Flucytosin warnhinweis

Ancotil (Flucytosin): Aktualisierte Anwendungsbeschränkung bei Patienten mit DPD-Mangel 

Flucytosin Warnhinweis

Ancotil (Flucytosin): Aktualisierte Anwendungsbeschränkung bei Patienten mit DPD-Mangel 

Rote-Hand-Briefe – was ist das eigentlich?

Mit den sogenannten ”Rote-Hand-Briefen” informieren die Pharmahersteller medizinische Fachkreise, d.h. Ärzte und Apotheker, über neu entdeckte Arzneimittelrisiken, wie etwa über Erkenntnisse zu neuen Neben- und Wechselwirkungen sowie fehlerhaften Produkten, die die Sicherheit eines Arzneimittels betreffen. In unserer neuen Rubrik fassen wir für Sie die primär an Fachkreise gerichteten Rote-Hand-Briefe einfach und kompakt zusammen.

So sind Sie als Patient immer bestens über neue sicherheitsrelevante Ereignisse informiert, die die Einnahme von Medikamenten betreffen.

Liebe Patientin, lieber Patient, 

lesen Sie hier unsere “patientenfreundliche” Fassung des Rote-Hand-Briefs vom 04. Juni 2020 zu Ancotil (Flucytosin). Der Hersteller Meda Pharma AG informiert in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) über Anwendungsbeschränkungen von Ancotil bei Patienten mit einem Mangel des Enzyms Diphydropyrimidin-Dehydrogenase (DPD).

Worum geht es?

Der Wirkstoff Flucytosin darf nicht bei Patienten mit vollständigem  und nur mit höchster Vorsicht bei Menschen mit teilweisem DPD-Mangel eingesetzt werden.

Es besteht sonst das Risiko von Vergiftungserscheinungen (Toxizität) mit schlimmstenfalls tödlichem Ausgang.

Bei einem DPD-Mangel fehlt ein Enzym, das für bestimmte Abbauprozesse im Körper verantwortlich ist. Dadurch können bestimmte Medikamente, z. B. Zytostatika wie 5-Fluorouracil sowie Capecitabin und Tegafur, nicht abgebaut werden. Infolgedessen reichern sich diese Wirkstoffe im Körper an, was zu einer lebensbedrohlichen Vergiftung führen kann. 

Zeichen der Toxizität sind:

  • Schleimhautentzündungen, 
  • Durchfall, 
  • eine dramatische Verringerung der weißen Blutkörperchen mit der Folge von Blutungen, Störungen des Wasser- und Mineralstoffhaushalts mit Herzrhythmusstörungen,
  • Blutgerinnungsstörungen, 
  • Thrombosen, 
  • Embolien, 
  • Blutvergiftung (Sepsis) bis hin zum 
  • Multi-Organversagen. 

Gleiches gilt auch für den Wirkstoff Flucytosin (Handelsnamen Ancotil), der zur Behandlung schwerer Pilzinfektionen dient.

Er wird in den Zellen der Hefepilze, für deren Bekämpfung er eingesetzt wird, unter anderem auch zu 5-Fluoruracil verstoffwechselt. Daher kann er auch für Menschen mit DPD-Mangel gefährlich werden, die nicht mit den oben genannten Zytostatika behandelt werden. 

Wie wirkt Ancotil (Flucytosin)?

Flucytosin ist ein sogenannntes Antimykotikum. Der Wirkstoff wird zur Bekämpfung schwerer, den ganzen Organismus befallender Pilzinfektionen angewendet. Darunter fallen vor allem die sogenannten systemische Mykosen, vor allem hervorgerufen durch Hefepilze wie Candida, Kryptokokken und Ansenula pichia sowie durch Dematiaceen/Schwärzepilze, die Erreger der Chromoblastomykose.

Systemische Mykosen

Dabei handelt es sich z. B. um Pilzerkrankungen vor allem der Lunge, der Haut und Hirnhaut, die über den Blutstrom aber auch das Herz, das zentrale Nervensystem, die Lymphknoten oder die Harnwege befallen können.

