Fieber Nebenwirkung

Fieber als Nebenwirkung: Arzneimittelfieber

Fieber ist eine körpereigene Abwehrreaktion, die wir sehr genau spüren können. Doch wussten Sie, dass damit nicht nur eine Virusinfektion wie Erkältung, Grippe, CoViD-19 oder eine Infektion bzw. Entzündung durch Bakterien in Zusammenhang stehen muss? Fieber kann auch eine Nebenwirkung sein, die durch Medikamente verursacht wird.

Was ist Arzneimittelfieber?

Arzneimittel- oder Medikamentenfieber ist eine unbeabsichtigte und unerwünschte Erhöhung der Körpertemperatur während (oder auch nach) der Einnahme eines Medikaments. Fieber als unerwünschte Arzneimittelwirkung tritt bei 3 bis 5 Prozent aller medikamentösen Behandlungen  auf, meistens zwischen dem 7. und 10. Behandlungstag.

Eng verbunden mit dem Fieber können auch sich noch andere Symptome zeigen:

  • Schwitzen
  • Hautblässe
  • Durchfall 
  • Erbrechen
  • Husten
  • Atemnot
  • Herzrasen
  • Nesselsucht (Quaddeln, häufig auch mit Juckreiz)

Warum lösen Medikamente Fieber als Nebenwirkung aus?

Dafür gibt es zwei Gründe:

Allergische Reaktion

Der häufigste Grund einer Temperaturerhöhung ist eine Unverträglichkeit oder Allergie auf einen oder mehrere Bestandteile des Präparates. Diese Unverträglichkeit kann den Wirkstoff selbst oder auch einen der sonstigen Bestandteile eines Arzneimittels betreffen. Solche Reaktionen sind nicht vorhersagbar, unabhängig von der pharmakologischen Wirkung eines Medikaments und der eingenommenen Dosis.  Sie können grundsätzlich bei jedem Medikament passieren.

Bei Allergien laufen im Körper Immunabwehr-Reaktionen ab, die so ähnlich auch bei Erkältungen oder Grippen stattfinden. Je nach der individuellen allergischen Überempfindlichkeit eines Menschen werden bestimmte Stoffe, die sogenannten Allergene, vom Immunsystemals Gefahr angesehen. Es setzt dann Mechanismen in Gang, um diese Allergene zu bekämpfen- obwohl sie eigentlich harmlos sind. Dabei wird auch Histamin ausgeschüttet, ein Botenstoff, der für viele Entzündungsreaktionen im Körper verantwortlich ist.

Substanzbedingtes Arzneimittelfieber 

Fieber kann aber auch substanzbedingt von einem Medikament ausgelöst werden. Solche Medikamente nehmen dann aufgrund des Wirkstoffs Einfluss auf die körperliche Temperaturregelung nehmen. Manchmal können solche Reaktionen sogar beabsichtigt sein, z. B. bei Zytostatika zur Behandlung von Krebs.

Einen natürlichen Temperaturanstieg um etwa ein halbes Grad Celsius beobachtet man beim Eisprung der Frau, der durch den Einfluss des Hormons Progesteron, dessen Blutspiegel ab Zyklusmitte erhöht ist, verursacht wird. 

Fieberhaft erhöhte Körpertemperatur unter Einnahme von Schilddrüsenhormonen (L-Thyroxin) zur Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), dann meist auch verbunden mit beschleunigtem Herzschlag und Durchfall kann auf eine mögliche Überdosierung des Schilddrüsenhormons hindeuten, die eine künstliche Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) herbeigeführt hat. 

Sonderformen des Arzneimittelfiebers sind das maligne neuroleptische Syndrom, das Serotonin-Syndrom und die maligne Hyperthermie (maligne = böse).

Unter der Einnahme von Neuroleptika (Medikamente gegen Psychosen wie Schizophrenie), von Antidepressiva (z.B. Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) sowie während und nach einer Narkose mit Inhalationsgasen (z.B. Halothan und anderen, NICHT bei Lachgas!) und bestimmten Muskelrelaxantien (Medikamente, die während einer Operation die erforderliche Erschlaffung der willkürlichen Muskulatur herbeiführen; z.B Succinylcholin) kann es in seltenen Fällen zu lebensbedrohlichen Zuständen kommen mit Fieber über 38 (bis über 40) Grad Celsius, Muskelstarre, Bewusstseinstrübung, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, Blutdruckanstieg sowie beschleunigter Atmung. 

Welche Medikamente lösen Fieber als Nebenwirkung aus?

Diese Medikamentengruppen sind bekannt dafür, Fieber als Nebenwirkung auszulösen:

  • Mittel gegen Epilepsie (z. B. Carbamazepin, Valproat)
  • Mittel gegen Morbus Parkinson (L-Dopa)
  • Mittel gegen Psychosen/Schizophrenie (z.B. Haloperidol, Clozapin, Ziprasidon)
  • Antidepressiva (z.B. Citalopram, Escitalopram, Sertralin,Venlafaxin, Doxepin)
  • Antibiotika (z. B. Amoxicillin, Amipicillin, Penicillin G)
  • Chemotherapeutika (z. B. Zytostatika oder Cytarabin, Cisplatin, Bleomycin)
  • Mittel gegen Pilzinfektionen (z. B. Amphotericin B, Streptomycin)
  • Immunsuppressiva (z. B. Methotrexat)
  • Schilddrüsenhormone (L-Thyroxin)
  • Mittel gegen Migräne (z.B. Eletriptan, Rizatriptan, Sumatriptan)
  • Mittel gegen Übelkeit (z.B. Granisetron, Ondansetron, Metoclopramid)
  • Selten auch Magensäureblocker (z. B. Ranitidin)

 

Was sollte man bei Fieber als Nebenwirkung tun?

Die meisten Medikamente aus den hier genannten Arzneimittelgruppen sollten nicht eigenständig abgesetzt werden. Daher sollte bei Verdacht auf Fieber als Nebenwirkung zunächst mit dem behandelnden Arzt Rücksprache gehalten werden. Nachdem andere mögliche Ursachen des Fiebers (Infekt, Entzündung) ausgeschlossen wurden, wird dieservermutlich empfehlen, das Medikament abzusetzen oder die Dosis herabzusetzen. Die Diagnose, ob es sich um Arzneimittelfieber handelt, ist meistens schwer zu stellen. Deshalb wird sie häufig erst in der Rückschau durch den Heilerfolg geklärt: Klingt das Fieber ab, nachdem das Medikament abgesetzt oder eine geringere Dosis eingenommen wurde, kann man davon ausgehen, dass es sich um ein Arzneimittelfieber gehandelt hat.

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