Über den Umgang mit dem Beipackzettel: Wichtige Informationsquelle oder notwendiges Übel?

In der europäischen Union muss jedem Fertigarzneimittel ein Beipackzettel beigelegt sein. Doch viele Patienten schenken diesem wichtigen Stück Papier, das zum sachgerechten Umgang anleiten soll, kaum Beachtung.

Trotz Unwissen: Der schnelle Griff zum Medikament

70% der Befragten gaben an, bereits nach nur wenigen Stunden des Leidens eine schmerzlindernde Tablette einzunehmen. Es wäre anzunehmen, dass Anwender entsprechend gut über die Nebenwirkungen dieses populären Medikamententyps informiert seien. Bei der Frage jedoch, welche Nebenwirkungen bei handelsüblichen Kopfschmerztabletten auftreten können, kreuzt ein knappes Drittel die Option “Nasenbluten” an. Diese gehört allerdings nicht zum Standardrepertoire der Liste an Nebenwirkungen.

Obwohl der in TV und Rundfunk verbreitete Satz “Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker” sicherlich in jedermanns Ohren sehr vertraut klingt, leisten die wenigsten diesem wichtigen Ratschlag folge.

Den Studienergebnissen folgend liest nur ein Viertel der Befragten immer die Packungsbeilage der vom Arzt verschriebenen Medikamente. Sind die Mittel rezeptfrei, so ist es sogar nur jeder Fünfte. Und fast jeder Zehnte gibt an, den kleinen Zettel bei rezeptfreien Medikamenten sogar nie zu lesen.

Die Zahlen sind alarmierend, denn wenn die Packungsbeilage zu wenig gelesen wird, lässt auch der Kenntnisstand der Patienten über tatsächlich auftretende Nebenwirkungen zu wünschen übrig. Nur jeder Zweite der Befragten fühlt sich ausreichend über diese wichtige Thematik aufgeklärt. Die dargebotenen Informationen werden nicht genutzt. Die Vermutung: Beipackzettel werden von Patienten als zu lang und zu kompliziert empfunden. Dieser These pflichtet auch Dr. Philipp Nägelein, Gründer des Portals Nebenwirkungen.de, zu: “Die Ergebnisse der Studie zeigen uns, wie wichtig es seitens der Hersteller ist, den Patienten einfache und verständliche Beipackzettel an die Hand zu geben und deren Aktualisierung in Bezug auf die Nebenwirkungen ernst zu nehmen.”

Nebenwirkungen: Das Problembewusstsein ist da – aber es mangelt an konsequentem handeln

Die Packungsbeilage ist ganz klar nicht die Lieblingslektüre der Deutschen. Aber: 80% der Befragten, die ihn wirklich lesen, entnehmen hier wichtige Informationen über Risiken und Nebenwirkungen. Mehr als ein Drittel der Befragten äußert sogar, dass sie die Auflistung der Nebenwirkungen schon einmal von der Einnahme abgehalten habe. Kein Wunder, denn jeder Zweite gibt an, bereits Nebenwirkungen am eigenen Leibe gespürt zu haben und bei jedem Dritten treten diese sogar wiederholt auf.

Ein Fehler im System?

Das erscheint im Hinblick auf die Meldezahlen äußerst paradox, denn nur weniger als 1% aller auftretenden Nebenwirkungen werden in Deutschland jährlich(?) erfasst. Und das obwohl 85% der Befragten angaben, dass ihnen die Wichtigkeit einer solchen Meldung für die zukünftige Verbesserung der Arzneimittelsicherheit wichtig ist. Handelt es sich hier also um einen Fehler im Meldesystem?

Der bereits eben zitierten Arzneimittelwerbung folgend, wenden sich 85% der Befragten, die an Nebenwirkungen litten, an ihren Arzt und jeder zweite informierte auch den Apotheker über unerwünschte Arzneimittelwirkungen. Beobachtungen legen nahe, dass aufgrund der Komplexität des Meldeprozesses, des zeitlichen Aufwands oder der unsicheren Kausalität der Nebenwirkungen, Meldungen jedoch oft unerfasst bleiben.

Im Sinne der Arzneimittelsicherheit muss hier ein Umdenken erfolgen: Patienten sollen gestärkt werden, indem eigenständige Nebenwirkungsmeldungen erheblich erleichtert werden. Knapp 60% der Studienteilnehmer gaben an, dass ihre Bereitschaft, Nebenwirkungen online zu melden, “hoch” bis “sehr hoch” sei. “Dem Patienten kommt dabei die wichtige Rolle des Impulsgebers zu, indem er seine Meldung initiieren und durch seinen behandelnden Arzt oder Apotheker ergänzen lassen kann”, sagt Dr. Friderike Bruchmann, die Gründerin von Nebenwirkungen.de. Dieses innovative Portal soll es Patienten, medizinischen Fachexperten und Herstellern ermöglichen, Informationen zu Arzneimittelrisiken in Echtzeit auszutauschen.

Tragen Sie auch aktiv zur Arzneimittelsicherheit bei!

Wenn Sie ebenfalls bei der Einnahme von Medikamenten eine Nebenwirkung vermuten, dann helfen Sie anderen Patienten und melden sie diese. Wir bieten Ihnen hier einen schnellen, sicheren und vertraulichen Meldeservice an.

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