So findet Flucytosin beispielsweise Anwendung bei der durch Kryptokokken ausgelösten Hirnhautentzündung (sog. Kryptokokken-Meningitis).

Um zu verhindern, dass sich Resistenzen bilden, wird Flucytosin oft in Kombination mit Amphotericin B verwendet. 

Dem Risiko, an einer systemischen Mykose zu erkranken, sind vor allem Menschen ausgesetzt mit einem geschwächten Immunsystem (z.B. durch HIV/AIDS oder als Folge einer immunsuppressiven Behandlung von Autoimmunerkrankungen oder nach einer Organtransplantation).

Wenn bei diesen Patienten zusätzlich ein DPD-Mangel besteht, sind sie durch die erhöhte Toxizität von Flucytosin ganz besonders gefährdet.

Was ist zu tun?

Bei Patienten mit bekanntem vollständigem DPD-Mangel darf keine Behandlung mit Flucytosin erfolgen, da diese dem Risiko einer lebensbedrohlichen Toxizität ausgesetzt sind.

Mit einem vollständigen DPD-Mangel kann man bei 0,01% – 0,5% der hellhäutigen Menschen rechnen. Ein partieller DPD-Mangel liegt bei 3% – 8% der hellhäutigen Bevölkerung vor. 

Bei Verdacht auf eine Arzneimittelvergiftung durch Anreicherung von Flucytosin (bzw. 5-Fluorouracil) wird der Arzt einen Test zur Feststellung eines DPD-Mangels anordnen.

Ist der DPD-Mangel bestätigt, muss je nach Ausmaß des DPD-Mangels der Abbruch der Behandlung mit Flucytosin  erwogen werden.

Um den  Behandlungsbeginn mit Flucytosin bei Pilzinfektionen nicht zu verzögern, ist eine Testung auf einen möglicherweise vorliegenden DPD-Mangel vor dem Start der Medikation nicht zwingend erforderlich.

Sonderfall Brivudin bei Gürtelrose

Falls Sie als Patient kurz vor der Behandlung mit Flucytosin den Wirkstoff Brivudin (Handelsname z.B. Zostex) wegen einer Gürtelrose (Herpes zoster) eingenommen haben, sollten Sie Ihren Arzt unbedingt darüber informieren, damit dieser eine Bestimmung der DPD-Aktivität veranlassen kann. 

Eine gleichzeitige Einnahme von Brivudin während der Behandlung mit Flucytosin darf keinesfalls erfolgen, da Brivudin das Enzym Dihydropyrimidindehydrogenase (DPD) vollständig hemmt, so dass es nicht zum Abbau von Flucytosin (5-Fluorouracil) zur Verfügung steht und es zu den beschriebenen Vergiftungserscheinungen durch Wirkstoffanhäufung im Organismus kommen kann. Mehr dazu können Sie dem RHB vom 12. Mai 2020 entnehmen.

Deshalb: Melden Sie Ihre Nebenwirkung!

Beobachten Sie Nebenwirkungen – egal welcher Art – unter der Behandlung mit Cyproteronacetat oder auch mit anderen Medikamenten, sollten Sie diese umgehend melden.

Oftmals reichen wenige Meldungen aus, um die Öffentlichkeit über schwere Vorkommnisse zu informieren und Beipackzettel zu aktualisieren. Unser Meldeservice bietet Ihnen hierfür die einfache und schnelle Möglichkeit, Nebenwirkungen zu melden, ohne dabei Ihre Identität preiszugeben. Zudem können Sie Ihren Arzt oder Apotheker in die Meldung einbinden.

Mit jeder Meldung tragen Sie aktiv zur Verbesserung der Arzneimittelsicherheit bei. So schaffen wir gemeinsam eine bessere Informationsbasis für die zukünftige Verordnung von Arzneimitteln.

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