Mit jeder Meldung tragen Sie aktiv zur Verbesserung der Arzneimittelsicherheit bei, indem eine bessere Informationsbasis für die zukünftige Verordnung von Arzneimitteln geschaffen wird.

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